Die Aufgabe, das Festival am Nachmittag zu eröffnen, ist eine undankbare. Als She Wants Chaos die Bühne betreten, sind erst wenige Zuschauer vor Ort - die Stimmung ist noch recht lau. Komplett barfuß angetreten gibt die Hamburger Band dennoch alles, versucht mit ihrem heftigen Alternative Rock die Anwesenden in Schwung zu bringen.
Das gelingt Roman Fischer mit seinen beiden Begleitern an Bass und Schlagzeug danach allerdings besser. Das Trio, das schon durch seinen Beitrag zum Soundtrack von 'Zweiohrkücken' einen größeren Bekanntheitsgrad erreicht hat, ist musikalisch der heimliche Höhepunkt des Tages. Deutlich an Waverock-Traditionen der 80er Jahre angelegt, ist ihr Sound dicht und variantenreich. Fischer selber pendelt zwischen Synthesizer und Gitarre und macht auch als Sänger eine überzeugende Figur. Dieser Auftritt hätte mehr Publikum verdient gehabt.
Von Müdigkeit nichts zu spüren
Das findet sich dann ein als October Light mit ihrem Ska-Sound die Partystimmung einläuten. 13 Stunden war die siebenköpfige Formation aus Kroatien unterwegs, um in Worpswede zu spielen. Von Müdigkeit ist dabei allerdings nichts zu spüren. Ska ist ein Garant für gute Laune und sommerliche Stimmung, ein kurzer Crashkurs mit den grundlegenden Tanzschritten dazu verfehlt seine Wirkung nicht. Auf Dauer sind der typische Rhythmus und die Bläser-Einsätze zwar ein wenig gleichförmig, aber das will niemand der sympathischen Band übel nehmen.
Zwischen Kleinstadthelden und Afterburner, die den Festivaltag beschließen, gibt es mittlerweile deutliche personelle Überschneidungen. Schlagzeuger und Gitarrist teilen sich beide Osterholz-Scharmbecker Formationen, musikalisch liegt allerdings einiges zwischen ihnen. Deutlich ambitionierter ist das Konzept von Kleinstadthelden, die mir ihrem deutschsprachigen Texten und einem nicht allzu derben Verständnis von Rockmusik im Trend liegen. Anklänge an Bands wie Kettcar oder Silbermond, mit denen sie schon gemeinsam auf Tour waren, sind unüberhörbar. In Punkto Animation hat Frontmann Simon Lam sich offensichtlich einiges bei den Stars abgeguckt und auch er bekommt die Fans erfolgreich in den Griff.
Bei Afterburner ist schließlich richtig Alarm - und das nicht nur, weil die Feuersirene auf dem Dach nebenan mit der Musik um die Wette heult. Anderthalb Jahre Zwangspause liegen hinter der Formation, verlernt hat sie nichts. Sie ist halt noch immer eine absolute Partytruppe, die mit ihrem Coverprogramm quer durch die Rockgeschichte jedes Publikum in Bewegung bringt. Afterburner machen eindeutig Stimmungsmusik, die ein oder andere Vereinfachung oder Beschleunigung der Originale dient nur einem Zweck: Die Feierlaune hoch halten. Das funktioniert sorgt für ein wildes Finale des 39. Open Airs.



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