Delmenhorst. Der Wollepark ist besser als sein Ruf. Zumindest bei seinen Bewohnern. Sie haben auch großes Interesse daran, dass ihr Quartier nicht weiter verkommt, sondern schöner wird. Und genau dafür sind Kira Dartsch und Natascha Wiemann ja da, um zusammen mit den Bewohnern eine schöne Nachbarschaft zu gestalten. "Wir wollen hier eine gute Wohn- und Lebensqualität erreichen", sagt die Neue.
Dass die Bewohner mitziehen, zeigt sich an den Projekten, die vom Nachbarschaftszentrum ins Leben gerufen wurden. "Wir bieten in diesem Jahr schon zum dritten Mal einen Fahrradfahrkurs für Frauen an", sagt Natascha Wiemann. Zwei gab es bereits im vergangenen Jahr. Und weil die Nachfrage nach dem Angebot groß ist, gibt es einen weiteren. Genau wie beim Schwimmkurs für Frauen. "Wir haben zehn Plätze zur Verfügung, aber schon 30 Anmeldungen." Es gibt Wartelisten für das Gartenprojekt, das monatliche Bastelangebot lockt meistens so viele Interessierte an, dass die Gruppe schon aus dem Seminarraum in den großen Saal umziehen musste.
Doch Kira Dartsch sieht ihre Aufgabe nicht nur darin, die Bewohner zu bespaßen und auf diese Weise zusammenzubringen. Um die Arbeit im Zentrum inhaltlich an den Bedürfnissen der Bewohner auszurichten, werden die beiden Frauen demnächst für eine Befragung durch die Häuser ziehen. Zuletzt wurde das vor über zehn Jahren gemacht. Es ist also durchaus an der Zeit, noch mal zu horchen, was sich seitdem verändert hat.
Delmenhorster Verhältnisse bekannt
"Und ich biete drei Mal in der Woche eine Sprechstunde an, bei der ich den Menschen bei sozialen oder wirtschaftlichen Fragen helfe", erzählt die 24-Jährige, die in Vechta Soziale Arbeit studiert hat. Ihr Anerkennungsjahr als Sozialarbeiterin hat sie im Tagesaufenthalt für Wohnungslose der Diakonie gemacht. Was ihr zugute kommt: Durch ihr Anerkennungsjahr kennt sie die Delmenhorster Verhältnisse bereits, sie kennt auch andere Hilfseinrichtungen. "Und sie war in dem Jahr schon bei uns, für die Bewohner ist ihr Gesicht nicht neu", sagt Natascha Wiemann.
Einer der Schwerpunkte in Kira Dartschs Beratungsgesprächen sind Probleme mit dem Vermieter. Und die haben die Bewohner reichlich, weil die Titel aus der Insolvenz des ehemaligen Besitzers von einem international tätigen Investor namens Lone Star verwaltet werden. Und das ist einer dieser klassischen Verweser, der nur Geld aus den Objekten ziehen will, aber möglichst nichts in den Unterhalt der Gebäude stecken möchte. "Die Bewohner kommen mit so klassischen Problemen wie Schimmel in der Wohnung, nicht funktionierenden Fahrstühlen, ungeputzten Treppenhäusern oder aufgebrochenen Briefkästen", erzählt Natascha Wiemann. Im Team mit der Stadtverwaltung und dem Jobcenter wollen sie nun eine Lösung finden, um Mietminderungen durchzusetzen. Was gar nicht so einfach ist. Denn erstens nehmen viele Bewohner Mängel einfach klaglos hin, berichtet Klaus-Peter Seibt, Geschäftsführer der Diakonie in Delmenhorst. Und zweitens leben viele Menschen im Wollepark von Transferleistungen des Staates, das
Jobcenter ist also für die Miete zuständig. Von einer Mietminderung profitieren die Bewohner also erst dann, wenn der finanzielle Druck den Vermieter dazu bringt, seine Immobilien besser in Schuss zu halten.
Ein Thema, mit dem Natascha Wiemann und Kira Dartsch ebenfalls jetzt häufiger konfrontiert werden, sind die Gerüchte über die Zukunft des Wolleparks. Die Stadt überplant das Gebiet gerade neu. "Die Menschen kommen mit Fragen, ob es Besitzerwechsel geben wird und was dann aus ihnen wird, wo sie hin müssen", sagt Kira Dartsch. Da heißt es vor allem zu beruhigen. Aber diese neuen Pläne bringen ja auch Positives: Die Stadt will das Kurbad abreißen, dort soll ein weiterer Garten für Anwohner entstehen, so wie schon auf der Südseite des Quartiers. Es wird dann sicherlich wieder Wartelisten geben.


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