Der Start in die Ganztagsschule sei ein wirklicher Meilenstein in der Geschichte der Astrid-Lindgren-Grundschule freute sich die kommissarische Schulleiterin in ihrem Grußwort an die Gäste aus Politik und Verwaltung. Aber so richtig entspannte und ungetrübte Feierstimmung habe sich in den letzten Tagen einfach nicht einstellen wollen. Deshalb werde sie nun doch ein bisschen Wasser in der (Fest-)Wein kippen. Denn sie und ihre Kollegen würden seit sieben Wochen täglich spüren, was es heißt eine 'offene Ganztagsschule' in Niedersachsen zu sein.
Dies nämlich bedeute, mit einem 'minimalen Zuschlag' für Lehrerstunden auskommen zu müssen. 'Ein Sparmodell', so Matthes. Von einer wirklichen Ganztagsschule könne nicht geredet werden, sondern von einer 'Schule mit zusätzlicher nachmittäglicher Betreuung'.
Und dies sei noch eine eher freundliche Umschreibung, betonte die Schulleiterin und zitierte aus einem Artikel, in dem von der 'Mogelpackung Ganztagsschule light' die Rede war. Wenn stets nur auf Quantität statt auf Qualität geachtet und die finanzielle Belastungen mehr und mehr auf die überforderten Kommunen abgewälzt würden, dann gehe der Ganztagsschule schon am Start die Puste aus.
'Wir dürfen uns nicht auf Notlösungen einlassen', forderte Katharina Matthes. Sonst würden Ganztagsschulen zu Aufbewahrungsanstalten. Sie appellierte deshalb an die Verantwortlichen, die Ganztagsschulen besser auszustatten. Erst dann könne man 'so richtig ohne Wenn und Aber feiern'. Worte, die Regierungsschuldirektor Gerhard Grönke, seit September als schulfachlicher Dezernent der Landesschulbehörde in Verden zuständig für die Astrid-Lindgren-Grundschule, in den Ohren geklungen haben dürften. Hatte er doch kurz zuvor in seinem Grußwort voller Stolz verkündet, dass die Achimer Grundschule zu diesem Schuljahr gemeinsam mit 270 weiteren Schulen in Niedersachsen als offene Ganztagsschule an den Start gegangen war. Insgesamt gäbe es jetzt fast 1000 davon in Niedersachsen 'und ich kann nur hoffen, dass wir noch mehr bekommen'. Auch in der Stadt Achim, die Grönke ausdrücklich für ihr finanzielles Engagement in dieser Richtung lobte.
Lob hatte der Regierungsschuldirektor auch für den Ansatz der Schule, dass mittags in der Mensa Erwachsene mit den Kindern gemeinsam essen. In Sachen Ess- und Tischkultur werde so eine wichtige pädagogische Aufgabe wahrgenommen. Wäre Grönke am Dienstagabend im Achimer Schulausschuss dabei gewesen, hätte er gehört, dass auch hier die Realität in weniger erfreulichen Zahlen daherkommt. 15 Kinder und ein Erwachsener pro Tischgruppe lautet die angedachte pädagogische Formel. Tatsächlich nehmen aber deutlich mehr Kinder als gedacht am Mittagessen teil. So sitzt ein Erwachsener mit bis zu 25 Kindern am Tisch - mit entsprechenden Folgen für die Vermittlung von Ess- und Tischkultur.
Die angenehmste Aufgabe gestern bei der Einweihungsfeier hatte Achims Bürgermeister Uwe Kellner. Er war gekommen, um sich zu bedanken: Beim Bund, der über das Konjunkturpaket II 720000 Euro für den 1,16 Millionen Euro-Bau zusteuerte, bei den Politikern des Stadtrates, die sich einstimmig hinter das Projekt Ganztagsschule gestellt hatten, bei der Landesschulbehörde für die zusätzlichen Lehrerstunden ('auch wenn es deutlich mehr sein könnten'), beim Planungsbüro GME für den schmucken Anbau, vor allem aber bei dem Kollegium der Schule, das die gesamten konzeptionellen Vorarbeiten schultern musste und nun unter nicht einfachen Rahmenbedingungen auch die Umsetzung der Ganztagsschule.


Regenwahrscheinlichkeit: