"Das war eine Nullnummer", fasst Sonja Klein die einstündige Preisverleihung des BUND am Freitag in der Aula der Albert-Klein-Schule zusammen. Die Naturwissenschaftslehrerin ist sauer. Acht Wochen lang hatten Schülerinnen und Schüler aus vier fünften Klassen intensiv die Natur beobachtet, ein Biotop in der Osterholzer Feldmark erforscht, Skizzen und Notizen gemacht und Naturtagebücher verfasst. "Ich habe mich sehr ins Zeug gelegt, 100 Kinder und 15 Kollegen zu motivieren", berichtet auch die Lehrerin, die im Frühjahr auf die Ausschreibung des BUND aufmerksam geworden war. Alle hätten an einem Strang gezogen. Die Kunstkollegen hätten das Titelblatt entworfen, die Deutschlehrer sich mit dem Schreiben von Tiersteckbriefen befasst.
Als Belohnung gab es am Ende für jedes Kind ein paar Tier-Aufkleber und einen Fruchtriegel. Bei vielen Kindern landete dieser direkt im Mülleimer, weil er ihnen nicht schmeckte. Anerkennende Worte für ihre Arbeit hörten sie bei der Ehrung nicht.
Zwei Kinder hatten sich auf einen Sonderpreis gefreut. Der erste Preis ging an eine Einzelbewerberin, Joana Busch von der Oberschule Rockwinkel. Den zweiten Platz belegte Timon Hische von der Albert-Einstein-Schule. Doch auch der Elfjährige konnte sich über seinen Gewinn, eine Piratenfahrt mit der Hansekogg, nicht so recht freuen. "Welches Kind fährt schon gerne ohne Begleitung, ohne ein Elternteil oder einen Freund, auf einem Schiff?", fragt sich die Lehrerin.
"Die Kinder hätten sich eine Urkunde und mehr Anerkennung gewünscht", berichtet Klein von der anschließenden Besprechung in ihrer Klasse. Eine Stunde lang hatte Jörn Hildebrandt vom BUND über die Aktion des Naturtagebuchs referiert, die, so die Lehrerin, ohne Frage im Ansatz gut sei: Der Naturschutzverband fordert seit 2001 bundesweit Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren auf, die Natur zu beobachten, sie zu riechen, schmecken, fühlen und Fragen zu stellen. Wie ist das Wetter heute? Wann fliegen Bienen? Wie oft legen Hühner ein Ei? Hinter den simplen Fragen verbergen sich oftmals komplexe Zusammenhänge.
Doch um die Antworten geht es dem BUND nur in zweiter Linie, an erster Stelle steht ein sinnlicher Zugang zur heimischen Flora und Fauna. 1000 bis 1200 Kinder nehmen jährlich an dem Projekt teil.
Etwa 80 Naturtagebücher wurden am Ende des Projekts von der Albert-Einstein-Schule abgegeben. Die Beispiele, über die Hildebrandt mit großflächig projektierten Bildern berichtete, stammten, bis auf Auszüge aus Timon Hisches Tagebuch, fast ausschließlich von einer anderen Schule. Nicht nur diese Tatsache, auch Hildebrandts sonore Stimme führte zu zunehmender Unruhe im Saal. "Wenn man mit Kindern arbeitet, muss man selber begeistert sein", sagt Sonja Klein. Sie ist von der wenig kindgerechten Preisverleihung, bei der einzig die Musikprofilklasse der Schule mit ihren schmissigen Einlagen für Stimmung sorgte, mehr als enttäuscht.
Nach der müden Veranstaltung seien die Verantwortlichen vom BUND einfach verschwunden, ohne mit ihr ein Wort zu wechseln, beklagt sich Lehrerin Sonja Klein zudem. Eine Wiederholung kommt für die Lehrerin nicht in Frage. "Wir nehmen jetzt an einem Chemiewettbewerb teil", berichtet sie. Klein, selbst Mitglied im BUND, zieht nicht nur beruflich ihre Schlüsse aus der Veranstaltung. "Ich bin mir nicht mehr sicher, ob meine Spendengelder so sinnvoll angelegt sind und überlege, ob ich zum Nabu wechsele."


Regenwahrscheinlichkeit: