"Auf dieses Thema haben wir im Moment unseren Fokus gerichtet", sagt Stefan Ludwig, Geschäftsführer der Delmenhorster Wohnungsbaugesellschaft GSG. Eine kleiner werdende Bevölkerung benötigt nunmal weniger Wohnraum. Der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen (VDW) prognostiziert in einer Studie über die Entwicklung der Wohnungsmärkte: "Gegenüber 2007 nahmen die Angebotsüberhänge in Delmenhorst und den Landkreisen Holzminden sowie Osterode am Harz am stärksten zu."
Die Immobilienexperten gehen davon aus, dass in Delmenhorst nicht nur die Bevölkerung zurückgeht, sondern auch die Zahl der Haushalte sinkt. Dementsprechend wird es in den Mehrfamilienhäusern zu viele Wohnungen geben, die dann leer stehen. "Es besteht lediglich ein qualitativer Neubaubedarf", heißt es in der VDW-Analyse. Das bedeutet: Die alten Blocks müssen weg, es müssen Angebote geschaffen werden, die vor allem für ältere Menschen und für Ein- und Zwei-Personen-Haushalte interessant sind.
Abriss vieler Häuser steht an
"Dabei muss auch der Abriss von Gebäuden eine Rolle spielen", sagt VDW-Direktor Bernd Meyer. Denn teilweise lohne es sich nicht, die alte Bausubstanz zu erhalten. Meistens wäre eine energetische Sanierung finanziell zu aufwendig. Dann lieber weg mit den alten Gemäuern und etwas Hochwertiges wieder aufbauen. Ein Programm, das die GSG bereits umsetzt. "Wir haben bisher jedes Jahr Rückbau betrieben", erklärt Stefan Ludwig, vor allem in den Jahren 2007 und 2009 hat die Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft alte Blocks abgerissen: 42 Wohnungen an der Königsberger Straße, 36 an Thüringer und Lerchenstraße und 40 an der Hasberger Straße. "Die Häuser wurden in den 50er- und 60er-Jahren gebaut, sie waren nicht mehr zeitgemäß, zudem gab es einen Instandsetzungsstau. Und mit Blick auf die Altersentwicklung haben wir uns für den Abriss entschieden."
Wie nun die GSG-Flächen in Düsternort neu gestaltet werden sollen, wird im Moment diskutiert. "Wir überlegen natürlich, altersgerechtes Wohnen anzubieten", erklärt Ludwig. Das bedeutet in erster Linie: kleinere Wohneinheiten, alles komplett barrierefrei. "In die alten Blocks kommen Menschen, die einen Rollator benötigen, schon nicht mehr rein", erklärt er. Denn der überwiegende Teil wurde mit einem Hochkeller gebaut, man muss also schon ein paar Stufen erklimmen, um überhaupt die Haustür zu erreichen. Neue Häuser würden dann auch komplett mit Fahrstühlen ausgestattet. Zudem sollen Gemeinschaftsräume geschaffen werden, in denen es auch Angebote für die Bewohner dieser Häuser geben soll. "Und dann gibt es noch Überlegungen, aber das sind wirklich nur Überlegungen, dort auch Inklusion anzubieten", sagt Ludwig. Auch seitens der Stadt wird an dieser Idee gefeilt. Das würde bedeuten, dass auch Menschen mit Behinderung dort leben sollen.
"Eine besondere Herausforderung wird das Wohnen für Hochaltrige, die also älter als 80 Jahre sind, und von Demenzkranken", denkt Bernd Meyer an eine weitere große Zielgruppe. Denen soll es ermöglicht werden, so lange wie möglich zu Hause zu leben. Was natürlich für die Wohnungswirtschaft auch aus wirtschaftlicher Sicht interessant ist. In dem jetzt von der Stadt vorgelegten "Strategischen Wohnungsmarktkonzept", das sich mit der Bevölkerungsentwicklung und der Stadtplanung bis zum Jahr 2020 beschäftigt, heißt es dazu: "Mit dem immer höheren Anteil der Bevölkerung im Alter von 65 Jahren, und insbesondere über 75 Jahre, kommt dem Thema des Wohnens im dritten Lebensabschnitt eine besonders hohe Bedeutung zu."


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