PSP lässt sich mit Fug und Recht als Supergroup bezeichnen. Du hast neben vielen anderen bei Toto oder Mike Oldfield gespielt. Pino Palladino wurde als Bassist von Paul Young bekannt und spielt bei The Who. Phillipe Saisse hat Alben mit den Rolling Stones und mit David Bowie aufgenommen. Wie ist dieses Projekt zustande gekommen?
Simon Phillips: Wir sehen uns definitiv als eine Band. Phillipe und ich kennen uns seit 1982, als wir beide in der Band von Al di Meola zusammen spielten. Seit damals wollten wir immer eine gemeinsame Band ins Leben rufen, aber vor lauter Arbeit für andere sind wir nie dazu gekommen. Bis ich auf Phillipes Solo-CD mitspielte. Im Januar dieses Jahres war er zu einigen Konzerten nach Japan eingeladen worden und wollte dafür seine persönliche Traumband zusammenstellen. Er fragte mich und Pino Palladino, der ebenfalls sofort zusagte.
Wie intensiv habt ihr Euch darauf vorbereitet?
Nicht sehr. Als Pino aus England dazu kam, hatten wir genau eine Probe und wussten, dass wir drei etwas Außergewöhnliches schaffen konnten. Das Gefühl, sobald wir anfingen zu spielen, war unbeschreiblich. Wir hatten dann noch einen zweiten Tag, um ein komplettes Konzert vorzubereiten, bevor wir nach Japan flogen. Wir haben dort drei Konzerte gespielt, mitgeschnitten und das Ergebnis hat uns umgehauen. Ich habe es danach abgemischt und das ist unser erstes Album geworden.
Der CD „PSP Live“ merkt man diese spontane Arbeitsweise kaum an, das Material klingt nicht sehr improvisiert, sondern wohl strukturiert.
Wir haben ja nicht bei Null angefangen, sondern hatten natürlich viele Stücke von Phillipes und meinen Solo-Projekten übernommen. Seitdem schreiben wir konstant an neuem Material und haben vier Songs fertig, die live noch niemand gehört hat. Wir werden sie in Worpswede das allererste Mal auf der Bühne spielen, denn das ist nach den Shows in Japan überhaupt erst das vierte Konzert von PSP. Es ist auch für uns noch alles ganz neu!
Die Fans werden also beinahe Zeuge, wie die Band entsteht. Beobachten sie etwas, das ihr als „Work in Progress“ bezeichnen würdet?
Ja, kann man so sagen. Ich finde es richtig gut, dass wir diesen konventionellen Weg – Platte aufnehmen, promoten, auf Tour gehen – vermeiden. Bei uns läuft es komplett anders herum als üblich im Musik-Business. Wir werden sicher auch weitere CDs veröffentlichen, aber uns ist wichtig, dass wir kontinuierlich schreiben und das live präsentieren. Ich denke, die kommende Europa-Tour wird uns als Band noch mal richtig zusammen schweißen.
In welche Richtung hat sich das Repertoire weiter entwickelt?
Es wird noch ein wenig zupackender zugehen als bei den ersten Shows. Ich will nicht sagen „aggressiver“, aber die progressiven Rockelemente werden gegenüber den jazzigen Seiten wohl mehr im Vordergrund stehen.
Ihr habt alle drei mit den größten Rockbands der Welt gespielt, auf gigantischen Bühnen minutiös geplante Shows abgeliefert. Genießt ihr das Gefühl, mit PSP auf eine Bühne zu gehen, völlig frei und flexibel zu sein und in Clubs den direkten Kontakt zum Publikum zu haben?
Es geht einfach nichts über das Gefühl, deine eigene Musik zu spielen. Es ist das Größte, das zu machen, was du wirklich willst, mit Leuten, die du dir selber ausgesucht hast. So wunderbar es ist, vor 70<ET>000 Menschen zu spielen – was nebenbei bemerkt auch The Who nicht mehr machen – es beschränkt dich selbstverständlich in deinen Möglichkeiten. Natürlich macht es Spaß, aber es ist eben nur eine Seite des Daseins als Musiker. Um ehrlich zu sein, wenn man diesen Gigantismus erlebt hat, dann spielt es eigentlich keine Rolle mehr, vor wie vielen Zuschauern man spielt. Und es stimmt, es schön, wenn man die Gesichter der Zuhörer sehen kann.



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