Knaths selbst ist es gelungen, beim Handelskonzern Otto in die Führungsebene vorzudringen. Mit 19 Jahren hat sie dort angefangen, 15 Jahre später bot man ihr einen Vorstandsposten in einer großen amerikanischen Aktiengesellschaft an. Stattdessen machte sie sich als Unternehmensberaterin selbstständig und gründete 2004 außerdem 'sheboss' - ein Zusammenschluss von Spezialistinnen, die Führungsseminare für Frauen anbieten.
Unter der Überschrift 'Neue Rollen - neue Strategien' beschwor Knaths die Frauen im Verdener Publikum, auf ihre nonverbale Kommunikation zu achten. Ein Lächeln zur rechten Zeit ist in Ordnung, dabei aber den Kopf zur Seite neigen und die Ausführungen des Gegenübers möglicherweise auch noch mit Beifall bekundenden 'Hm'-s begleiten, wirkt kleinmädchenhaft. Knaths: Der typisch weibliche Lächelreflex werde von Männern als klares Signal der Unterwerfung verstanden. 'Das bedeutet sofortigen Kompetenzverlust, die Männer hören dann einfach nicht mehr zu.'
'Da geht`s nur ums Gewinnen'
Warum das so ist, führte Knaths auf das schon früh eingeübte unterschiedliche Kommunikationsmuster von Frauen und Männern zurück. Während Frauen flache Hierarchien pflegten, gebe es bei Männern eine klare Rangordnung. Knaths: 'Da geht es, wie beim Fußball, nur ums Gewinnen.'
Als Beispiele dafür, wie Frauen sich in einer Männerwelt durchsetzen und behaupten können, führte die Referentin die frühere amerikanische Außenministerin Condoleeza Rice ('Dieser Blick!') und Angela Merkel an. Die Bundeskanzlerin habe die Gesten der Macht schnell gelernt, nämlich: Wenn einer dem anderen bei der Begrüßung die Hand auf die Schulter lege - von Knaths als 'Übergriff' bezeichnet - signalisiere er nonverbal Überlegenheit. 'Viele Frauen weichen dann zurück.' Merkel tue das bei Begegnungen mit anderen Staatsoberhäuptern nicht, sondern lege ihrem Gegenüber ebenfalls die Hand auf die Schulter und stelle damit Gleichheit her.
'Nun laufen sie aber nicht gleich zu ihrem Chef und machen das da auch, der wäre davon kaum erbaut', riet Knaths zur Einhaltung der Rangordnung. Weiter empfahl sie den Frauen dringend, sich bei beruflichen Gesprächen auch körperlich zu positionieren. 'Beim Sitzen immer die Ellenbogen weg vom Körper, dann fühlen sie sich gleich ganz anders. Und beim Stehen nicht schmal machen, sondern einen schulterbreiten Stand wählen.'
Frauen, stellte Knaths weiter fest, seien nicht trainiert, für ihre Rechte einzutreten. Das vor vier Jahren eingeführte Gleichbehandlungsgesetz habe kaum Klagen von Frauen bewirkt. 'Es sind in der Regel schwerbehinderte Männer, die die Gerichte anrufen.'
Wenn es eine Frau in einen Vorstand schaffe, werde sie allein keine Veränderung der Strukturen bewirken können, meinte die Referentin. 'Die ist sofort weg vom Fenster. Es müssen schon mindestens drei sein.' Sie forderte dazu auf, 'Quotenfrau' nicht als abschätzigen Begriff gelten zu lassen, denn: 'Ohne Zielvorgaben wird das nichts.' Die Kernkompetenz der Frauen bleibe ihre verbindende Kommunikation. Wo es aber nötig sei, müssten sie die 'Spiele der Macht' beherrschen - so lautet der Titel eines Buches von Marion Knaths.
Wie die Rednerin, hatte zuvor auch schon Ulrike Helberg-Manke von der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft hervorgehoben, dass Unternehmen künftig nicht mehr auf qualifizierte Frauen verzichten könnten: 'Die Zukunft ist weiblich.' Landrat Peter Bohlmann kündigte neue Richtlinien für Einstellungskriterien an. Weibliche Qualitäten wie Teamfähigkeit und Organisationstalent würden zunehmend wichtiger. Deswegen sollten in der Kreisverwaltung künftig neben fachlichen und methodischen Kompetenzen auch die außerberuflich erworbenen Fähigkeiten berücksichtigt werden.
Susanne Eggers-Staiger, Verdener Vorsitzende der Unternehmerinnen im Handwerk, riet Betrieben zu einer altersgemischten, gut geschulten Belegschaft. Ausfälle wegen Schwangerschaft und Elternteilzeit könnten so aufgefangen werden, wie sie aus eigener Erfahrung wisse.



Regenwahrscheinlichkeit: