In der Diskussion um eine Wiedereröffnung der Geburtsstation am Klinikum Bassum hat Landrat Cord Bockhop am Freitag neue Zahlen auf den Tisch gelegt. "Wir haben acht Ärzte gefunden, die Interesse an einer Beschäftigung haben", sagte er beim Pressegespräch im Syker Kreishaus. "Ich bin froh über die allgemeine Bereitschaft. Allerdings ist das Problem damit nicht gelöst, wir werden nicht auf die erforderlichen sechs vollen Arztstellen kommen."
Es gebe sehr unterschiedliche Vorstellungen der einzelnen Gynäkologen, so Bockhop. "Und manche Bedingungen passen einfach nicht zusammen." Ein Arzt komme wegen angeblicher Verfehlungen in der Vergangenheit nicht infrage. Andere würden nur kurzfristig ab und zu einspringen wollen - gegen viel Geld. "Wieder andere würden fast ehrenamtlich aushelfen", berichtet Bockhop. "Es sind unter den acht Ärzten auch Pensionäre, die das vorübergehend machen würden." Einige Ärzte seien aber auch nicht bereit, in einem von Hebammen geführten Kreißsaal zu arbeiten.
Scharfe Kritik richtete Bockhop an die Adresse der Unternehmensberaterin Barbara Kosfeld. Diese berät seit geraumer Zeit die Bassumer Hebammen und war am 15. Dezember von ihrem Wohnort Borkum nach Twistringen angereist, um ein Gespräch mit dem Landkreis über ihre Vorstellungen zur Zukunft der Geburtshilfe zu führen. Laut Bockhop schickte Kosfeld anschließend dem Landkreis eine Rechnung von über 800 Euro. "Für ein Akquisegespräch, ein Kilometergeld von 85 Cent plus Mehrwertsteuer und eine Übernachtung im Vier-Sterne-Hotel", zählt Bockhop auf. "Das haben wir so nicht akzeptiert."
Zudem fühle er sich von den Hebammen und Kosfeld gedrängt, der Borkumer Unternehmensberaterin einen offiziellen Auftrag zu erteilen. Ein Anhaltspunkt dafür laut Bockhop: "Es war immer die Rede von drei Ärzten, die für die Geburtshilfe bereit stünden. Die Namen wollten die Hebammen aber nur nennen, wenn wir Frau Kosfeld den Auftrag zuschustern." Daher habe er selbst zum Telefonhörer gegriffen und Ärzte kontaktiert. "Wir lassen uns nicht von einem Berater erzählen, dass er der einzige richtige ist", betont Bockhop. Zudem habe Kosfeld keine ausreichenden Referenzen vorweisen können. "Und wir brauchen, um einen Auftrag zu erteilen, mindestens ein Angebot mit Eckpunkten."
Streit um Rechnung
Kosfeld wehrt sich gegen die Vorwürfe Bockhops. "Zunächst war es kein Akquisegespräch. Und ich bin kein Headhunter, der Namen von Ärzten präsentiert, sondern Unternehmensberaterin." Sie zeigte sich empört darüber, dass der Landkreis ihre Rechnung über 825,86 Euro ohne weitere Rücksprache mit ihrem Sekretariat auf 446,01 Euro zusammengestrichen habe. "Das ist ungehörig", sagt Kosfeld. "Ich habe klare AGBs, ich bin nicht im öffentlichen Dienst. 85 Cent Kilometergeld sind nicht ungewöhnlich, und wo ich übernachte, suche ich mir selbst aus." In diesem Fall übernachtete sie für 170 Euro im Bremer Hilton. Hinzu kämen Reisekosten und Spesen. "Das Gespräch habe ich gar nicht in Rechnung gestellt." Sie gehe davon aus, dass der Landkreis ihre Rechnung noch vollständig begleichen werde.
Dass sich Landrat Bockhop selbst auf Arztsuche begeben habe, sei "ungewöhnlich", sagte Kosfeld weiter. "Es nutzt doch nichts, Ärzte anzusprechen, ohne ein Konzept zu haben. Suchen Sie mal Redakteure, ohne überhaupt eine Zeitung zu haben." Das Vorgehen zeige den "dringenden Beratungsbedarf", den der Landkreis offensichtlich habe. Sie selbst brauche keine Aufträge, betonte Kosfeld erneut. Daher habe sie auch niemanden gedrängt. "Ich wäre nicht am Markt, wenn ich so arbeiten würde."
Die Perspektiven für eine Geburtshilfe in Bassum sieht Landrat Bockhop derweil düster. "Wir geben nicht auf. Wir haben aber zu erkennen, dass mit den Füßen abgestimmt wurde." Viele werdende Eltern hätten sich in der Vergangenheit zur Geburt ihres Kindes bereits gegen Bassum entschieden. "Das ist eine Realität, die man annehmen muss. Man kann den Menschen nicht vorschreiben, wo sie sich behandeln lassen." Da würden auch keine "blumigen Worte wie Netzwerke, Zuschüsse oder Förderung" helfen, so Bockhop in Richtung der Unternehmensberaterin Kosfeld. Mit Blick auf die entscheidende Kreistagssitzung am 27. Februar sagt er: "Wenn nicht noch das Kaninchen aus dem Hut kommt, müssen wir die Fakten als Grundlage für eine Entscheidung nehmen."
Lena Rahlfs von der Bürgerinitiative für eine Geburtshilfe im Landkreis Diepholz hat für die Aussagen Bockhops derweil kein Verständnis: "Egal, wie viele Ärzte gefunden werden, Landrat Bockhop sagt immer, dass es schlecht aussieht. Die Frage ist doch, ob man bereit ist, weiter zu arbeiten und sich an einen Tisch zu setzen."


Regenwahrscheinlichkeit: