Die Befragung von 5500 Viertklässlern und 17.000 Neuntklässlern hat ergeben, dass jeder fünfte Neuntklässler (21,8 Prozent) und jede 20. Neuntklässlerin (5,7 Prozent) sich mehr als vier Stunden am Tag und damit exzessiv mit Video- und PC-Spielen beschäftige. Pfeiffer: 'Wer mehr als vier Stunden Computer spielt, hat sich vom schulischen Ehrgeiz verabschiedet.' Von einer Abhängigkeit spricht er, wenn nach dem Spiel Entzugserscheinungen auftreten.
Spiele wie 'World of Warcraft', das bereits ab zwölf Jahren frei gegeben ist, erhöhen das Abhängigkeitsrisiko. 'Die soziale Vernetzung und Anerkennung, die man sich in der Realität mühsam erkämpfen muss, bekommt man bei diesem Online-Spiel schnell', sagt der Kriminologe. Der Reiz sei, dass der Spieler selbst zum Akteur werde, eine zweite fiktive Identität aufbaue, in die er sich aus der Realität flüchte. Laut Pfeiffers Studie sind aktuell drei Prozent der Jungen und 0,3 Prozent der Mädchen von dieser Computerabhängigkeit betroffen.
Einen Ausweg aus dem 'ausufernden Medienkonsum' sieht Pfeiffer nur in der flächendeckenden Einführung von Ganztagsschulen. Nachmittags müsse man Lust auf Leben wecken - durch Sport, Musik und Theater. 'Erfolgreiche PISA-Nationen wie Kanada, Neuseeland und Finnland machen es vor: Dort haben die Kinder schlicht nicht soviel Zeit und Lust, Computer zu spielen. Die Motivation kommt aus ihnen selbst.'
In seinem Sohn sieht Pfeiffer ein gutes Beispiel. Bevor er ein Jahr nach Neuseeland gegangen sei, habe er ein bis zwei Stunden täglich am PC verbracht und einen deutschen Zeugnisschnitt von 2,5 gehabt. Nach dem Jahr an einer neuseeländischen Ganztagsschule habe er einen Abiturschnitt von 1,5 gehabt und keine Minute mehr mit PC-Spielen verbracht, weil ihm die Zeit dafür viel zu schade gewesen sei. Die vielfältigen Freizeitaktivitäten am Nachmittag hätten seine Persönlichkeit und Eigenmotivation, 'kurz: die Lust am Leben' gestärkt.
Dieses Konzept verfolgt auch eine Modellschule im amerikanischen Naperville. Seitdem die Schule täglich 40 Minuten hochintensiven Sport mit Basketball, Square Dance oder Klettern angesetzt habe, habe die Schule bei Chicago sensationelle PISA-Ergebnisse. Pfeiffer möchte dieses Modell auf deutsche Schulen übertragen. Noch klärt er die Konzeption und die Finanzierung über Stiftungen ab, doch im Jahr 2011 will der Schulreformer das Modell in die Praxis umsetzen. Niedersachsens Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann hat bereits Interesse angemeldet.



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