Der NWDSB zieht mit seinem Landesleistungszentrum um in die ehemaligen Hallen der Kammann Metallbau GbmH, Lange Straße 68/70, die Stadt bekommt dafür die alte Residenz der Grünröcke am Bramstedter Kirchweg und über fünf Jahre verteilt etwa 3,5 Millionen Euro.
Am 1. Oktober wird das neue Domizil an den NWDSB übergeben, bis zum 31. Dezember können die Schützen zudem noch in ihren alten Räumen verweilen. 'Wir wollen jetzt möglichst schnell mit der Renovierung beginnen', ist Jonny Otten voll der Vorfreude. 'Wir müssen ein bisschen wieder aufholen von der Zeit, die wir verloren haben.' Zuerst soll die Verwaltung umziehen, dafür muss der Bürotrakt von Kammann Metallbau auf Vordermann gebracht werden. Als nächster Schritt soll Luftgewehrschießen möglich gemacht werden. Konkreter wird?s allerdings nicht.
Eine Finanzierung über einen Kredit ist bisher nicht in Sicht. 'Die Banken halten unsere Sicherheiten für nicht ausreichend', kommentiert Otten. Über einen Zusatzbeitrag (1,50 Euro jährlich pro Mitglied jedes NWDSB-Schützenvereins) kommen 180000 Euro jährlich in die Kasse, die Schützen haben zudem Rücklagen gebildet und hoffen, so Vizepräsident Heinz Rösseler, auf 'eine Eigendynamik aus den eigenen Reihen'. Sprich: Sponsoren, zinslose Kredite oder Angebote wie kostenlose handwerkliche Hilfe aus den eigenen Vereinen. Der erste Bauabschnitt ist finanziell abgesichert, 'aber wir werden auch die anderen durchziehen', versichert Otten. Nach und nach solle das neue Zuhause wachsen: 'So baut man ein Eigenheim ja auch: Wenn es in diesem Jahr nicht für die Garage reicht, wird sie halt im nächsten Jahr gebaut.'
Auch das Bauvorhaben nimmt nur ganz vage Konturen an. 'Wir müssen erst einmal einen Bauantrag beim Landkreis Diepholz stellen, dann legen wir die Reihenfolge unseres Vorgehens fest', sagt Rösseler. Ziel sei es, zuerst den Teil für die Luftdruckwaffen fertigzustellen, dann solle die große Halle für die Kleinkaliberschützen folgen, ehe auch die Bogenschützen auf dem ehemaligen KMH-Gelände ihre Heimat finden sollen.
Diese Reihenfolge hat einen ganz einfachen Grund: Die Landesmeisterschaften mit den Luftdruckwaffen will der NWDSB im Jahre 2011 bereits nach Bassum holen. Die bisherige Ausrichtung in der Oldenburger Weser-Ems-Halle hat den Schützenverband bisher jährlich 30000 Euro gekostet. 'Das ist Geld, das wir dann einsparen können', freut sich Schützen-Chef Jonny Otten. 'Dieses Geld kann dann natürlich auch in den Umbau des neuen Landesleistungszentrums fließen.'
Wobei das nur ein positiver Randaspekt ist. 'Am neuen Standort haben wir deutlich mehr Möglichkeiten', schwärmt Otten. Was nicht erstaunt, wenn man weiß, dass der NWDSB am Bramstedter Weg nur Kleinkaliberschützen beherbergen konnte. Für Luftdruckwaffen bräuchten sie eine geschlossene Halle, so Otten, aber am Bramstedter Kirchweg ist 'nur der Schützenstand überdacht, alles andere ist offen'.
Kadertraining, Länderkämpfe und internationale Wettkämpfe will der NWDSB nach Bassum holen, zudem baut auch der Deutsche Schützenbund gerade um, was neue Chancen bietet. 'Die haben uns schon gefragt, wann wir denn fertig würden', erzählt Rösseler und berichtet dann von indischen Delegationen, die, von einem reichen Privatmann ausgestattet, zum Training nach Deutschland gereist seien. Auch die Bundesligawettkämpfe der beiden Luftpistole-Bundesligisten SV Bassum von 1848 und SSGi Bremen-Bassum könnten im neuen Landesleistungszentrum stattfinden. 'Das liegt an denen', findet Jonny Otten. Die Bewerbung der SSGi um die Finalrunden zur Deutschen Meisterschaft 2012 seien mit der neuen Heimstätte des NWDSB im Hintergrund auf jeden Fall aussichtsreicher gewesen.
Doch bleiben wir bei den Fakten: Der NWDSB lockt die Stadt mit 1600 Übernachtungen im Jahr. Auch die Gastronomie wird zumindest von den in Bassum stattfindenden Titelkämpfen profitieren. Des Weiteren hat die Lindenstadt über Bürgermeister Wilhelm Bäker ein Nutzungsrecht für die KMH-Hallen ausgehandelt: An 15 Tagen für maximal fünf Veranstaltungen können dann die Örtlichkeiten für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden. 'Wir können da nach Absprache auch kurzfristig mehr draus machen', deutet Jonny Otten weitere Möglichkeiten an. Nicht zu vergessen: Die anderen Landesleistungszentren stehen in großen Städten wie München, Hannover oder Wiesbaden - in diesem Umfeld fühlt sich Bassum natürlich pudelwohl. Das ist ein ganz klarer Imagegewinn für die Lindenstadt.
Was aus den ehemaligen NWDSB-Räumlichkeiten wird, steht noch nicht abschließend fest. Bäker nennt eine Alternative: 'Unsere Obdachlosenunterkunft ist in die Jahre gekommen. Ich könnte mir vorstellen, dass sie am Bramstedter Kirchweg eine neue Heimat findet.'
Auch wenn vieles im Umfeld des neuen NWDSB-Leistungszentrums noch vage erscheint - beide Seiten können mit diesem Geschäft anscheinend sehr gut leben. 'Von der Summe her habe ich ein richtig gutes Gefühl', frohlockt Jonny Otten. 'Für beide Seiten ist das eine positive Entwicklung', meint Heinz Rösseler. Für Bassums Bürgermeister Wilhelm Bäker indes scheint dieser Deal eher in den Bereich der Normalität zu gehören: 'Wir wollten doch, dass der NWDSB in Bassum bleibt.'



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