Delmenhorst. Rauchen ist ungesund und kann tödlich sein - das wissen Raucher spätestens seit es entsprechende Warnhinweise auf Zigarettenschachteln gibt. Und weil der Rauch eben auch den Mitmenschen nicht gut bekommt, werden die Qualmer in fast allen Betrieben vor die Tür geschickt, um ihr stinkendes Werk zu verrichten. Jetzt müssen sich Raucher einem neuen Vorwurf stellen: Sie kosten ihren Arbeitgeber Geld. Das findet zumindest BVMW-Präsident Mario Ohoven und er fordert, dass das Rauchen nur noch in der Mittagspause erlaubt sein sollte. Bei drei fünfminütigen Raucherpausen, rechnet der BVMW vor, gehen einem Arbeitgeber über 2000 Euro verloren - pro Jahr und pro Raucher.
Minutengenaue Abrechnung
In Delmenhorst kommen die Arbeitgeber bislang auch ohne ein Rauchverbot aus, jeder mit seinen eigenen Mitteln. "Uns betrifft das gar nicht", sagt Britta Fengler, Sprecherin der Stadtwerke Delmenhorst (SWD). Sie haben längst eine Methode, um Raucher und Nichtraucher gleichmäßig am Arbeitspensum zu beteiligen - ohne dass jemand auf seinen Nikotinschub verzichten müsste. "Bei uns stempeln die Mitarbeiter aus, wenn sie in die Pause gehen", erklärt Fengler die schon seit mehreren Jahren übliche Praxis. Die Beschäftigten der städtischen Verwaltung arbeiten - beziehungsweise pausieren - nach dem gleichen Prinzip. "Also entsteht uns auch kein wirtschaftlicher Schaden", betont Stadtsprecher Timo Frers.
Im Klinikum fehlt für eine solch minutengenaue Abrechnung das notwendige Gerät, sagt Sprecherin Mandy Lange. Also seien die Mitarbeiter auf individuelle Regelungen angewiesen. "Wenn auf der Station viel los ist, geht natürlich keiner in die Raucherpause." Dass Rauchen schädlich ist, dass sei gerade in einem Krankenhaus jedem klar, ergänzt sie. Aber man wolle auch keinem Erwachsenen in seine Entscheidung hineinreden. Allerdings gebe es Suchtberater für Mitarbeiter - für den Fall, dass sich freiwillig jemand für immer von der Kippe verabschieden möchte.
"Im Moment ist es so: Wer rauchen muss, geht rauchen", erklärt Gerhard Frerichs, Leiter des Delmenhorster Atlas-Werks. "Aber wir gucken drauf, dass das nicht übertrieben wird." Im Ganderkeseer Werk gab es Ende vorigen Jahres allerdings Knatsch wegen "Raucherpausen, die missbraucht worden sind", wie es Werksleiter Karsten Kehl formuliert. Deswegen habe es sogar eine Begegnung vor Gericht gegeben - ohne, dass es zu einer eindeutigen Entscheidung für die Zukunft gekommen sei. Laut Kehl waren einige Mitarbeiter bis zu zehn Mal am Tag zum Rauchen vor die Tür gegangen.
Bis ins Detail geregelt, könnte man meinen, ist die Raucherei bei der Bundeswehr. Frei nach dem Motto: Jedem Soldaten stehen täglich 7,8 Minuten Inhalationszeit zu. Das Gegenteil ist der Fall, wie der für Presseanfragen zuständige Hauptbootsmann Axel Lück erzählt. "Das wird je nach Zeit und Möglichkeiten gemacht", beschreibt er den pragmatischen Umgang mit Raucherpausen in der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne. Wobei die Kaserne selbst natürlich nicht zugequalmt werde. "Es gibt eigentlich nur eine Regel: Es darf nicht in Gebäuden geraucht werden."



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