Ziel ist Suratakal, ein Vorort der Millionenstadt Bangalore, Hauptstadt des Bundesstaates Karnataka und fünftgrößte Stadt des Subkontinents. Bangalore ist wegen der vielen Parks auch als Gartenstadt bekannt, im internationalen Zusammenhang kennt man die Metropole auch als Silicon Valley Indiens.
'Weltverbesserin' nennt Elke Twesten die junge, lebhafte Verdenerin, die im vergangenen Jahr am Gymnasium am Wall ihr Abitur gemacht hat. Die Landtagsabgeordnete (Bündnis 90 / Die Grünen) aus Scheeßel kennt Gwenda Schobert, die den Wahlkampf der Grünen im vergangenen Jahr aktiv unterstützt hat. Mit ihrer Bitte um eine Spende für ihren Indien-Aufenthalt hatte Gwenda Schobert bei der Partei zwar kein Glück, wohl aber bei der Abgeordneten. Sie unterstützt das Auslandsjahr der Verdenerin nicht nur ideell ('Jeder junge Mensch, dem sich so eine Chance bietet, sollte sie nutzen'), sondern auch mit ein wenig Bargeld. Gwenda Schobert könne in Indien etwas über die Globalisierung erfahren, sie neu bewerten und gleichzeitig ihre Überzeugungen in Indien vertreten, ist Twesten überzeugt.
Blick von außen auf Europa
Die 20-Jährige, die gerne mit Kindern und jungen Menschen zusammenarbeitet, hat bereits Auslandserfahrungen: Sie war als Schülerin der elften Klasse ein Jahr in Venezuela und hat ihre dortigen Kontakte im vergangenen Herbst bei einem sechswöchigen Aufenthalt noch einmal aufgefrischt. Organisiert wurde das Auslandsjahr von ASF (American Field Service), dieselbe Organisation, mit der sie auch jetzt nach Indien geht.
Eigentlich wollte Gwenda Schobert nach Tunesien, bekam aber im Dezember wegen Sicherheitsbedenken eine Absage. Finanziert wird das Indien-Jahr von 'weltwärts', dem Freiwilligenprojekt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Wie sich der Blick auf Deutschland und Europa verändert, hat die politisch engagierte Verdenerin bereits als Schülerin erfahren. In den kommenden zwölf Monaten blickt sie erneut von außen auf Europa, diesmal aus einem neuen Blickwinkel.
Die ersten Worte in Kannada, der Landessprache, hat sie bereits gelernt. Sie hat sich auch ein indisches Kochbuch ausgeliehen und Gerichte ausprobiert. 'Ich will die Kultur dort kennenlernen und meine Sicht der Dinge verständlich machen', ist Gwendas Motto für das Auslandsjahr. Sie möchte global denken, die nationalen Grenzen aufheben. Die Begriffe erste, zweite und dritte Welt seien weniger geografisch zu definieren, sagt sie, unterschiedliche Gruppen von Menschen gebe es mittlerweile in jeder Gesellschaft.
Freiwilligendienste seien eigentlich auch in der eigenen Gesellschaft wichtig, findet Gwenda Schobert. 'Aber ich bin ein wenig egoistisch, ich bin nicht Mutter Theresa', sagt sie und ergänzt: 'Ich fahre nicht nach Indien und rette die Welt, sondern um etwas zu lernen und die Welt später zu retten.'
Kürzlich traf sie einen jungen Mann, der aus Indien zurückkehrte. Das Land sei laut, stinke und sei dreckig, doch der Rest sei sehr schön, berichtete er. Gwenda Schobert will ihre Erlebnisse aufschreiben und in einem Newsletter weltweit verbreiten: auf Deutsch, Englisch und Spanisch.



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