Delmenhorst. Olaf Meik gefällt die Farbe, die die Nachwuchs-Kuratoren ausgesucht haben. Pink. Es sieht frisch aus, es zeigt, dass Linoleum modern ist, viel aufregender als sein Ruf. Meik ist Plant Manager bei DLW Armstrong in Delmenhorst. Er war recht neu in der Stadt, als Annett Reckert im Sommer 2011 zu ihm kam und über Unterstützungsmöglichkeiten nachdachte. Sie musste ihn nicht lange überreden, das, was er da hörte, überzeugte ihn schnell. "Das ist eine inhaltlich schlüssige Förderung", sagt er. Die Verbindung Stuckenberg-Linoleum liegt auf der Hand, der Vater des berühmten Malers war kaufmännischer Direktor der Hansa-Linoleumwerke. Also gab sein Unternehmen etwas zu der Fritz-Stuckenberg-Ausstellung, die von zwei Gymnasiastinnen und der jungen Initiative Copartikel auf die Beine gestellt wurde, dazu. Und zwar nicht nur den pinken Fußbodenbelag, der die Besucher in der Remise aufs Thema einstimmen soll.
Für Annett Reckert und Olaf Meik ist die Kooperation in Form der Ausstellungsförderung Neuland gewesen. Aber es hat sich gelohnt, es zu betreten, beide sind zufrieden mit dem Ergebnis. "Und wir haben bei unserem Gespräch gleich nach vorne geschaut", sagt Meik. Die Verbindung zwischen Industrie und Kultur soll keine Eintagsfliege bleiben, wenn es sich inhaltlich anbietet, wollen beide gern wieder zusammenarbeiten. Der Linolschnitt als eigenständige Kunstform springt da natürlich sofort ins Auge. Annett Reckert hat auch schon Ideen, was man eventuell mal machen könnte, weil die umtriebige Kuratorin immer sofort solche Ideen hat. Aber wenn es eine Linol-Ausstellung gibt, soll sie auch des Hauses würdig sein, wie immer Erstligaformat haben. "Linoleum gehört zu Delmenhorst", sagt Meik. Er würde so ein Projekt ziemlich spannend finden.
Für das Überleben des Hauses Coburg ist Sponsoring unerlässlich. Die Summe, die im städtischen Haushalt bisher für Ausstellungen auftauchte, ist so niedrig, dass man dafür kaum die Tür aufschließen kann. Dass das in absehbarer Zeit besser wird, darf bei der Finanzlage der Stadt bezweifelt werden. Also muss das Geld von woanders kommen. Um das Geld der Banken, Versicherungen, Stiftungen und anderer üblicher Verdächtiger in der Kulturförderung balgen sich viele. Auch da wird das Geld knapp. Neue Quellen zu finden, ist für Annett Reckert also wichtig.
Auch in Torsten Dietz, Geschäftsführer des Industrieanlagenbauers Wehrhahn, fand die Galerie-Leiterin einen Unterstützer. Schon bei der Klanginstallation "oben ohne" im Wasserturm war das Unternehmen mit von der Partie. "Wir haben uns bei Wehrhahn schon vor vielen Jahren die Frage gestellt: Wie gehen wir mit dem Thema Unterstützung um", erklärt Dietz. Herausgekommen ist ein sehr klares Förderprofil, das Kindern und Jugendlichen in der Gewaltprävention zugutekommen soll. "Wir unterstützen das ,Faustlos'-Projekt oder auch die Mitternachtshallen", erklärt Dietz. Und auch bei der Kunstförderung war der Aspekt der Jugendarbeit wichtig. "Nach dem Premierenfest hat eine Musikpädagogin mit Schulklassen und Kindergartenkindern in der Installation gearbeitet", erklärt Annett Reckert.
Maschinen für die Bauplatten
Diese Zusammenarbeit war nun auch ihr Türöffner, als sie für die Badock-Schau noch Hilfe benötigte. Wehrhahn ermöglichte, dass aus einer ganz normalen Ausstellung etwas Besonderes wurde. "Dank Wehrhahn konnte Benjamin Badock die Gardine auf die Tür drucken, die Farbfolien an den Wintergartenfenstern anbringen oder auch das Fitgerzimmer gestalten", erzählt die Haus-Coburg-Chefin, die mit ihrem Team auch schon eine Führung bei dem Maschinenbauer gemacht hat. Und deswegen wusste sie, dass die Delmenhorster Maschinen bauen, mit denen Ytongsteine und -platten produziert werden, in der Ingenieurspoesie heißen sie "geschosshohe Wandelemente". Womit Annett Reckert auch durchaus eine Verbindung zu Badocks Plattenbau-Serie, die Linie zwischen Maschinen- und Plattenbauer sah.
Die Kooperation zwischen Unternehmen und Kunsthaus endete nicht beim Ausstellen eines Schecks. Die Wehrhahn-Techniker haben vor ihrem traditionellen Weihnachtsgansessen einen Zwischenstopp im Haus Coburg eingelegt, um sich die Ausstellungen anzusehen. Für beide Seiten eine spannende Erfahrung. "In den Führungen kamen verstärkt Fragen zum technischen Vorgehen von Badock beim Drucken", erzählt Annett Reckert. Aber auch die ästhetische Komponente hat wohl gefallen. "Ingenieure sind sonst ja vielleicht nicht so künstlerisch interessiert, aber es gab viel positives Feedback", sagt Dietz.
Und wer weiß. Vielleicht kann die Galerie den Unternehmen auch eines Tages etwas zurückgeben. Mit Blick auf den Fachkräftemangel ist ein attraktives Umfeld ein gutes Argument, um neue Mitarbeiter zu gewinnen. Eine spannende Kulturlandschaft ist da sicherlich nicht von Nachteil.
Die Ausstellungen mit Werken von Benjamin Badock und Fritz Stuckenberg sind noch bis Sonntag, 5. Februar, im Haus Coburg zu sehen.


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