Ob nun als Puffer aus der Pfanne oder als Suppe aus dem Topf, die Kreationen sind sehr facettenreich, genauso wie das Gewächs selbst. "Ich habe 212 verschiedene Sorten dabei und es wird jedes Jahr eine mehr. Das mache ich schon immer so", erzählt Dietrich Moorschlatt, der gewissermaßen zu den Urgesteinen des Delmenhorster Kartoffelfestes zählt. Bereits seit 20 Jahren reist der Landwirt aus Hengsterholz mit den verschiedensten Kartoffel-Sorten an, von denen der Großteil seiner Kunden wahrscheinlich noch nie etwas gehört hat. Die Bandbreite seiner Nachtschattengewächse reicht von "Laura" über die "Zorba" bis hin zur "Blaue St. Galler". "Sie ist besonders beliebt wegen ihrer reinen, tiefgelben Fleischfarbe", sagt Moorschlatt über die beliebteste Kartoffelsorte der Deutschen. Sie gehöre zum "Kartoffelhimmel", in den es nur besonders gute Sorten schaffen würden. Die älteste Kartoffel in seinem Repertoire stammt aus dem Jahr 1846. Erfahrungsgemäß sei dem Kunden aber nicht das Alter oder besondere Merkmale wichtig, sondern eher eine schöne Form und eine außergewöhnliche Farbe. "Der erste Eindruck muss stimmen. Das Auge isst schließlich mit", weiß auch Moorschlatt.
Dichtes Gedränge vor den Puffern
Lecker duftend wurde die Kartoffel auch am Stand vom "Lions Club Delmenhorst" verarbeitet. In einer Schwenkpfanne mit einem Durchmesser von 1,70 Metern wurden im Akkord etliche Kartoffelpuffer gebraten, um das dichte Gedränge vor der Bude bewerkstelligen zu können. Wenn so eine rohe Kartoffel, wie die von Dietrich Moorschlatt, in die fleißigen Hände der ehrenamtlichen Helfer gerät, wird sie zunächst zerkleinert. Zusammen mit anderen Zutaten wird diese Masse zu einem leckeren Schmaus gebraten, der augenscheinlich vielen schmeckt, erzählt Andreas Baumann, Vizepräsident des Lions Club.
"Diese langen Schlangen sind eigentlich üblich. Es geht sogar so weit, dass Leute extra kommen, weil sie gehört haben, dass wir wieder Puffer verkaufen. Das habe ich nun schon mehrfach gehört", freut sich Baumann über das große Interesse an dem Kartoffel-Gericht. Groß sind auch die Mengen, die an einem Tag am Kartoffelfest verbraucht werden. 100 bis 150 Kilo Kartoffeln sowie 100 bis 150 Eier haben die ehrenamtlichen Mitglieder für ihren beliebten Puffer zubereitet, sagt er.
Wem bei den doch recht kühlen Temperaturen doch eher nach etwas heißem zumute war, der konnte sich an der Verkaufsbude der Gastronomie Schierenbeck mit einer Schale Kartoffelsuppe aufwärmen. Und für diejenigen, die sich nicht mehr bis November gedulden wollten, gab es hausgemachten Grünkohl. "Grünkohl kann man doch immer essen", fand ein hungriger Kunde. Bis zum Halloween-Fest ist ebenfalls noch ein wenig Zeit, doch auch dafür hielt das Kartoffelfest schon etwas bereit. Zierkürbisse und typische orange Gewächse mit gruseligen Schlitzaugen und spitzen Zähnen konnten von den Besuchern an mehreren Ständen ergattert werden.
Auch die Läden in der Stadt hatten gestern für einen kleinen oder größeren Einkaufsbummel geöffnet. In der City allerdings nur unter der Voraussetzung, dass noch genügend Geduld vorhanden war. Schließlich ging es sowohl zwischen den Buden des Kartoffelfestes als auch in der Fußgängerzone nur schleppend voran. Doch bei gefüllten Bäuchen mit allerlei Leckereien von der Kartoffel, dürfte das nur wenigen der Kartoffel-Freunde auf den Magen geschlagen haben.





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