Nach der Preisverleihung begaben sich die geladenen Gäste in die Worpsweder Kunsthalle, wo die Werke der sechzehn Künstler, die sich für die Endrunde qualifiziert hatten, befinden und wurden von Kuratorin Susanne Hinrichs durch die Ausstellung geführt.
Auch für den aufmerksamen Ausstellungsbesucher ist es nicht ganz einfach die Installation von Christian Haake sofort zu entdecken. Muss der Kunstinteressierte doch erst seinen Blick in die Höhe zu einem Oberlicht richten. Zwischen Staubkörnern zappelt eine Motte, die - dort gefangen - um ihr Überleben zu ringen scheint. Was hier als eine scheinbar reale Situation anmutet, ist Teil eines Kunstwerkes und auch die Motte ist kein lebendiges Tier, sondern mit Hilfe von Computertechnik inszeniert.
Mit zwei Werken vertreten
Für Christian Haake, der mit zwei Werken in der Ausstellung in der Worpsweder Kunsthalle vertreten ist, spielen die Räumlichkeiten, in denen er seine Kunst positioniert, eine wesentliche Rolle. Besonders sei ihm die wohnliche Atmosphäre des Hauses aufgefallen. Die Idee, Bewegung und Leben in einem Oberlicht für seine Kunst zu nutzen, hat Haake schon immer interessiert. "Die größtmögliche Annäherung an die Wirklichkeit ist mein Ziel", meint der Künstler. Anlass und Inspiration für seine Kunst gewinnt er aus einer vorgefundenen Situation. So auch bei seinem zweiten Werk, in dem er das berühmte Bild von Carl Spitzweg "Der arme Poet" in einem kleinen dreidimensionalen Raum nachbaut. Jedoch verzichtet er auf den Namensgeber in seinem Bild. "Mit Spitzwegs Bild, das eigentlich jeder kennt, wird ein Bild von einem armen und mittellosen Künstler transportiert", sagt Haake und spielt mit dem Titel "der gefangene floh" auf die Handhaltung des hier nicht vorhandenen
Dichters an. Haake, der in Bremerhaven geboren wurde und in Bremen Kunstwissenschaft, Philosophie und später freie Kunst studierte, freut sich über den mit 7500 Euro dotierten Kunstpreis ebenso wie Johann Büsen. Für Büsen ist die virtuelle Welt des World Wide Web eine unerschöpfliche Quelle für immer neues Bildmaterial. Auf seinem Computer speichert er unablässig Motive für seine mit Digitaldruck entstandenen Bildwelten. Sein Bilderkosmos setzt sich aus Bildfragmenten, wie Comics, Zeitungsartikeln, und Kunstzitaten zusammen. In der Ausführung wird der Betrachter oft an das Siebdruckverfahren erinnert. "Die per Digitaldruck entstandenen Werke sind allerdings Unikate", sagt der mit dem Nachwuchspreis ausgezeichnete Büsen, der Anfang des Jahres gerade sein Kunststudium in Bremen beendet hat und seit kurzem in Berlin wohnt. Die Jury empfand Büsens Werk als einfallsreich, technisch brillant und ungewöhnlich und sieht in dem Künstler ein großes Potenzial, sich innerhalb der vielfältigen Kunstlandschaft durchzusetzen.
Bei den Ausstellungsbesuchern finden jedoch nicht nur der Werke der Preisträger Anklang. Die Vielfalt der künstlerischen Positionen überzeugt ebenso wie die Eigenständigkeit der Künstler, die mit einen Formenreichtum und einer Mannigfaltigkeit ein Stück zeitgenössische Kunst auf hohem Niveau sichtbar machen. Ähnlich wie es die Namensgeberin des Preises Paula Modersohn-Becker in ihrer Kunst tat und deren eigenständige künstlerische Haltung hier als Referenzpersönlichkeit zitiert wird.
Der für den Sonderpreis nominierte Peter-Jörg Splettstößer wird ab dem 12. Dezember im Barkenhoff ausstellen. Die Jury hatte ihn für seine Kontinuität und hohe künstlerische Qualität ausgewählt. "Eine Wahnsinnsgeschichte", meint der Worpsweder Künstler, der lange Zeit auf dem Barkenhof lebte und während der Ausstellungsdauer auch wieder dort wohnen wird. In der Worpsweder Kunsthalle sind die Werke des Paula Modersohn-Becker Kunstpreises bis zum 30. Januar zu besichtigen.


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