Vegesack. Das Kulturbüro fungiert seit 2007 als gemeinsame Plattform der vier Vegesacker Kultureinrichtungen Kito, Kulturbahnhof, Bürgerhaus und Overbeck-Museum. Es ist Arbeitgeber eines Teils der Beschäftigten, hat die Federführung in der Programmplanung und verwaltet die Gelder, die für den Kulturbetrieb zur Verfügung stehen. Auf rund 1,3 Millionen Euro belief sich der Jahresetat zuletzt. Weniger als die Hälfte dieser Mittel stammt aus dem städtischen Haushalt, das Meiste müssen die vier Häuser selbst erwirtschaften.
Der aktuelle Engpass ist Folge des Bürgerhaus-Umbau. In mehreren Bauabschnitten soll das Veranstaltungszentrum am Sedanplatz bis zum Sommer 2013 runderneuert werden - ein positiver Impuls für den Stadtteil, das wird allgemein so gesehen. In der Umsetzungsphase bringt er das Kulturbüro jedoch wirtschaftlich in Bedrängnis.
Nach Angaben von Thomas Pörschke, Pressesprecher der Gesellschafterversammlung, ergeben sich Einnahmeausfälle unter anderem durch Mietsenkungen, die einzelnen Institutionen wegen der eingeschränkten Nutzbarkeit der Räumlichkeiten zugestanden werden mussten. Beispielhaft nennt Pörschke die Volkshochschule. Eine zusätzliche Belastung im fünfstelligen Bereich droht bei den Heizkosten. In der Vergangenheit hatte das benachbarte Sozialzentrum einen Teil dieser Kosten beglichen, weil beide Gebäude von der selben Feuerungsanlage versorgt wurden. Im Zuge der kürzlich abgeschlossenen Sanierung erhielt das Sozialzentrum eine eigene Heizung. "Das Sozialressort hat bereits angekündigt, dass es an uns keine Zahlungen mehr leisten wird", sagt Pörschke.
Handlungsbedarf ist offenbar akut
Wie groß die finanziellen Probleme des Kulturressorts tatsächlich sind, mag er nicht konkret beziffern. Der Handlungsbedarf ist aber offenbar akut. Pörschke: "Wir haben unseren Wirtschaftsplan für das laufende Jahr bereits überarbeitet, bleiben jedoch starken Beschränkungen unterworfen." Einschnitte im Veranstaltungsprogramm seien nicht völlig auszuschließen.
Für die Lage des Kulturbüros interessiert sich auch die FDP im Vegesacker Beirat. Ihr Vertreter Rainer W. Buchholz will in einer Anfrage unter anderem wissen, wann die zweite Geschäftsführerstelle wieder besetzt wird und ob das Ausscheiden der früheren Co-Chefin Rita Frische den Haushalt des Kulturbüros auch 2012 belasten wird. Hintergrund: Bis ins Frühjahr 2011 gab es in der Leitung der Einrichtung zwei Aufgabenfelder. Ulrich Mayer kümmerte sich um die Finanzen, Rita Frische ums Programm. Mayer ist nach wie vor im Amt, doch von Frische trennte sich der Aufsichtsrat nach längeren internen Querelen - bei Fortzahlung der Bezüge bis zum 31. Dezember.
Wie es scheint, wurden Frische weitere finanzielle Leistungen zugestanden. Auf Nachfrage der NORDDEUTSCHEN, ob zusätzlich eine Abfindung vereinbart worden sei, antwortet Pörschke ausweichend. Unbestimmt bleibt er auch in puncto Stellenbesetzung, wieder unter Verweis auf die angespannte wirtschaftliche Lage des Vegesacker Kulturverbundes. Die Personalie sei Gegenstand laufender Beratungen von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung, Ausgang ungewiss.



Regenwahrscheinlichkeit: