'Kinder haben erst mal das Bedürfnis zu lernen. Trotzdem gehen viele Kinder überhaupt nicht gerne zur Schule.' Alexander Gilly vom offenen Vorstand des Jugendumweltnetzwerks erzählt, worum es beim Bildungssalat geht. 'Konventionelle Schule macht das Bedürfnis zu lernen kaputt. Wir suchen nach neuen Formen für freies Lernen.'
Der Name Herbstspektakel ist Programm. Es ist kein gewöhnlicher, langweiliger Kongress, bei dem die Teilnehmer in den Stuhlreihen hinter vorgehaltener Hand gähnen und verstohlen auf ihre Armbanduhren blicken. Es sind interaktive Workshops von Jugendlichen für Jugendliche, die sich prozessorientiert den Themenwünschen und Bedürfnissen der Teilnehmer anpassen.
'Es gibt Workshops mit freien Improvisationen, Rollenspielen, Exkursionen, Geländespielen', sagt Muriel Herrmann, Jugendbildungsreferentin von Janun. Kein erhobener Zeigefinger also, kein säuerliches Wiederkäuen sattsam bekannter Parolen aus der alternativen Bildungsecke, sondern eine kreative Beschäftigung mit dem Tagungsthema Bildung, das Raum bietet für Spontaneität, Aktionen und neue Ideen.
Wie das aussehen kann, zeigt ein Workshop mit dem Titel 'Bildungshürden einreißen'. Hier bereiten die Teilnehmer eine interaktive Demonstration auf dem Wochenmarkt in Bremen vor, und zwar in Form eines Hürdenlaufs. Die installierten Hindernisse erhalten zusätzlich Schilder mit Schlagworten wie Studiengebühren oder Migrationshintergrund. Das Ganze wird als Rollenspiel inszeniert, und dabei herrscht absolute Freiwilligkeit. 'Es gibt natürlich geplante, feste Programmpunkte. Die Organisationsgruppe sucht im Vorfeld nach geeigneten Referenten für Präsentationen', erklärt Alexander Gilly.
Die Angebote werden während des Kongresses an einer großen Wandfläche visualisiert und die Jugendlichen können eigene Vorschläge einbringen, indem sie ihren Wunsch auf einem Zettel dazuheften. Es finden nur die Programmpunkte statt, die auch nachgefragt werden. 'Die Abstimmung geschieht mit den Füßen, und das funktioniert auch', betont Gilly. Auf diese Weise wird die Agenda immer wieder erneuert, angereichert und auf die Bedürfnisse der Jugendlichen zugeschnitten.
Dann bereitet sich der Vorsitzende auf das World-Café vor, das in der neuen Mensa der Prinzhöfte-Schule startet. World-Café bezeichnet eine Moderationsmethode für große Gruppen, bei der sich die Jugendlichen an im Raum verteilten Tischen zu Diskussionsgruppen zusammenfinden. Wichtige Punkte und Inhalte notieren sie dabei auf der Tischdecke. Zum Beispiel zu der Frage: Was macht gute Bildung aus? Werden die Arbeitsgruppen nach Ablauf einer gewissen Zeitspanne neu gemischt, erhalten sie Kenntnis von den Ergebnissen der vorhergehenden Diskussionen.
Für die Versorgung der rund 70 Teilnehmer im Alter von zwölf bis 26 Jahren sorgt die mobile Mitmachküche Le Sabot, wobei die Jugendlichen beim Schnippeln und Gemüseputzen mithelfen. Die Köche sind ein bunt gemischtes Kollektiv von zehn Leuten. Gekocht wird vegan, regional und saisonal.



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