Delmenhorst. Das Portemonnaie war Evelyn Gardemanns Idee. Sie klappt es auf - und im ersten Moment wird gar nicht klar, was nun an dem Linkshänder-Geldbeutel anders sein soll. Aber natürlich ist er spiegelverkehrt aufgebaut. "Wenn meine Tochter früher ihr Portemonnaie öffnete, fielen oft die Geldscheine raus, weil sie es anders herum hielt", erinnert sich die Delmenhorsterin. Also setzte sie sich hin und zeichnete einen Entwurf für Linkshänder. Mit ihren Skizzen suchte sie sich dann einen Hersteller. Fertig. Seitdem taucht die Ledergeldbörse unter "Diverses" in ihrem Online-Laden auf.
Aber es ist die Ausnahme, dass sie selbst Artikel entwickelt. In der Regel kauft sie bei verschiedenen Herstellern ein, "meine Waren bekomme ich nicht nur aus Deutschland, ich bestelle auch in Griechenland und Frankreich. In England gibt es auch viele Linkshänderprodukte", erzählt sie. Immer ist Evelyn Gardemann auf der Suche nach Neuem. Aber bevor es in den Shop kommt, wird es auf seine Alltagstauglichkeit getestet, natürlich von einer absoluten Fachfrau: ihrer Tochter. "Denn es gibt auch Quatsch, den nehme ich nicht ins Sortiment auf", erzählt Evelyn Gardemann. Zum Beispiel Linkshänder-Tassen, auf denen ein einseitiger Aufdruck für den Linkshänder sichtbar ist, wenn er trinkt. Es gibt in der Tat drängendere Probleme für Sinistrale, wie sie in der Fachsprache heißen, vom Lateinischen Wort für links: sinister.
Die Probleme fangen schon beim einfachen Schneiden von Papier an. Rechtshänderscheren können Linkshänder echt nerven. Wer es ausprobieren möchte, kann ja mal versuchen, mit einer handelsüblichen Schere in der linken Hand ein Blatt Papier zu zerschneiden. Besonders auffällig wird das bei Nagelscheren, die in der linken Hand eines Rechtshänders auf einmal nutzlos scheinen. "Ich verkaufe auch viele Linkshänder-Nagelscheren an Rechtshänder, die dann für die jeweils andere Hand eine Schere haben", sagt die Versandhändlerin, die recht früh das Internet für sich entdeckte. Ein Segen für sie, weil sie nicht ständig erreichbar sein muss, sagt sie.
Verrenkungen im Alltag
Ein weiteres wichtiges Utensil für Linkshänder sind Spezial-Messer. "Mit einem normalen Messer drücken Linkshänder nur. Wenn sie zum Beispiel Brot schneiden, ist die Scheibe unten immer dicker als oben", weiß Evelyn Gardemann aus familiärer Erfahrung. Dosenöffner, Korkenzieher oder Bleistiftanspitzer nötigen Linkshändern zudem heftige Verrenkungen ab. Beim Schreiben ist das manchmal besonders schlimm. Deswegen gibt es auch Schreibunterlagen für Kinder, mit denen ihnen gezeigt wird, wie sie mit links schreiben können, ohne ihre Schulter zu verdrehen. Andererseits können Sinistrale ahnungslose Rechtshänder mit einem speziellen Zollstock vor eine schöne Denksportaufgabe stellen, wenn beim Ausmessen auf einmal gar nichts mehr zu passen scheint.
Es scheint nur noch wenige Gegenstände zu geben, die nicht auf links gedreht wurden. Darunter findet sich auch einiges bei Evelyn Gardemann im Online-Shop, was eher in die Kategorie Spielerei fällt. Zum Beispiel die Linkshänder-Boomerangs, wirklich nichts für jeden Tag. Oder auch die Linkshänder-Uhren, bei denen die Zahlen entgegen dem Uhrzeigersinn angeordnet sind. "Aber für einige Linkshänder ist das hilfreich. Meine Tochter hat früher auch immer gesagt, dass sie sich mit ihren Freundinnen zwischen drei und zwei Uhr trifft", erzählt die Links-Spezialistin. Und obwohl dieses Phänomen selbst unter Linkshändern selten ist, verkaufen sich die Zeitmesser ganz ordentlich. "Viele wollen die einfach als Gag haben."


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