Immer wieder betrachten die Zwillingsschwestern Sarah und Jennifer Bublitz aus Wallhöfen ihren gemeinsamen Fotoauftritt im langen Abendkleid. Kritisch betrachten die Stürmerinnen des TSV Eiche Neu St. Jürgen die ausgestellten Fotos – dann ihr einstimmiger Kommentar: „Die Bilder sind super. Wir hätten nicht gedacht, dass die Aufnahmen so wirken könnten. Eigentlich hatten wir nur aus Spaß mitgemacht“, so die sportlichen Zwillinge.
Gemeinsam mit zehn weiteren Fußballerinnen wurden sie für die Foto-Aktion des Landkreises ausgewählt. Eine Kreishaus-Jury hatte sich für die Bewerbungen der Sportlerinnen entschieden. Das Ziel der Ausstellung lautet: Dem Frauenfußball eine Bühne zu bereiten. „Wir wollen unterschiedliche Spielerinnen-Typen aus möglichst allen Gemeinden des Landkreises zeigen“, erklärte Ursula Villwock, die mit der Gleichstellungsbeauftragten Katja Lipka das Ausstellungskonzept für den Landkreis ausgearbeitet hat.
Landrat Dr. Jörg Mielke erinnerte in seiner Eröffnungsrede an die Entwicklung des Frauenfußballs in den vergangenen Jahrzehnten. Damenfußball sei in den 70er Jahren nicht existent gewesen. Die Aktion im Foyer des Kreishauses helfe dabei, mit Vorurteilen aufzuräumen. Die Ausstellung zeige Fußball „in ganz eigener Weise“ und sei ein Versuch, „das Thema auf die Spitze zu treiben“.
Als besonders gelungen empfand Mielke die lebensgroßen, konturierten Aufsteller des Künstlers Waldemar Grazewicz, die die Fotoausstellung bereichern. An ihnen heften Interviews und Erklärungen der Fußballerinnen zum Ballsport und seiner Faszination. „Die Installation passt und bringt die Dynamik des Spiels zur Geltung“, so Mielke.
Ebenso von der Ausstellung begeistert zeigte sich Eckehard Schütt, Osterholzer Kreisvorsitzender des niedersächsischen Fußballverbandes. Er hielt die Aufnahmen für „wirklich gelungen“. Fußball sei als emotionaler Sport abgebildet. Schütt appellierte an die örtliche Politik, die Gründung von Damenmannschaften in Vereinen „strukturell“ zu unterstützen. „Machen Sie die Mittel frei, die dazu nötig sind“, so Schütt. Bei kleineren Vereinen fehle zum Aufbau einer Damen-Fußballmannschaft manchmal nur eine Umkleidekabine, sagte der Fußball-Kreisvorsitzende unserer Zeitung.
„100% weiblich“-Fotograf Miklas Wrieden war es wichtig, die Charaktere der Spielerinnen zu erfassen. Dazu lichtete er die Fotomodelle unter anderem auf der Blümchenwiese oder zwischen den Torpfosten ab. Mit dem Ergebnis ist der Diplom-Kommunikationswirt zufrieden. „Mir war es wichtig, den Kontrast zwischen hartem Ballsport und eleganter Erscheinung der Spielerinnen herauszuarbeiten“, erklärte Wrieden.
Wer sich selbst ein Bild vom Frauenfußball machen möchte, kann unter anderem bis zum 30. September die Ausstellung im Kreishaus besuchen. Im Internet sind die Fotos unter www.aquila-pictures.de zu sehen.



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