Zum Teil mit Hühnermasken und Mundschutz bestückt, machten die Bürger schon im Vorfeld des Treffens ihrem Unmut über die Pläne des Investors aus Lohne Luft. 'Die Hühner müssen weg' war auf einem Transparent zu lesen, vor der Eingangstür des Gasthauses hing ein Plakat des Bassumer Karikaturisten Lothar Liesmann mit der Aufschrift 'Na dann: Gute Nacht'. Abgebildet war ein Ehepaar, das mit Mundschutz im Bett liegt und an die beiden vorgesehenen Ställe mit 150000 Tieren denkt.
Gibt es also ein böses Erwachen in Bassum? Diese Frage kann und sollte mit dem Erörterungstermin nicht beantwortet werden. 'Wir sind mitten im Verfahren und werden weder heute noch morgen eine Entscheidung treffen', sagte Holger Schwenzer, Baudirektor beim Landkreis Diepholz, der die Veranstaltung moderierte. 'Ich versichere ihnen aber, dass alle 30 eingegangenen Einwendungen berücksichtigt werden.' Ob der Bauantrag genehmigt wird, entscheide sich erst im nächsten Jahr. 'Fragen Sie doch mal die Hühner, ob sie dort wohnen wollen', merkte ein Bürger an.
Die Forderung der Bürgerinitiativen 'Keine Massentierhaltung in Bassum' wäre ein schöner Wunsch, der nur schwer zu erfüllen sei, sagte Holger Schwenzer. Im Landkreis Diepholz gebe es Geflügelzucht-Anlagen mit bis zu 260000 Tieren. 'Das ist eine normale Größenordnung', so der Baudirektor, dem es um eine standortbezogene Diskussion geht. Aus Sicht der Bassumer ist klar, dass der Standort in Groß Ringmar für eine Aufzuchtstation mit 150000 Junghennen nicht in Frage kommt.
Das machten die Bürger beim Erörterungstermin noch einmal deutlich. 'Das, was hier betrieben werden soll, ist keine Landwirtschaft', sagte der von der Wirtschafts- und Interessengemeinschaft (WIR) Bassum sowie den Bürgern Bärbel Schröder und Jürgen Haschenburger beauftragte Rechtsanwalt Remo Klinger mit Verweis auf den im Flächennutzungsplan von der Stadt Bassum als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesenen Bereich.
Auch am Gutachten über eine nicht zu erwartende Geruchsbelästigung der Anwohner übte Remo Klinger Kritik. 'Die Unterlagen sind höchst lückenhaft und ungenau. Auf deren Grundlage kann man nicht entscheiden - wenn doch, kann der Antrag des Investors nur abgelehnt werden', sagte der Rechtsanwalt und erntete damit bei den Bürgern großen Applaus. Die für das Gutachten herangezogenen Messwerte aus einer Station in Großenkneten, stammten zudem aus dem Jahr 2001, obwohl sie nicht älter als fünf Jahre sein dürften. Klinger: 'Das müssen Sie nachbessern.'
Auf die Gefahren, die mögliche Störfälle in der ebenfalls geplanten Biogasanlage darstellten, wies der Rechtsanwalt ebenfalls hin. Klinger: 'Da in der Anlage vorwiegend tierische Gülle genutzt wird, entsteht sehr viel Schwefel-Wasserstoff. Das ist ein hochexplosives, giftiges Gas.' Der Geruch von faulen Eiern betäube und könne sogar tödlich wirken.
Ohnehin müsse von der Biogasanlage zu nächstgelegener Wohnbebauung und wichtigen Verkehrswegen ein Mindestabstand von 800 Metern eingehalten werden. Das sei in Groß Ringmar eindeutig nicht der Fall. 'Allein aus diesem Grund ist der Antrag nicht genehmigungsfähig und abzuweisen', schloss Remo Klinger unter dem Beifall der Bassumer.


Regenwahrscheinlichkeit: