Eigens zu diesem Zweck war die Bezirkskonferenz auf den „Nationalen Mindestlohntag“ gelegt worden. Ein wenig Uneinigkeit herrschte dann vor der Presse zu der Frage, wann genau Gewerkschaft, SoVD und AWO sich auf lokaler Ebene verbündet haben. Während ver.di-Pressesprecherin Kornelia Knieper anfänglich den Tag der Gründung mit dem Tag der Verkündung gleichsetzte, berichtete Dietmar Teubert vom DGB-Kreisverband Verden, dass es das „Verdener Bündnis für soziale Gerechtigkeit“ bereits seit Juli gebe.
Friedrich Koch (SoVD Verden) wusste auch nicht, dass das Bündnis bereits seit einigen Wochen existiert, hatte sich für den Pressetermin aber schon intensiv mit dem Positionspapier beschäftigt. Rainer Kuhn und Peter Schnaars als Geschäftsführer und Vorsitzender des ver.di Bezirks Bremen-Nordniedersachsen erläuterten dann routiniert das Anliegen des Bündnisses.
Dieses will sich unter anderem dafür einsetzen, dass die Anhebung des Renteneintrittsalters auf das 67. Lebensjahr zurückgenommen wird. Das Krankenversicherungssystem soll zu einer von allen getragenen Sozialversicherung ausgebaut werden. Familienförderung und Bildung sollen Chefsache werden. Ferner wird speziell für den ländlichen Raum eine bessere Versorgung mit Ausbildungsplätzen verlangt.
Wichtigster Punkt sei jedoch ein Mindestlohn von 7,50 Euro für alle arbeitenden Menschen, unterstrichen Kuhn und Schnaars. Sie verwiesen auf Pfleger, Sicherheits- und Wachdienstleute, Frisörinnen und Verkäuferinnen, die zum Teil nur Stundenlöhne zwischen 3,50 und 4,80 Euro erhielten. Sieben Millionen Deutsche arbeiten laut Kuhn in diesem Niedriglohnsektor – siebzig Prozent davon seien Frauen.
„Das haben wir auch in Verden“, sagte Teubert, während Friedrich Koch den allgemeinen Forderungen noch den Wunsch nach einer Verbesserung des örtlichen Nahverkehrs zwischen Verden und den umliegenden Ortschaften hinzufügte.
Die erste und einzige Aktion des Bündnisses vor der Wahl wird eine Kutschfahrt mit den Kandidaten des Wahlkreises Osterholz-Verden sein. Sie soll am Sonnabend, 19. September, vom Verdener Rathaus zum Hutbergener Landhotel „Zur Linde“ führen, wo Interessierte ab 15 Uhr mit den Politikern von SPD, CDU, FDP, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke diskutieren können.
Zumindest einer der Kandidaten hat von der Bildung des Bündnisses schon gewusst und sich bereits einen Tag vor dessen offiziellen Vorstellung per Pressemitteilung geäußert. Herbert Behrens, Wahlkreisbewerber der Linken, erklärte darin: „Beim Blick in die Parteiprogramme werden die Bündnisbeteiligten einige ihrer Forderungen schon erfüllt sehen.“
Da sich diese Versprechen im nachhinein oft als „Geschwätz von gestern“ entpuppten, wünsche er sich auch nach dem Wahltermin vom „Bündnis für soziale Gerechtigkeit“ eine kritische Begleitung der Arbeit im Bundestag. Die soll es nach Aussage der Gewerkschaftsvertreter tatsächlich geben. „Wir machen auch nach dem 27. September weiter“, erklärte Geschäftsführer Rainer Kuhn.



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