Die Sport-Pädagogin darf damit als Wiederholungstäterin gelten: Vor zwei Jahren hatte sie den Liedermacher Konstantin Wecker für einen persönlich-politischen Musik-Vormittag gewinnen können. Nun folgt einer, der getrost als Vertreter der Jugendkultur durchgehen kann.
Deluxe ist ebenfalls jemand, der aneckt, etwas zu sagen hat und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt - was gerne auch mal zu Missverständnissen führt. Süddeutsche und Tageszeitung haben den Song 'Dis wo ich herkomm' vom gleichnamigen aktuellen Album förmlich zerpflückt - wegen eines naiven Nationalstolzes. Aus Sicht der beteiligten Ganderkeseer Pädagogen ist das einer von vielen möglichen Gesprächsimpulsen für den Besuch des Musikers.
Musiker als Sozialarbeiter
Samy Deluxe, eigentlich Samy Sorge, ist Sohn einer Deutschen und eines Sudanesen. Sein kommerzieller Durchbruch - seinerzeit mit Dynamite Deluxe - liegt mittlerweile mehr als neun Jahre zurück. Inzwischen ist der Musiker das Zugpferd des Vereins 'Crossover', der mit sozialpädagogischen Projekten die Arbeit an Hamburger Schulen unterstützt. Und so ist der Besuch des Rappers auch eingebunden in ein viertägiges Programm, mit dem der Verein erstmals an einer niedersächsischen Schule tätig wird - die Hilfe von Sponsoren und des Fördervereins machen?s möglich.
Teilnehmer sind die 23 Schüler der Hauptschulklasse 8e (mit Klassenlehrer Manfred Stepputat) und die 32 Schüler der Realschulklasse 8b (mit Klassenlehrerin Barb Driever). Die Schule bildet zwar seit mehr als einem Jahr eine organisatorische Einheit mit einem gemeinsamen Kollegium, doch auf dem Pausenhof gibt es nach Angaben von Schulleiter Joachim Hüneberg noch etliche Berührungsängste und Vorbehalte unter den Schülern.
Am 15. und. 16. März kommen nun zunächst die 'Crossover'-Mitarbeiter Hinnerk Smolka und der aus Ghana stammende Basketball-Profi Mac Davis Duah. Hier werden sich sportliche Praxis und Teamgeist-Theorie miteinander abwechseln - 'Unterricht mal in anderer Form', wie die Klassenlehrer es formulieren.
Auf dem Stundenplan stehen dann nicht nur Sport oder Musik, Englisch und Deutsch, sondern auch Integration und soziale Kommunikation. Wie nachhaltig so etwas wirkt, zeigt sich zwar stets erst mit der Zeit; für Schulleiter Hüneberg jedoch ist der Besuch schon jetzt ein klares Signal an die Schüler, dass sich die Erwachsenen interessieren und gesprächsbereit seien.
Samy Deluxe und die Ideengeberin Julia von Dohnanyi kommen dann am 17. und 18. März an den Steinacker. Der Rapper will gemeinsam mit den Schülern ein Musikstück entwickeln, das am Abend des zweiten Tages vor Eltern, Lehrern und Mitschülern aufgeführt werden soll.
Für die Schüler sei das Crossover-Projekt eine willkommene Abwechslung, erklärten Luisa-Maria Heck, Steffen Beyer (beide 8b) und Steven Klintworth (8e). Keiner von ihnen sei bekennender Samy Deluxe-Fan, trotzdem habe der Besuch viel Gutes, so die 14-jährige Luisa-Marie: 'Seine Texte wirken echt.' Der 15-jährige Steffen ergänzte, die persönliche Begegnung verspreche interessant zu werden, Steven betonte, wie reich oder berühmt der Gast sei, spiele für ihn dabei keine Rolle.
Die Lehrerin van Dyken schließt für die Zukunft weitere folgenreiche Konzertbesuche nicht aus: 'Herbert Grönemeyer wäre sicher ein großer Wurf für uns.'



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