Bereits Mitte Juli wurde für Wenco-Service Nord beim Syker Amtsgericht Insolvenz beantragt. Ende August wurde dann bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Stade gegen den Geschäftsführer und einen Prokuristen der Wenco-Firmengruppe wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Untreue ermittelt. Insolvenzverwalter Oelbermann hat sein Urteil bereits gefällt: In seinem Gutachten, das er gestern zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Syke ablieferte, erhebt er schwere Vorwürfe gegen den Geschäftsführer. 'Es wurden mindestens zehn Millionen Euro aus der Firma gezogen, ohne dass Gewinne da waren', sagte Oelbermann im Gespräch mit unserer Zeitung. 'Das war keine Spontantat, das war eine systematische Ausplünderung über Jahre.'
Der Geschäftsführer habe 'Mein' und 'Dein' offenbar nicht unterscheiden können. Auch seien Familienangehörige offiziell im Unternehmen angestellt gewesen, die laut Oelbermann 'keinen großen Schatten hinterlassen haben'. Sprich: Sie sollen für weniger Anwesenheit mehr Geld bekommen haben als der Rest der Belegschaft.
Von den rund 130 in Varrel beschäftigten Mitarbeitern werden lediglich 90 bis 100 von der Firma Wenco-Service West übernommen - alle im Außendienst. Die übrigen in der Kommissionierung und Verwaltung tätigen Mitarbeiter verlieren hingegen ihren Job. Sie sollen laut Oelbermann das Angebot erhalten, zum 1. Januar 2010 in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Über die Bedingungen werde er demnächst mit dem Betriebsrat sprechen. Dieser sei erst auf seine Anregung hin am 9. Oktober gegründet worden, so Oelbermann. 'Ohne Betriebsrat hätte es auch keinen Sozialplan gegeben. In der Firma herrschten vorher feudale Verhältnisse.'
Insgesamt hat die Wenco-Service Nord GmbH & Co. OHG laut Insolvenzverwalter 260 Beschäftigte an mehreren Standorten. Von ihnen bleiben ab Januar noch 120 übrig, 40 davon in Varrel. 'Der Betrieb wird zum Ende des Jahres aber stillgelegt. Die Verträge für die angemieteten Gebäude werden gekündigt', sagte Oelbermann. Die Gläubigerversammlung sei für den 19. November, 10 Uhr, im Amtsgericht Syke angesetzt worden.
Laut Betriebsratsvorsitzendem Michael Schmücker hat die Belegschaft die jüngste Entwicklung betroffen zur Kenntnis genommen: 'Natürlich war das ein Schock. Aber viele hatten bereits ein schlechtes Gefühl, als die Insolvenz angemeldet wurde.' Er arbeite seit 30 Jahren für die Firma im Außendienst, so Schmücker. 'Da gibt es viele Leute, mit denen man Jahrzehnte zusammengearbeitet hat.' Es sei nach wie vor eine hohe Identifikation mit dem Unternehmen vorhanden.
Stutzig sei er erstmals geworden, als Ende 2008 erstmals kein volles Weihnachtsgeld geflossen sei, sagte Schmücker. 'Das kannten wir so nicht.' Der Geschäftsführer habe lange Zeit hohes Ansehen bei der Belegschaft genossen. 'Wenn das Geld pünktlich kommt, macht man sich ja auch keine Gedanken.'



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