"Wir haben eine ganze Reihe von Dingen erreichen können. Vieles, was uns am Herzen liegt, wurde auf den Weg gebracht oder thematisiert", sagte Neumann und zählte hier unter anderem die Inklusion in Kindergärten, das Behindertengleichstellungsgesetz oder auch die UN-Konvention auf. Außerdem habe der Beirat dafür gesorgt, dass eine Liste erstellt wird, auf der nachzulesen ist, wer in der Stadt barrierefreie Wohnungen vermietet. Besonders freut die Mitglieder auch, dass ihre Ideen zur Umgestaltung der Markthalle (Infrarot-Anlage und Blindenleitstreifen) akzeptiert worden seien und von den Verantwortlichen realisiert würden. Ebenso hätten die Verbesserungsvorschläge für den Bau des Bettenhauses am Klinikum Anklang gefunden. Bei anderen Themen hingegen habe man feststellen müssen, dass dies gar nicht oder nur teilweise geschehen sei, so Neumann. Stichwort: Grafttherme-Therapiebecken oder Marktplatz-Neupflasterung. "Da hat man uns vieles zugesagt, das nicht realisiert wurde", erklärte
Neumann. Für so einen Fall brauche man einen engagierten Beirat. "Ich sehe es als eine der entscheidenden Aufgaben, behindertenpolitische Themen in den Ausschüssen anzusprechen", sagte der Beiratsvorsitzende, der selbst im Rollstuhl sitzt. Der Beirat hat nämlich in allen Ausschüssen Rede- und Antragsrecht.
Diese "Stimme" für die laut Ulrich Gödel rund 7000 bis 8000 Behinderten in der Stadt soll nun am 8. Oktober gewählt werden. Von den bislang zehn Kandidaten waren drei im Pressegespräch dabei. Weitere Interessierte können ihren Hut noch bis zum 30. September in den Ring werfen. "Wir haben dabei den Anspruch, alle Arten von Behinderungen im Beirat vertreten zu haben", erklärte Vorsitzender Neumann. "Experten in eigener Sache am Tisch haben", nennt er das. Das sind einmal die Sehgeschädigten, die Hörbehinderten sowie die Mobilitätseingeschränkten. Ein Kandidat mit Sehbehinderung fehle bislang noch. Und auch ein Elternteil eines behinderten Kindes - "das liegt uns auch am Herzen", so Neumann.
Diejenigen, die antreten, werden sich ihren Wählern vor der Wahl auf Steckbriefen vorstellen. Diese hängen im Multifunktionsraum des City-Centers aus, wo am 8. Oktober dann zwischen 10 und 14 Uhr (in Form einer Versammlungswahl) abgestimmt wird. Direkt vor der Wahl stellen sie sich dann nochmal gesondert vor. Zum Vergleich: Bei der Wahl 2007 traten 14 Kandidaten an, 153 Bürger mit Behinderungen gaben letztlich ihre Stimmen ab.
Neun der Kandidaten bilden später den neuen Behindertenbeirat, so viele Stimmen hat also jeder Wahlberechtigte. Als Nachweis für eine anerkannte Behinderung sind vor der Stimmabgabe zusammen mit dem gültigen Personalausweis der Schwerbehindertenausweis beziehungsweise der versorgungsamtliche Feststellungsbescheid vorzulegen. Alle Wahlberechtigten müssen an diesem Tag mindestens 16 Jahre alt sein und ihren ersten Wohnsitz in Delmenhorst haben.
Bettlägerige oder nicht mobile Menschen können einen Vertreter schicken, der aber eine Vollmacht sowie den Schwerbehindertenausweis desjenigen vorweisen muss. Eine Briefwahl ist indes nicht möglich. "Das scheitert letztlich am Datenschutz", sagte Ulrich Gödel. Denn das Niedersächsische Landesamt für Soziales, Jugend und Familie, dem die Daten vorliegen, dürfe sie nicht herausgeben. "Die Stadt hat diese Daten nicht, da eine Behinderung ja auch nicht meldepflichtig ist", so Gödel.
Gewählt werden am Ende die Kandidaten mit der höchsten Stimmenzahl, bei Stimmengleichheit entscheidet das Los. Wer sich noch zur Wahl stellen möchte, kann sich an den Wahlvorstand für die Behindertenbeiratswahl 2011, Stadt Delmenhorst, Fachdienst Gesundheit, Lange Straße 1a, 27749 Delmenhorst, wenden.


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