Da die Schülerzahlen an den Haupt- und Realschulen von Lilienthal, Worpswede und Grasberg ständig zurückgehen, wollten sich die drei Schulen zu einer Integrierten Gesamtschule Ostkreis (IGO) zusammenschließen, was von der Landesschulbehörde mit der Begründung abgelehnt wurde, eine Schule mit zwei Außenstellen sei nicht zulässig. Dagegen hat der Landkreis Osterholz vor dem Verwaltungsgericht geklagt, aber die Klage wurde abgewiesen. Inzwischen haben der Landrat und die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden beraten, berichtete Fachbereichsleiter Jürgen Weinert dem Ausschuss. Ergebnis: Von einer Berufung gegen das Urteil wird abgesehen, da dies eine Verzögerung von ein bis zwei Jahren mit ungewissem Erfolg bedeuten würde. Die Gemeindeverwaltung habe bei den Eltern ein Stimmungsbild abgefragt. Dabei sei spürbar geworden, dass die Eltern für ihre Kinder eine möglichst lange gemeinsame Schulzeit wünschten.
Jürgen Weinert legte dem Ausschuss eine Auflistung des Landkreises vor, welche Schulmodelle denkbar sind. Dabei kam der Landkreis auf sechs Varianten, den jetzigen Zustand mit drei Haupt- und Realschulen nicht mitgezählt. Es könne in den drei Gemeinden je eine Oberschule eingerichtet werden. Aber nur in Lilienthal könne diese dreizügig geführt werden. Drei Klassen pro Jahrgang sind Voraussetzung dafür, dass Oberschulen einen gymnasialen Zweig einrichten. Für Grasberg und Worpswede wäre dies unmöglich, deshalb, so die Prognose des Landkreises, wäre eine Oberschule in diesen beiden Gemeinden für die Eltern kaum verlockend.
Eine zweite Variante wäre eine Oberschule in Lilienthal und eine zweite gemeinsam für Worpswede und Grasberg, getrennt nach Jahrgängen fünf bis sieben und acht bis zehn. Das hat inzwischen auch die Worpsweder CDU vorgeschlagen (wir berichteten). In beiden Oberschulen würden die Schülerzahlen für einen gymnasialen Zweig reichen. Variante Nummer drei: Eine Oberschule in Lilienthal und eine zweite entweder in Grasberg oder Worps wede, wobei die jeweils andere Schule aufgegeben würde.
Das vierte Modell sieht vor, in Lilienthal eine vier- bis fünfzügige IGS einzurichten. Die aber wäre, um auf etwa 120 Schüler pro Jahrgang zu kommen, was für einen gymnasialen Zweig notwendig ist, auf Schüler aus Grasberg und Worpswede angewiesen, so dass nur noch eine Oberschule in einer der beiden Gemeinden möglich wäre, und dies auch nur zweizügig, also ohne Gymnasialzweig.
In einer fünften Variante soll es nur eine IGS an einem Standort und mit acht Klassen pro Jahrgang geben, in der sechsten eine Oberschule, ebenfalls an einem Standort mit gymnasialem Zweig und später mit Oberstufe. Dieser eine Standort, daraus macht der Landkreis keinen Hehl, wäre Lilienthal. Schulträger wäre der Landkreis - derzeit wird die Lilienthaler Ganztagsschule von der Gemeinde betrieben, während der Landkreis Schulträger der Haupt- und Realschulen von Worpswede und Grasberg ist.
Die CDU hat sich bereits festgelegt: Sie wünscht eine Oberschule, wie sie in ihrem Antrag schreibt. Der Vorteil sei, dass alle Schüler, egal mit welcher Empfehlung durch die Grundschule, diese Schule besuchen könnten. Es gebe sowohl gemeinsamen wie nach Kursen differenzierten Unterricht, wobei die Schullaufbahn solange wie möglich offengehalten werde. Das Abitur könne nach 13 Jahren abgelegt werden. In Lilienthal könne die Oberschule bereits zum Schuljahr 2011/12 beginnen.
Beraten werden soll über den Antrag der CDU, der erst zwei Tage vor der Ausschusssitzung bei der Gemeindeverwaltung eingegangen war, erst in der nächsten Ausschusssitzung, erklärte Jürgen Weinert. Stephan Limberg (Grüne) wollte aber schon jetzt einen Kommentar loswerden. Das Urteil des Verwaltungsgerichts gegen die IGS Ostkreis sei für alle Beteiligten ein sehr schlechtes Ergebnis, fand er. Die Ausstattung mit Lehrkräften und Unterrichtsmitteln sei bei den Oberschulen noch völlig ungeklärt. Ein Gutes sieht Limberg aber an dem neuen Modell: Die Landesregierung sehe endlich ein, dass das dreigliedrige Schulsystem ein Holzweg sei, so seine Interpretation. "Nur darf das neue Modell nicht Gesamtschule heißen, weil die ja immer von der Opposition gefordert worden war", stichelte er.


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