Bremen-Nord·Notodden. Das junge Paar lebt zuerst in Oslo, wo Christian Raupach einer der ersten zehn Verkaufsleiter für die Supermarktkette Lidl wird. Für die Einarbeitung auf den Posten wird er in seine alte Heimat Bremen geschickt. Die Hansestadt, insbesondere Bremen-Nord, hat nach wie vor einen hohen Stellenwert für den Wahl-Norweger.
Mit seiner Familie - mittlerweile gibt es den dreijährigen Sohn Olav und die einjährige Tochter Annelie - kommt er regelmäßig alle sechs bis acht Wochen zu Besuch nach Rekum. Fliegen und "Opa Manni" besuchen seien für Sohn Olav schon echte Highlights, aber noch größer ist für den Kleinen der Besuch von Eisdielen in Vegesack, denn die gibt's in Norwegen nicht so häufig. Für Raupach ist es wichtig, dass die Kinder auch seine Heimat und seine Sprache von Anfang an kennenlernen. Bei den Besuchen hier geht's ab an die Weser in Rekum oder mit dem Rad zum Harrier Sand.
Auch Einkaufen steht häufig auf dem Programm, denn "Norwegen ist ein Hochpreisland. Nutella gibt's nur in einem Laden in unserer Nähe und ein Glas kostet fast ein kleines Vermögen", sagt Raupach, der mittlerweile Deutsch und Wirtschaft an der Oberstufe in Notodden in der Ost-Telemark unterrichtet. "Lehrer wollte ich schon immer werden", sagt der Hobby-Surfer, der neben seiner Arbeit in der freien Wirtschaft das Pädagogik-Studium an der Fachhochschule in Hønefoss aufnimmt und im letzten Jahr noch den Master in Deutsch an den Universitäten Bergen und Göteborg hinterherschiebt. Das Arbeitsklima in Norwegen gefällt ihm sehr, "alles hier ist mehr auf dich als Mensch abgestellt. Für die Arbeitnehmer werden individuelle Arbeitszeitmodelle geschaffen, denn hier ist man davon überzeugt: wenn die Mitarbeiter zufrieden sind, dann leisten sie auch mehr". So hat Raupach beispielsweise an Donnerstagen "Papaurlaub" und kann sich voll und ganz seinen Kindern widmen.
Der unförmliche Umgang miteinander gefällt dem Studienrat auch: "?Sie? sagt man hier nur zum König, ansonsten werden alle geduzt." Und die "überwältigende Natur" hat es dem Nordbremer angetan. An den Wochenenden fährt er mit seiner Familie gerne ins nahegelegene Lifjell-Gebirge, wo sie 1000 Hektar Land und zwei Hütten besitzt, die auch an Touristen vermietet werden. Wenn Christian Raupach nicht gerade Bergforellen angelt oder auf Hirschjagd geht, kann es auch schon mal vorkommen, dass er sein Surfbrett einpackt und seinen Sport auf dem Gavlesjå-See ausprobiert.
Neben seinem Job an der Oberschule ist er Hobby-Farmer auf der Familien-Farm in Notodden, die eine Tradition bis ins Jahr 1620 hat und auf der er mittlerweile nach zweijähriger Renovierungszeit lebt. Der Schwiegervater betreibt eine Bio-Feuergasanlage mit 5000 Liter Tank, die mit dem Holz aus dem eigenen Wald angefeuert wird. Passend zur Weihnachtszeit werden Edeltannen aus Sibirien, den Rocky Mountains und Japan als Christbäume verkauft.
Das norwegische Weihnachtsfest ähnelt laut Raupach dem deutschen sehr. Der Kirchenbesuch, der Weihnachtsbaum und das Geschenkeauspacken gehören genauso dazu wie in Deutschland. Anders sei jedoch das Essen. "Am 24. Dezember wird Abends nicht wie bei uns oft Kartoffelsalat und Würstchen gegessen, sondern ?Ribbe? (Rippen), Pinnekjøtt? (geräucherte Lammrippen) und ?Lutefisk? (gelaugter Stockfisch). Auch ist die Kleiderordnung ist eine Nummer feiner, der Anzug beim Mann und das Abendkleid bei der Frau sind Pflicht. Dazu wird nach der Kirche oft auch noch das Familiengrab besucht und dort werden Kerzen angezündet".
Christian Raupach sagt, er habe sich leicht an das Leben in Norwegen angepasst und vermisst in seinem Leben nichts. Nur ein deutsches Kulturgut hat der begeisterte Werder-Fan in sein Familienleben in Notodden eingeführt: das Sportschaugucken am Sonnabend.
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