Delmenhorst. Es gibt recht handfeste Gründe für die Delmenhorster Politik, ein Isek zu haben: Geld. Zwar muss die Stadt in die Isek-Entwicklung erstmal investieren - 25000 Euro tauchen bereits im Haushalt 2012 auf, insgesamt rechnet der Fachdienst Stadtentwicklung und Statistik mit Kosten in Höhe von rund 60000 Euro - aber das könnte sich auszahlen. In der Vorlage heißt es: "Mit einem Isek wird eine Argumentationslinie für die Einwerbung von Fördermitteln aus EU, Bund und Land geschaffen." Und: "So wird in der ab Januar 2012 geltenden Fassung der ,Bund-Länder-Verwaltungsvereinbarung' über die Städtebauförderungsmittel des Bundes die Erarbeitung eines Isek Voraussetzung für die Aufnahme in Förderprogramme sein." Und ohne Fördermittel wird die chronische klamme Kommune keine nennenswerte Stadtentwicklung mehr leisten können.
Inhaltlich soll ein solches Entwicklungskonzept erstmals alle relevanten Lebensbereiche bündeln, wie Christoph Jankowsky von der Verwaltung ausführt. Das beinhaltet "Wohnen, Wirtschaft, Bildung, Gesundheit, Handel, Naturschutz, Energie, Soziales et cetera". Nun ist die Erkenntnis, bei Planungen möglichst umfassend zu denken, nicht neu, aber in der Realität wird sie häufig nicht umgesetzt. Oder das Zuendedenken erschwert, weil es nur wenige Instrumente gibt, die ein solch planvolles und nachhaltiges Vorgehen erleichtern.
Rat wollte Konzept schon 2004
Was der Rat der Stadt bereits 2004 erkannt hat und deswegen eine "querschnittsorientierte Stadtentwicklungskonzeption" wollte. Zu so einem "Q-Sek" haben die Stadtentwickler bisher vor allem Grundlagendaten gesammelt, zum Beispiel die kleinräumige Bevölkerungsprognose, das strategische Wohnungsmarktkonzept oder auch das Einzelhandelskonzept. All diese Werke sollen nun die Grundlage bilden, um eine zielgerichtete Rundum-Planung, das Isek, voranzubringen. Das Themenspektrum, das Jankowsky dafür ins Spiel bringt, beginnt mit der Revitalisierung der Innenstadt und geht über Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Wohnungsmarkt sowie über die Zukunft des Kasernengeländes bis hin zu einem städtischen Klimaschutzkonzept.
Besonders wichtig ist den Stadtentwicklern eine intensive Einbeziehung der Bürger in die gesamte Planung, die bereits im Sommer beginnen könnte. Es sollen Bürgerversammlungen und Bürgerwerkstätten durchgeführt werden, aber dafür ist aus Sicht der Verwaltung eine "professionelle Moderation unerlässlich. Wenn man das Angebot an die Bürger macht und ihre Kompetenz einholen möchte, muss man es gut und qualifiziert machen". Allerdings treibe das auch die Kosten in die Höhe. Zumal auch Energien darauf verwendet werden müssen, junge Menschen anzusprechen - und das geht eben kaum über Versammlungen, sondern nur durch Präsenz in den sozialen Netzwerken.


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