Das Rathaus hatte gestern Morgen gerade seine Pforten geöffnet, als der Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung unter Vorsitz von Peter Schnaars (SPD) seine Arbeit aufnahm. Einziges Thema der 'außerordentlichen Sitzung": Änderung eines Flächennutzungsplanes und Entwurf eines Bebauungsplanes, damit unweit des Tiergartens auf einem knapp elf Hektar großen ehemaligen Bundeswehrgelände 'zum Zwecke der regenerativen Energiegewinnung' eine Fotovoltaikanlage errichtet werden kann.
Dafür hatte das Gremium schon am 13. April grünes Licht geben wollen. Doch damals vertagte man sich, weil die CDU-Fraktion weiteren Beratungsbedarf anmeldete. Auch wegen der Eingriffe in Natur und Landschaft, die man aber jetzt akzeptiere, wie Brunhilde Rühl gestern erklärte. Und weil auch Karl Schönemeier (SPD) für seine Fraktion frühzeitig Zustimmung signalisierte, um insbesondere den Investoren Planungssicherheit zu gewähren, gab es keinen Zweifel mehr an einem eindeutigen Votum.
Widerspruch vom Stadtplaner
Doch das ließ, anders als erwartet, auf sich warten. Weil Grüne, Bürgerfraktion, FDP und Die Linke die Option für eine Biogasanlage offen halten wollten. Vor allem Dr. Peter Flieshardt (Die Linke) und Thomas von Glahn (FDP) argwöhnten, dass der Investor, der eine Biogasanlage auf der einstigen Raketenstellung errichten wollte, ausgetrickst worden sei. Dem widersprach freilich Ulrich Schmidt vom Fachbereich Planung und Bauen der Kreisstadt vehement. Eigentümer der so genannten Konversionsfläche sei die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gewesen. Und die habe nun einmal, ganz im Sinne des Steuerzahlers, an den denjenigen verkauft, der am meisten geboten habe. Mit anderen Worten: Nicht zum Zuge gekommen ist ein Landwirt, der jetzt angeblich gegen die Bundesanstalt klagt.
Ganz anders die Gemütsverfassung seiner Konkurrenz vom Unternehmen 'KTR Solar GbR': Die Firmengründer Eckard Kopp aus Hambergen, Fred Tienken aus Osterholz-Scharmbeck und Dieter Rönner aus Pennigbüttel verfolgten die Debatte sichtlich angespannt, konnten aber nach rund anderthalbstündiger Sitzung aufatmen: Mit großer Mehrheit, bei einer Gegenstimme (Die Linke), hatte der Ratsausschuss für Planung und Stadtentwicklung der Änderung des Flächennutzungsplanes und dem Bebauungsplan zugestimmt. Und weil sich der Verwaltungsausschuss - er tagte unmittelbar danach - dem Votum anschloss, ist nun der Rat am Zuge. Er tritt am 21. Juni zu seiner nächsten Sitzung zusammen.
Kopp, Tienken und Rönner können jetzt in die konkrete Planung einsteigen. Sie wollen einen 'siebenstelligen Betrag' investieren, damit auf einer rund acht Hektar großen Fläche - die restlichen drei Hektar bleiben der Natur überlassen - ein Fotovoltaik-Komplettsystem mit einer Modul-Gesamtgröße von 32 000 Quadratmetern entstehen kann. Vorhandene Anlagen wie das einstige Mannschaftswohngebäude oder Garagen sollen unter anderem für eine Betriebsleiterwohnung sowie als Lager für Viehfutter und Ställe genutzt werden. Insbesondere Schafe sind auserkoren worden, das Grün zwischen den Solarmodulen kurz zu halten.
Das künftig als 'Sondergebiet Regenerative Energien" soll im Übrigen über den Garlstedter Kirchweg zu erreichen sein. Viel Verkehr ist freilich nicht zu erwarten, was gestern einige Anwohner mit Genugtuung zur Kenntnis nahmen. 'Eine Biogasanlage", erklärten sie, 'hätte uns Schwerlastverkehr ohne Ende gebracht."




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