In einer kleinen Feierstunde wird die langjährige Mitarbeiterin der Gemeinde heute verabschiedet.
„Sie hat mich immer gut beraten, war freundlich und liebenswert. Manches hat sie sogar exklusiv für mich per Fernleihe besorgt“, sagt Ruth Sausmikat. Die Witwe versorgt sich hier seit Jahrzehnten regelmäßig mit Lesestoff und liest gerne Autobiografisches oder Krimis aus dem englischen Mittelalter. Heidi Barth ist mit ihren Söhnen Jonas und Milan gekommen, um Bilderbücher über Reptilien und Ritterburgen auszuleihen. Lächelnd erinnert sich die junge Mutter an die Zeit, als sie selbst hier als Grundschülerin in die Welt der Bücher eintauchte.
Kompetenz und Bescheidenheit zeichnen die engagierte Bibliothekarin aus, die ihr Handwerk einst in der Stadtbibliothek Bremen erlernte und schon immer gern gelesen hat. Über sich selbst mag die gebürtige Stettinerin, die seit 1975 in Ritterhude wohnt, nicht so gern sprechen. Aber von ihrem Arbeitsgebiet erzählt sie mit Begeisterung: „Gegen Ende der 70er Jahre führte die Ritterhuder Bücherei ein Schattendasein. Es gab nur einen Raum im Keller des heutigen Veranstaltungszentrums. Der war eine Stunde pro Woche geöffnet.“ Als sie damals in der Zeitung las, dass die Bücherei ein neues Domizil in der Grundschule an der Jahnstraße bekommen sollte und eine Wiederbelebung geplant war, hat sie sich sofort gemeldet. „Das war für mich ein Segen“ meint sie. Ihr Sohn war gerade vier Jahre alt, und sie nutzte gern die Gelegenheit zum Wiedereinstieg in den in den Beruf.
Zuerst hat sie die Bücherkisten ausgepackt. Dann ist sie gleich dabei geblieben und hat in einem Klassenraum mit der Ausleihe begonnen. Schnell wurde es zu eng und die Bibliothek breitete sich auf drei Klassenräume aus. Irgendwann brauchte die Schule den Platz und das alte Feuerwehrhaus an der Riesstraße war frei. Hier zog die Bibliothek mit ihren Büchern ein und betreut seither kontinuierlich zwischen 600 und 700 Leser aller Altersgruppen pro Jahr.
Dank der Förderung durch die Gemeinde, die den Etat für Anschaffungen stetig erhöhte, wuchs der Bestand auf momentan über 16 000 Medien (Bücher, Zeitschriften, Hörbücher, CDs und Spiele) an. 800 bis 1000 neue Medien werden jährlich neu angeschafft. Im vergangenen Jahr hat die Bibliotheksleiterin 18 748 Ausleihvorgänge verbucht. Generationen von Ritterhuder Kindern sind hier mit der Leselust „infiziert“ worden. Barbara Arzenscheg sorgte auch dafür, dass die kleinen „Leseratten“ und „Bücherwürmer“ Kinderbuchautoren kennen lernen konnten, die ihnen hier aus ihren Büchern vorlasen. Auch für Erwachsene veranstaltete sie gut besuchte Autorenlesungen.
Ihre Nachfolgerin Bettina Albertsen ist schon gut eingearbeitet. Die junge Diplombibliothekarin, die vorher in der Bibliothek der juristischen Fakultät an der Universität Bremen tätig war, freut sich auf ihren neuen Wirkungskreis in Ritterhude.


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