Zur Ausstellungseröffnung im nahen Dom kamen unerwartet viele Menschen, freute sich auch die stellvertretende Bürgermeisterin Gundula Schmidtke. Kinder aus den Klassen 4a und 4c der Jahnschule mit ihren Lehrerinnen Rieke Ommen und Gabriele Goes hatten in Zusammenarbeit mit Tanzpädagogin Judith Sablowski einen Tanz einstudiert, wie er zu jener Zeit möglicherweise getanzt wurde. Die Kinder waren zünftig mit Wamsen, Kordelgürteln, Stulpen, Haarbändern, kleinen Beuteln und Kappen ausgestattet und die Fröhlichkeit des Tanzes und der Musik sprang auf die rund 200 Zuschauer über.
Karl der Große war 810 nach Verden gekommen, weil er gegen die Dänen kämpfen wollte, machte Björn Emigholz anschließend Lust auf einen Rundgang durch die Ausstellung. Doch der Krieg fiel aus, die Dänen machten ein Friedensangebot. Der 'Vater Europas', wie Karl der Große oft bezeichnet wird, hatte sich die Furt durch die Aller als Kampfplatz ausgesucht, weil sie strategisch gut gelegen und gut zu verteidigen war, sagte Emigholz.
Mit etwa 8000 bis 10000 Kriegern plus etwa 30000 Pferden, Ochsen und Fußvolk war er hierher gekommen. Nachdem der Krieg ausfiel, hielt Kaiser Karl Hof, sprach Recht und empfing Abordnungen der sächsischen Stämme. '10000 Mann und 30000 Pferde zu versorgen wäre selbst heute eine logistische Leistung für die Stadt Verden.' Aber Verden war damals weder eine Stadt noch ein Dorf. Einfach nur eine Gegend, in der es hier und da einige Gehöfte gab.
Beispielsweise in Scharnhorst, wo die Kreisarchäologin Jutta Precht vor sieben Jahren die Reste einer großen Hofanlage entdeckte. Der Achimer Manfred Raba erhielt den Auftrag, ein Modell dieses Hofes zu bauen. In viereinhalb Monaten entstand das Modell im Maßstab 1:87, das jetzt zu der Ausstellung gehört. 'Archäologie', sagte Jutta Precht, 'ist die Kunst, die Farben des Bodens lesen zu können.' Sprich, die Verfärbungen zu interpretieren als Feuerstellen, als Standorte von Pfosten der Gebäude, als Stallungen oder Vorratsräume.
Demnach bestand das Gehöft, von denen es nach Einschätzung Prechts weitere drei oder vier in der Umgebung gegeben haben könnte, aus einem etwa 35 Meter langen Hauptgebäude, einem Backhaus, einer Weberei, einem Getreidespeicher, Ställen für Ziegen, Schafe, Geflügel, Rinder und Pferde, einem Schober für Viehfutter und einer Tenne für Getreide.
Die Ernährung war vor 1200 Jahren wenig abwechslungsreich, meinte Precht mit einem entsprechenden Gesichtsausdruck: Kohl, Rüben, Bohnen und Getreidebrei, zu trinken gab es Wasser, ein wenig Met und vielleicht etwas Milch. Zucker gab es noch nicht, Honig war das einzige Süßungsmittel für die Menschen auf dem Hof, die Selbstversorger waren.
In den Vitrinen der Ausstellung liegen Fundstücke, die zum Teil aus dem Fundus des Landesmuseums Hannover stammen, zum Teil von der Kreisarchäologie und auch von privaten Sammlern: Webgewichte, Schwerter und Lanzen, die Replik eines Sattels und Zaumzeugs, Schmuck aus dem Grab einer Frau, ein kleines Kreuz aus Silber aus Dörverden, Schnallen und Waffen.
Auf Schautafeln erfahren die Ausstellungsbesucher etwas über den 73 Jahre alt gewordenen Kaiser der Franken, bekommen einen Einblick in das Leben der Sachsen und können an einem Computer noch weiter zum Thema recherchieren. Ein besonderes Stück ist der Spangenhelm eines sächsischen Kriegers.
Er wurde im Verdener Moor gefunden und ist einer von etwa 25 bekannten Helmen aus dem 8. und 9. Jahrhundert. Zwei Figuren zeigen, wie sich Mann und Frau fein gemacht haben. Begleitet wird die Ausstellung von Vorträgen, das Museum bietet besondere Führungen an, und 'Die Museumsgeister' werden sich im November mit dem Thema beschäftigten, kündigte Emigholz an.



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