Koy und mit ihm acht weitere Organisatoren warben am Donnerstag im Hotel Höltje für die inzwischen zwölfte Auflage der J&B-Tage vom 24. bis 26. September. Dabei kamen auch die Schwierigkeiten zur Sprache, bei den übers Jahr verteilten Stadthallen-Konzerten trotz hervorragender Gruppen das Haus vollzubekommen. Bei zugkräftigen Namen wie Klaus Doldinger, Jojo Wendt oder Chris Barber ist das kein Problem, bei einem breiten Publikum nicht ganz so bekannten Formationen wie der Barrelhouse Jazz-Band aber sehr wohl.
Deswegen brachte Koy für das diesjährige Auftaktkonzert Stefan Gwildis ins Gespräch. Ein 'Soulmann' bei Jazz und Blues? Seine Vorstandskollegen waren skeptisch. 'Nach fast nächtelangen Diskussionen' (Koy) waren sie schließlich davon überzeugt, 'dass wir das finanziell Machbare mit dem künstlerisch Wertvollen verbinden müssen'. Selbst für große Festivals würden inzwischen Musiker engagiert, die nicht hundertprozentig ins Schema passten, aber volle Säle garantierten, erklärte der Vereinschef fast entschuldigend.
Ein 'Ausverkauft', wie es bald auf den Gwildis-Plakaten heißen wird - gestern waren noch 30 Karten im Angebot -, wird es bei der Kneipennacht am Sonnabend, 25. September, nicht geben. In den 15 Auftrittsorten (Rekord) wird vielleicht nicht jeder ein Plätzchen ergattern, doch das kennen die Gäste schon - dann bleiben sie eben mit wippenden Füßen draußen stehen oder versuchen ihr Glück in der nächsten Kneipe. Zu den bisherigen J&B-Nächten sind im Schnitt 1500 Besucher gekommen.
Als der neue musikalische Leiter Dieter Rater und der ihn dabei unterstützende Heiner Stöve gestern das Programm vorstellten, gerieten sie geradezu ins Schwärmen. Zum Beispiel über Krissy Matthews: Der 18-Jährige war schon bei einem Auftritt in der Kornbrennerei gefeiert worden, jetzt wird es mit ihm ein Wiedersehen in der Bodega geben. 'Ein Knaller!', jubilierte Rater mit leuchtenden Augen. Und Stöve kann es kaum erwarten, Chris Jagger und seiner Band Atcha! wiederzubegegnen. Er habe sie schon mehrfach gesehen. 'Das ist begeisternd. Diese Spielfreude ...' Micks jüngerer Bruder werde mit seinen Leuten wahrscheinlich schon am Freitag anreisen. 'Die freuen sich richtig auf Verden', wusste Stöve. Auftreten werden sie hier in der Kornbrennerei.
Die finnische Band L.R. Phoenix & Mr. Mo? Hell will ihr Gastspiel in der Nagelschmiede sogar mit einem Kurzurlaub in Verden verbinden. Von Elisa Weiß und ihrer Gruppe sind Stöve und Rater gleichermaßen begeistert. 'Unbedingt hingehen!', raten sie. Die Dresdener sind im Klavierhaus Helmich zu Gast. Von dort ist es dann nicht weit bis Sotti?s, wo die Working Blues Band zu hören ist. 'Da wird die Post abgehen', ist Rater sich sicher.
Im Mais 12 tritt mit Nils Gariboff ein gebürtiger Verdener ins Rampenlicht, begleitet nur von seiner Gitarre. Lokalkolorit steuern auch The Temptones aus dem Raum Thedinghausen bei (Domschänke). Die weiteren Bands versprechen ebenfalls höchsten Hörgenuss: Im Allerlei spielen die Salty Blue Notes, in Glander?s No. 13 Jan Fischer?s Blues Band, in La Fattoria Emanuel Jahreis, im Litfass die Steelyard Bluesband, im Max das Steve Clayton Duo, im Portofino Dieter Kropp mit seiner Band und in Pades Restaurant schließlich die Balkan Strings. Das Trio aus Belgrad besteht aus einem Vater und seinen beiden Söhnen und ist eine Empfehlung für alle Freunde reiner Gitarrenmusik.
Bestandteil der J&B-Tage ist zum neunten Mal 'Jugend jazzt'. Organisiert wird es wieder von Michael Spöring, der den Programmablauf beibehalten hat. 'Das hat sich so eingespielt und bewährt.' Bedeutet: Am Freitag werden die Teilnehmer sich kennenlernen, am Sonnabend in die Workshops strömen. Dort treffen sie auf Dozenten, die selbst ausübende Musiker sind. 'Manche würden gerne selbst bei der Kneipennacht auftreten, aber beides geht nicht', so Spöring. Am Sonnabendabend gibt es dennoch Gelegenheit, sie zu hören - bis etwa 22 Uhr bei einer Jam-Session im Domgymnasium. Ohne die Unterstützung des DoG und der Musikschule Hartig wäre 'Jugend jazzt' nicht möglich, so Spöring.
Was der Jazz-Nachwuchs erarbeitet hat, ist am Sonntag, 26. September, ab 14 Uhr auf dem Rathausplatz zu hören. Damit endet der musikalische Wochenend-Marathon. Zum Anheizen der Kneipennacht werden am Sonnabend zwischen 11 und 15 Uhr Bands an vier Plätzen in der Innenstadt spielen. Von den abends auftretenden Balkan Strings, L.R. Phoenix & Mr. Mo? Hell' und Emanuel Jahreis gibt es hier schon mal einen Vorgeschmack. Mit von der Partie sind außerdem The Rihm Shots.
Der Vorverkaufspreis für die Kneipennacht ist von 8,50 auf 10 Euro angehoben worden. Heiner Stöve: 'Schon für Chris Jagger alleine würde man normalerweise 20 Euro zahlen.' An der Abendkasse löhnen die Besucher zwölf Euro und haben dafür ebenfalls Zugang zu allen Auftrittsorten. Der Vorverkauf ist angelaufen und sobald die Jazz- und Blues-Tage vorüber sind, können sich die Götz-Alsmann-Fans schon Karten für das Konzert im kommenden Februar sichern.



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