Vegesack. Dass man sich zum dreijährigen Geburtstag des Projekts mit einem sechsstündigen Festival unlängst selbst beschenkte, war ursprünglich nicht geplant. Eine Terminüberschneidung in der Konzertbuchung des "Moments" leistete jedoch Starthilfe für ein Festival, dessen überragender Erfolg alle Beteiligten überrascht haben dürfte. Neben der daraufhin erfolgten Zusammenlegung der ursprünglich anberaumten "Circuit"- und "presents"- Tourneereihen konnte Organisator Heiko Grein auch vier Bremer Unplugged-Künstler für die Spezialveranstaltung im KITO gewinnen, die bereits in der Vergangenheit zu diversen Anlässen an Konzerten der Reihe mitgewirkt hatten.
Der Publikumszuspruch zu diesem Vorhaben übertraf sämtliche im Vorfeld gehegten Erwartungen. So dürfte der eröffnende Kevin de Haas, der die Konzertreihe ansonsten als Soundtechniker begleitet, nicht schlecht gestaunt haben, seine bluesgetränkten Werke bereits vor einem bis auf den letzten Platz ausgefüllten Haus darbieten zu können.
Mit Lena Steinbrink betrat daraufhin die wohl jüngste "Songs & Whispers"-Künstlerin überhaupt die Bühnenbretter und beeindruckte alle Anwesenden mit einer kompositorischen und interpretatorischen Reife, die man so von einer Sechzehnjährigen nicht unbedingt erwarten würde. Auch der hiesige Lokalmatador Angelo Piazza, der unlängst bereits das erste Gastspiel der Tourneereihe im KITO eröffnen durfte, steht noch am Anfang seiner musikalischen Karriere. Er vermochte abermals mit eingängigen Eigenkompositionen zu überzeugen.
"Könnt ihr noch einen weiteren Songwriter mit Gitarre ertragen?", fragte der nachfolgende Axel Kruse ebenso bescheiden wie ironisch, um sich anschließend mit erdigen, authentischen Songs in der stilistischen Schnittmenge zwischen Rock und Americana-Folk weitere Publikumssympathien zu erarbeiten.
Austausch im Vordergrund
Durch eine spontane Bühnenkooperation mit Lena Steinbrink illustrierte der Bremer auch einen weiteren Aspekt der Konzertreihe: "Natürlich gilt es bei solchen Tourneeveranstaltungen, auch wirtschaftliche Faktoren zu berücksichtigen, um überhaupt kostendeckend arbeiten zu können. Letztendlich steht für uns aber der kommunikative Austausch durch ehrliche, handgemachte Musik im Vordergrund", erklärte auch Heiko Grein im Rahmen einer seiner Zwischenmoderationen.
Grein muss es wissen: Als Initiator und Organisator begleitet er seit Beginn nahezu jedes Konzert der Reihe, sinniert scheinbar unablässig über weitere Tourstationen und Veranstaltungskonzepte für sein Herzenskind und lässt sich auch durch mitunter geringe Besucherresonanzen nicht entmutigen. Was, wenn nicht unbändiger Musikidealismus, sollte sonst den Antriebsmotor für ein solches Mammutvorhaben darstellen?
Dass der von Grein angesprochene Austausch im Rahmen der Konzerte nicht nur zwischen Künstlern und Zuhörern, sondern mitunter auch auf der Bühne erfolgt, illustrierte der Liedermacher "Honig": "Dies wird leider für unabsehbare Zeit das letzte Mal sein, dass wir dieses Lied so spielen können", bedauerte der Düsseldorfer Songwriter, als er seine amerikanische Tourkollegin, die Harfenistin Gilliam Grassie, bereits vor deren verzaubernden Soloauftritt zu einem Duett auf die Bühne bat.
Der exzentrische Engländer Adam Donen duettierte anschließend sowohl mit einem Musik-Leistungskurs des Alten Gymnasiums als auch mit Grein selbst, hinterließ bei manchem Zuhörer jedoch einmal mehr die Frage, ob er nun bewusst mit Dissonanzen arbeitet oder seinem morbiden Bühnenpathos größere Aufmerksamkeit widmet als einer sauberen Intonation. Diese Frage stellte sich bei Daisy Chapman nicht: Mit einem Vortrag in bester Tori- Amos-Manier setzte die Künstlerin aus Bristol den Schlusspunkt unter ein gelungenes Festival, das über zweihundert Gäste verzeichnen konnte.



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