Zum ersten Mal in der Geschichte des Bogensports wird ein Weltcup in den Vereinigten Staaten von Amerika ausgetragen. Vom 3. bis 7. August treffen sich die weltbesten Bogenschützen in Ogden im Bundesstaat Utah zur dritten Fita-Veranstaltung dieser Art im Jahre 2010, nachdem der Weltcup im Mai in Porec (Kroatien) und im Juni in Antalya (Türkei) Station gemacht hatte. Der Deutsche Schützenbund entsendet acht Recurveschützinnen und -schützen, darunter mit Elena Richter, Lisa Unruh (beide Berlin) und Sebastian Rohrberg (Langwedel) drei Schützen, die gerade erst bei der Feldbogen-WM in Visegrad (Ungarn) erfolgreich waren.
Gegen alten Rivalen
In Visegrad verpasste der Langwedeler zwar das Goldfinale, doch er schoss gegen den Italiener Michele Frangilli um Bronze ('es war von beiden Seiten eine Zitterpartie') und sicherte sich schließlich mit 56:54 diese Medaille. 'Schön war?s, es ist immer eine Herausforderung', gesteht der 31-Jährige aus dem Kreis Verden. Und er weiß, dieses ewige Duell 'geht mal so und mal so' aus. Er freut sich aber jedes Mal darauf. 'Doch ich wünsche mir oft auch andere Gegner', fügt der gescheiterte Titelverteidiger der Feldbogen-WM 2010 an. Für ihn gehört ein gewisses Quäntchen Glück schon dazu. Rohrberg: 'Warum soll nicht einer gewinnen, der hervorragend schießt. Bronze ist doch auch schon etwas Tolles.'
Das Feldbogenschießen im Gelände - teilweise mit bekannten und unbekannten Entfernungen - ist für den Langwedeler, der noch etwa bis zum Alter von 40 Jahren international schießen will, trotz aller Erfolge nicht die wichtigste Disziplin. 'Der Fita-Bereich hat Priorität', erzählt der Spitzenathlet, der die Olympiade in Peking verpasste und die nächste (2012 in London) im Visier hat. 'Ich hatte damals nicht alleine Schuld', sagt der 31-Jährige heute. Doch er ist drüber hinweg. 'Nur die Leistung zählt', erklärt Sebastian Rohrberg. Und da ist er froh, dass der DSB nunmehr über einen Leistungsbeauftragten verfügt. Rohrberg bezeichnet sich selbst als 'Eigenbrödler'. 'Ich mache was ich denke und stelle meine Fahrpläne selbst auf', sagt der Sportler, der auch die Pferde und die Jagd zu seinen Hobbys zählt. Er denkt jetzt schon - zwei Jahre vor London - an die Olympiade, denn er weiß, dass er durch einen Platz unter den ersten Acht in den USA einen deutschen Top-Team-Platz für Olympia erreichen kann.
Das Feldbogenschießen trainiert Rohrberg nicht speziell. 'Ich habe immer nur einfach das Schießen geübt', erklärt der Recurveschütze. Obwohl die Fita-Runde 'recht eintönig ist' und man sich beim Feldbogen-Wettbewerb 'für jede Scheibe neu einstellen muss und es keine Probe gibt'. - 'Wenn 60 Meter dran steht, dann muss man das Visier nicht unbedingt darauf einstellen, denn das Ziel ist mal oben, mal unten', weist der Langwedeler auf einen besonderen Reiz bei dieser Disziplin hin.
Sebastian Rohrberg ist eigentlich öfter unterwegs, als zuhause in Langwedel. Er ist ein Weltbummler in Sachen Bogensport. 'Ich halte mich auch viel in Berlin im Bundesleistungszentrum auf', erklärt er. Im Januar begann die Saison mit einer Qualifikation, im September steht der letzte Weltcup in Shanghai auf dem Plan. Dazwischen reiht sich ein Termin an den anderen. Da gibt es zum Beispiel den Weltcup in Ogden im US-Bundesstaat Utah, Ende August die DM auf Fehmarn, ein Hallenturnier im November in Amsterdam und den Bundesliga-Auftakt mit dem SV Dauelsen.
Bundesliga kann dabei zur Nebensache werden, wenn eine andere hochkarätige Aufgabe winkt und man sich für Sponsoeren interessant machen kann. 'Doch wir haben in Dauelsen eine sehr gesunde Mannschaft, da kann man sich durchaus ablösen lassen', sagt Sebastian Rohrberg. Wo liegt das beste Alter für einen Bogenschützen? Der Langwedeler sieht die Höchstphase zum Beispiel bei den Koreanern zwischen 17 und 22 Jahren, weil sie darauf hingetrimmt werden. 'Dann kommt ein tiefes Loch. Solch eine Tiefen-Phase hatte Rohrberg vor zwei Jahren. 'Doch ich habe trotzdem gewonnen und noch gut geschossen, jedoch nicht superdolle', gesteht er ein.
Bis 40 Jahre international schießen will der Langwedeler unbedingt. 'Denn es gibt noch ein paar Klunker, die auch ich noch haben will', umschreibt er anzustrebende Erfolge. Und er hat festgestellt, dass es international sogar zwei 50-jährige Top-Schützen im Bogenbereich gibt.
Aber war geschieht danach? 'Ich möchte Lehrgänge geben und Seminare abhalten. Irgendetwas in Richtung Bogensport wird es bleiben. Vielleicht ein Bogenladen. Man kann viele schöne Sachen machen, der Markt ist offen', sagt der Ex-Weltmeister und glaubt, dass sich dann ein paar Medaillen mehr auch ganz gut machen würden. Sechs Punkte nennt der Langwedeler bei der Frage nach Grundvoraussetzungen bei Top-Sportlern. 'Man muss konsequent sein, einstecken und ein Ziel verfolgen können. Man muss aber auch Ehrgeiz besitzen, über seinen Schatten springen und Entbehrungen - wie in anderen Sportart auch - in Kauf nehmen können.'
Das Ziel des Bogners Sebastian Rohrberg ist ein ehrgeiziges Ziel. 'In der Fita möchte ich noch ein bisschen weiter oben mitschwimmen', sagt der Vorzeige-Sportler, der über ein gesundes Selbstbewusstsein verfügt und deshalb die Olympia-Teilnahme allen Zielen voran stellt.



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