„Diese brisanten und absolut privaten Unterlagen sind mir direkt vor einem Altpapiercontainer vor die Füße geweht“, sagt der Mann und wandte sich mit dem Fund an unsere Zeitung. Offensichtlich waren die Unterlagen, die allesamt aus der Diakonie-Station Oyten/Ottersberg stammen und dem Datenschutz unterliegen, in dem Altpapiercontainer in der Potsdamer Straße in Achim „entsorgt“ worden.
„Das ist empörend“, sagt der Anwohner und findet es skandalös, dass die Papiere, die Namen, Geburtsjahr, Krankenkassenzugehörigkeit und die genaue Diagnose der Krankheit, nebst Therapie- und Behandlungsformen von zehn Patienten enthalten, derart unvorsichtig und somit möglicherweise für jeden einsehbar im Altpapiercontainer gelandet sind.
Konkret handelt es sich bei den Papieren um „Verordnungen häuslicher Krankenpflege“, die von Ärzten ausgestellt wurden und an den zuständigen Pflegedienst, die Diakoniestation Oyten/Ottersberg in der Oytener Lindenstraße, weitergereicht wurden.
Außerdem finden sich sogenannte „Stammblätter“ von Patienten, ebenfalls mit genauen Angaben zur Erkrankung. Dass die Papiere tatsächlich aus der Diakoniestation stammen, lässt sich aus der Beschriftung der Rückseite der Verordnungen erkennen.
Hier hat die zuständige Pflegerin nicht nur das Datum ihres Einsatzes vermerkt, sondern auch die notwendigen Injektionen und andere Therapieformen, die bei den Patienten vorgenommen werden mussten. Weiter finden sich der Stempel der Diakoniestation sowie die Unterschrift der zuständigen Pflegerin darauf.
Neben den nicht öffentlichen Krankenunterlagen fand der Achimer in dem Stapel andere „öffentliche“ Papiere, die aus der Diakoniestation stammen. Unter anderem ein Foto des gesamten Pflegeteams sowie Einladungen zum „Erzählcafé“, das regelmäßig in den Räumen der Station stattfindet.
Außerdem gibt es einen Arbeitsplan, in dem eine Pflegerin mit der Stationsleitung klärt, wann sie gerne für den Früh- oder Spätdienst eingesetzt werden möchte. Alle Unterlagen sind aktuell. Sie stammen aus diesem Sommer und betreffen Patienten, die erst vor kurzem in Behandlung waren.
Mit dem brisanten Fund konfrontiert, kann sich die zuständige Pflegedienstleitung der Sozialstationen nur entschuldigen. „Es tut uns leid, da ist einfach ein Fehler passiert“, sagt Elke Marsch, Leiterin der Pflegedienste in den Diakoniestationen im Kreis Verden.
Bei einer Putzaktion sei ein Stapel Unterlagen, die für den Container gedacht waren, mit den Krankenunterlagen zusammengeraten und versehentlich im Container gelandet. „Natürlich werden ansonsten alle Krankenunterlagen, die nicht mehr von uns benötigt werden, geschreddert und nicht öffentlich entsorgt“, betont Elke Marsch.
Bei dem Vorfall handele es sich um einen Einzelfall, der hausintern auch bereits arbeitsrechtliche Konsequenzen gehabt habe. Die Mitarbeiterin, die die Papiere versehentlich entsorgt habe, sei aber nicht entlassen worden.„Da es sich um einen einmaligen Fehler handelt, haben wir dafür keinen Grund gesehen“, sagt Marsch.
Die Sozialstation achte auf Datenschutz und sei sich bewusst, dass solch brisante Unterlagen nicht öffentlich zugänglich sein dürften, betont die Leiterin. „Das ist ein absolut peinlicher Fehler, der uns da passiert ist. Das darf natürlich nicht vorkommen“, sagt Elke Marsch. Alle Leitungs- und Verwaltungskräfte der verschiedenen Stationen seien angewiesen, alle Patientendaten unter Verschluss aufzubewahren oder nicht mehr benötigtes Material sofort zu vernichten, sagt Marsch.


Regenwahrscheinlichkeit: