Die Bassumer Kommunalpolitiker fielen aus allen Wolken. Dienstagmorgen sandte ihnen Bürgermeister Wilhelm Bäker eine E-Mail mit der Nachricht, dass die Geburtshilfe im Bassumer Krankenhaus zum Jahresende geschlossen wird. Auch Christian Porsch fand die Neuigkeit in seinem elektronischen Postfach. "Das ist sehr schlimm", sagt der künftige Fraktionsvorsitzender des Bürger-Blocks Bassum. Auch aus ganz persönlichen Gründen zeigt er sich betroffen. "Meine beiden Kinder wurden im Bassumer Krankenhaus geboren."
CDU-Chefin Cathleen Schorling brachte ihre Tochter ebenfalls im Bassumer Krankenhaus zur Welt. "Ich war geschockt, als ich die E-Mail vom Bürgermeister las. Ein Stück Bassumer Krankenhaus ist nun weg. Eine Ära geht zu Ende." Beide äußern aber auch Verständnis für den Schritt, da laut Klinikangaben pro Jahr nur 30 Prozent der Schwangeren aus dem Landkreis tatsächlich in Bassum entbinden würden. Aber das sei ja nicht der ausschlaggebende Punkt gewesen, sagt St.-Ansgar-Geschäftsführer Thomas Pilz. Es würde in erster Linie am Fachärztemangel liegen. Eine Aussage, die auch Thomas Wichmann, Vorsitzender des Ärzteverbundes Nord, unterstützt. "Da ist definitiv etwas dran."
Auch der Förderverein des Krankenhauses drückte sein Bedauern aus. Über die Hintergründe wollte der Vorsitzende Alfons Hallen aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht spekulieren. Christian Porsch auch nicht: "Ob sich die Klinik tatsächlich umfassend um Personal gekümmert hat, kann ich nicht beurteilen - ebenso wenig ob es auch wirtschaftliche Gründe gab." Dass sich die Klinikgeschäftsführung um potenzielle Ärzte gekümmert hat, davon ist Bassums Ortsvorsteher Klaus Rajf überzeugt. "Ich weiß, wie die Geschäftsführung arbeitet", sagt der Christdemokrat, der auch Mitglied des St.-Ansgar-Kuratoriums ist und im Aufsichtsrat saß. Rajf glaubt nicht, dass das Ansehen des Krankenhauses darunter leidet. Aufgrund seiner Tätigkeit als Ortsvorsteher besuche er in dem Haus mindestens dreimal im Monat Patienten. "Generell sind die Menschen zufrieden." Nichtsdestotrotz sei die Schließung der Entbindungsstation natürlich ein Verlust. So sieht es auch Bürgermeister Bäker: "Ich bedauere das sehr." Dass das
Ende der Geburtshilfe den Neubau der Psychiatrie und der Somatik negativ beeinflussen wird, glaubt der Verwaltungschef nicht. Auch Thomas Pilz sagt, dass das nichts miteinander zu tun habe. Andere Bereiche des Krankenhauses seien nicht betroffen.
SPD-Fraktionschef Christoph Lanzendörfer bezweifelt, dass das Bassumer Krankenhaus überhaupt noch einen Standortfaktor für die Lindenstadt ausmacht. "Wir haben bald keine Geburtshilfe mehr. Das ist sicherlich auch für junge Familien von Interesse. Und wir haben keine Unfallchirurgie mehr". Er fragt sich, ob es denn tatsächlich den realistischen Versuch einer Weiterführung gegeben hat. Er glaubt, dass die Schließung schon seit längerer Zeit feststand und nicht kurzfristig beschlossen wurde.
Diesen Vorwurf muss sich auch Landrat und St.-Ansgar-Aufsichtsratschef Gerd Stötzel gefallen lassen. "Nein, die Schließung war nicht von langer Hand geplant", entgegnet er. Aber man könne nicht sagen, dass man es nicht habe kommen sehen. Schon damals bei der Gründung des St.-Ansgar-Klinikverbundes hätte er gesagt, dass man die Krankenhausstandorte in einigen Jahren nicht wiedererkennen werde.


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