So manch einer dürfte vielleicht denken, dass die Kartoffel eher ein langweiliges Gemüse ist. In Deutschland kommt sie schließlich recht häufig auf den Tisch. „So ging es mir früher auch. Das hat sich im Laufe der letzten Jahre allerdings geändert. In Wirklichkeit ist die Kartoffel recht interessant“, sagt Hajo Freitag, der extra aus Oldenburg zum Kartoffelfest nach Delmenhorst gekommen war.
Das Symbol des Kartoffelfest
Seine Meinung änderte sich auch deshalb, weil er seit Jahren zu den Stammgästen des Kartoffelfests gehört und sich am Stand von Landwirt Dietrich Moorschlatt immer wieder Tipps rund um den Erdapfel einholt. „Was Dietrich Moorschlatt in jedem Jahr hier anbietet, ist für mich das Symbol des Kartoffelfests. Hier sieht man, dass die Pflanze viele verschiedene Seiten hat“, meint der Oldenburger.
Nicht nur Hajo Freitag dürfte so denken. Denn bei Moorschlatt werden nicht nur alle Fragen rund um die Kartoffel beantwortet, sondern bei ihm gibt es Sorten der Nachtschattengewächse zu sehen, von denen die meisten Besucher wohl kaum wissen, dass es sie überhaupt gibt.
In diesem Jahr hatte Moorschlatt satte 210 verschiedene Kartoffelarten dabei – die älteste stammt aus dem Jahr 1846. Auf den ersten Blick war kaum ein Unterschied zwischen den einzelnen Sorten zu erkennen. Doch der Landwirt aus Hengsterholz weiß, dass jede Kartoffelsorte ihre eigene Eigenschaft hat. „Alle Arten haben eine verschiedene geschmackliche Note“, erklärte Moorschlatt. „Außerdem eignen sich manche Kartoffeln nicht dazu, sie zu Püree oder Röstis zu verarbeiten.“
Hajo Freitag kann sich noch genau an seine Reaktion erinnern, als er Moorschlatts Stand zum ersten Mal auf dem Kartoffelfest begegnete. „Damals stand ich hier mit offenem Mund und hab ihn nicht mehr zu bekommen. Mir war gar nicht bewusst, dass es so viele verschiedene Kartoffelsorten gibt“, erzählt er. „Und wie man sieht, geht es anderen Menschen genauso“, sagt Freitag während er die anderen Besucher beobachtet.
Während bei Moorschlatt die Kartoffeln nur im rohen Zustand zu bestaunen und zu kaufen waren, wurden sie in anderen Buden in allen möglichen Variationen zubereitet. Egal, ob in riesigen Pfannen zu Bratkartoffel oder in großen Pötten zu Suppe. Der Renner waren aber auch beim diesjährigen Kartoffelfest die Kartoffelpuffer mit Apfelmus. Überall, wo die geriebenen Kartoffeltaler in reichlich flüssigem Fett badeten, bildeten sich lange Schlangen. Bei manchen Verkäufern wurden die Puffer sogar für einen guten Zweck gebacken. Der Erlös des Lions-Club Delmenhorst wird zum Beispiel den Jugendhäusern der Stadt gespendet.
Bevor sich die Hungrigen aber in die Schlangen einreihen konnten, musstensie sich erst einmal ein Weg durch die Menschenmengen bahnen. Denn die Innenstadt war so voll wie selten. Von den Veranstaltern des Delmenhorster Stadtmarketings wurden im Vorfeld des Kartoffelfests 50.000 Besucher erwartet. Nach Einschätzung von Dietrich Moorschlatt, der vor 17 Jahren zu den Mitgründern der Veranstaltung gehörte, dürfte diese Zahl jedoch weitaus höher sein. „Ich denke, dass wir an die 60.000 rankommen“, schätzt er.
Natürlich standen die Erdäpfel in der Innenstadt im Mittelpunkt. Doch es wurde bei bestem Wetter noch viel mehr angeboten. Zum Beispiel bei Oliver Glenewinkel. An seinem Verkaufsstand genossen die Besucher Aale, Forellen und Saiblinge, die direkt aus einer kleinen Räucherkammer auf die Ladentheke kamen. „Auch wenn unser Angebot nicht ganz zum Motto des Festes passt, bieten wir hier etwas sehr Originelles an“, meint Glenewinkel, der zum ersten Mal mit seinem „Fischkutter“ in Delmenhorst zu Gast war. Auch die Einzelhändler in der Innenstadt dürften sich freuen. Denn durch die großen Menschenmengen und dem verkaufsoffenen Sonntag waren auch ihre Geschäfte gefüllt.





Regenwahrscheinlichkeit: