In den frühen Morgenstunden oder in der Abenddämmerung konnte man ihn häufig auf dem Deich hinter seinem Haus antreffen. Dort saß er dann vor seiner Staffelei, um seine Impressionen von den Wümmewiesen festzuhalten. Trotz seiner über 90 Lebensjahre verging kaum ein Tag, an dem er nicht mehrmals den kurzen Weg zwischen Atelier und Wümmedeich gegangen war. Er ging auf dem Weg, den der Flecken Ottersberg anlässlich seines 90. Geburtstages nach ihm benannt hatte.
Mit Christian Modersohn verstarb der letzte noch lebende Vertreter der alten Worpsweder und Fischerhuder Malerschule. Ein Mann, der überregional geschätzt und anerkannt wurde. Für Friedensbuchpreisträger Lew Kopelew, der ihn häufiger in Fischerhude besuchte, war er ein Maler und Zeichner von Gottes Gnaden. Altkanzler Helmut Schmidt nannte ihn seinen guten Freund und war ebenfalls häufiger mit Ehefrau Loki im Hause der Modersohns zu Gast. Weit über 50 Jahre währte ihre Freundschaft. Eine fast ebenso lange Freundschaft pflegte er zum Bremer Altbürgermeister Hans Koschnick. Dabei war Christian Modersohn stets bodenständig geblieben und genoss im Dorf der Bauern und Künstler ein hohes Ansehen. Er 'snackte Platt' und konnte auch im Dialekt problemlos über Kunst, Gott und die Welt plaudern. Gleichzeitig bezeichneten ihn Freunde als 'Philosophen in der Westentasche', erzählte er einmal schmunzelnd. Und das war durchaus bildlich gemeint: Zitate und Gedichte von Goethe oder Hölderlin trug er
auf handschriftlich verfassten Zetteln in der Sakkotasche und brachte sie häufig und gern bei passenden Gelegenheiten zu Gehör.
Geboren am 13. Oktober 1916 in Bremen, war auch für Christian Modersohn, genau wie für seinen Vater Otto Modersohn, die landschaftliche Besonderheit des Dorfes Fischerhude und der Wümmewiesen bestimmend für sein Leben und Werk. 1936 bis 1940 hatte er an der Akademie der bildenden Künste in München studiert. Zwischen 1946 und 1957 lebte er in Hindelang im Allgäu, kam aber 1957 mit seiner Familie zurück nach Fischerhude. An der Bredenau baute er sein Wohnhaus und später - 1974 bis 1996 - errichtete er daneben das Otto-Modersohn-Museum, das in wechselnden Ausstellungen schwerpunktmäßig das Werk seines Vaters zeigt.
Die Trauerfeier für Christian Modersohn findet am Sonnabend, 2. Januar, um 11 Uhr in der Fischerhuder Liebfrauenkirche statt, anschließend folgt die Beisetzung auf dem Quelkhorner Friedhof. Statt Kranzspenden bittet die Familie um eine Zuwendung für die Gesellschaft Otto-Modersohn-Museum, die das lange verschollene Bild 'Dorfstraße, 1897' ankaufen möchte.



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