Osterholz. Die Brüder Nicolas und David Jehn haben den elterlichen Betrieb übernommen. Nichts ungewöhnliches, handelte es sich um eine Bäckerei oder einen Handwerksbetrieb. Doch Margarete und Wolfgang Jehn sind Musiker und im speziellen machen sie Musik für Kinder. Ihre Söhne sind in ihre Fußstapfen getreten und seit mittlerweile 20 Jahren sehr erfolgreich als Kinderliedermacher unterwegs.
Singen und Musizieren war natürlicher Bestandteil des Lebens im Hause Jehn. "Wir stammen ja aus einer Musikerfamilie", erklärt der 48-jährige David Jehn. Dazu gezwungen, ein Instrument zu lernen, waren Nicolas und David Jehn nie. Die Brüder sind in Worpswede aufgewachsen, wenn ihre Eltern Musik machten, waren sie dabei. Seine erste Studioaufnahme hatte David Jehn noch bevor er in die Schule kam. Der heute 48-Jährige durfte damals die Triangel spielen.
Mit 17 Jahren sei er vorzeitig von der Schule runter, erzählt Nicolas Jehn, der heute 53 ist, um die Aufnahmeprüfung am Konservatorium zu machen. Er wurde angenommen und studierte Gitarre. Aber als klassischer Gitarrist sei es schwer. "Ich habe mich dann für einen anderen Weg entschieden", sagt Nicolas Jehn, der nach fast dreißig Jahren in Bremen, jetzt mit seiner Familie in Überhamm wohnt. Seit über 20 Jahren arbeitet er als selbstständiger Gitarrenlehrer.
David Jehn studierte an der Universität Bremen Musik und Geschichte auf Lehramt. Dort arbeitete er auch schon als Dozent für Bass. Der Kontrabassist, der mit Frau und zwei Kindern in Schwachhausen wohnt, ist gefragt und neben den Auftritten der Gebrüder Jehn an vielen musikalischen Projekten beteiligt.
Basis: elterliche Musikwerkstatt
Ihre Eltern gründeten 1984 die Worpsweder Musikwerkstatt. Sie haben einen großen Schatz an Kinderliedern selbst geschrieben und aus aller Welt zusammengetragen. Die Gebrüder Jehn tragen diese Lieder nach draußen. 13 CDs sind daraus entstanden. Dass die Brüder einmal gemeinsam arbeiten, war nicht geplant, obwohl sie immer gemeinsam Musik gemacht haben. "Das ist erst später entstanden", erzählt Nicolas Jehn. Nicolas und David Jehn wurden für einen Auftritt bei einem Kinderliedertreff auf Burg Waldeck eingeladen. Eine Veranstaltung mit internationalen Kinderliedermachern, die live im Radio übertragen wurde. Daraus sei das dann erwachsen, sagt Nicolas Jehn.
Mittlerweile spielen die Brüder etwa 60 Konzerte pro Jahr. Sie sind viel in Ostdeutschland und bis zur Rhein-Main-Grenze unterwegs, aber auch Trier ist eine Hochburg. Sie geben Konzerte und veranstalten zudem Fortbildungsseminare und Projekte mit Schulklassen. "Wir versuchen alle Kinder mitzunehmen", sagt David Jehn, "jeden nach seinen Fähigkeiten."
"Wir achten auf Melodien, wir achten auf Texte", erklärt Nicolas Jehn. Das unterscheide sie heute von den meisten Kinderliedermachern. Ihre Lieder können Lehrer noch gemeinsam mit den Schülern singen. Das gehe nicht, wenn ein Kinderlied wie ein Rocksong konzipiert sei. Heute konsumierten viele nur noch, sagt David Jehn.
"Unsere Mutter sagt immer: ich mache nicht in erster Linie Kinderlieder, ich mache Lieder", erzählt Nicolas Jehn. Wenn man eines ihrer Konzerte besucht, wird schnell klar, dass das stimmt. Nicht nur Kinder machen bei Gebrüder-Jehn-Konzerten begeistert mit, auch Eltern sind mit Freude dabei. Und noch etwas zeichnet die Lieder der Jehns aus. "Die sind zeitlos", sagt Nicolas Jehn. Auch vor 15 Jahren aufgenommene Stücke sind heute noch aktuell.
Von Blues bis Pop, die Brüder haben alles gespielt. Und als Kinderliedermacher geht es ihnen genauso wie Rockmusikern, die ihre größten Hits bei jedem Konzert spielen müssen. Bei den Jehns ist es "Die Moorhexe". Tun sie es nicht, sind ihre Fans enttäuscht. Sie selber würden ab und an lieber etwas anderes spielen.
Auch wenn sie als Brüder zusammenarbeiten, sie wollen nicht alles teilen. Die Annahme mancher Veranstalter, sie könnten doch ein gemeinsames Hotelzimmer nutzen, bringt beide Brüder Jehn zum Schmunzeln.
Mit "Schierschandudel" treten die Gebrüder Jehn am Sonntag, 12. Februar, um 16 Uhr, im Haus im Park am Klinikum Ost, Züricher Straße, auf. Dabei singen sie Lieder in plattdeutscher Sprache, begleitet von den Grundschulchören aus Horn, Oberneuland und Ellenerbrokweg. Der Eintritt kostet fünf, ermäßigt drei Euro. Am Montag, 13. Februar, 9.30 und um 11 Uhr, gibt es eine Aufführung nur für Schulklassen. Dafür ist eine Anmeldung erforderlich, Telefon 4081757. Mehr zu den Gebrüdern Jehn und der Worpsweder Musikwerkstatt im Internet unter www.gebruederjehn.de und www.worpsweder-musikwerkstatt.de.


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