Twistringen. "Ich fühle mich hintergangen. Das ist der Grund für meinen Amoklauf", erklärt Markus Thiede. Er kennt den Twistringer Friedhof seit seiner Kindheit und kennt keine vergleichbaren Orte in der Stadt, die mit solchen Bäumen geschmückt sind. Für den Twistringer Anwalt gibt es einige Kritikpunkte im gesamten Ablauf des Vorgehens des Kirchenvorstandes. Angefangen habe es damit, so sagt er, dass der Beschluss unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefasst wurde. Das war Ende Januar. "Zumindest wurde es hinterher noch öffentlich gemacht", sagt Thiede jetzt, der sich nicht ernst genommen fühlt. "Ich bin nur einfaches Mitglied der Kirchengemeinde und habe lediglich das Recht, den Kirchenvorstand zu wählen. Sonst kann ich aber keine Stimme abgeben."
Am vergangenen Freitag lud der Kirchenvorstand zu einer öffentlichen Sitzung ein. Dort fiel das endgültige Urteil, die Friedhofslinden zu fällen. Und auch dort ging es für Markus Thiede im Nachhinein keineswegs mit rechten Dingen zu. "Ich habe konkret gefragt, ob bereits eine Firma mit der Fällung beauftragt wurde. Das wurde deutlich negiert", erklärt der Anwalt. Komisch sei es, dass bereits am darauffolgenden Tag, am Sonnabend, wieder ein Baum gefällt wurde. "Es ist nicht möglich, dass der Auftrag binnen weniger Stunden dann doch erteilt wurde, also können die Angaben vom Freitagabend nicht stimmen", kritisiert Thiede. Dass bereits ein Tag nach dem Beschluss der Fällung das Vorhaben in die Tat umgesetzt wurde, bezeichnet er nicht zuletzt als Trotzreaktion, nach dem Motto: Jetzt haben wir grünes Licht, uns kann keiner mehr was, also legen wir los.
Das vermutet auch der Kreisnaturschutzbeauftragte Martin Lütjen. Wenngleich Lütjen Verständnis für die Notwendigkeit der Fällung hat, so wundert es auch ihn, dass sofort tags darauf abgeholzt wurde. Zudem macht ihn "die Kompromisslosigkeit traurig". So gab es die Forderung, ein bis drei Linden als Denkmal zu erhalten, doch auch hier wurde abgewiegelt. "Bei der Kirche erwartet man eigentlich einen Nachhaltigkeits- beziehungsweise Erinnerungsgedanken." Für Markus Thiede wären aber auch Gedenkbäume keine Alternative gewesen. "Das Fällen wäre für mich grundsätzlich nicht nötig gewesen, die Bäume hätten von Anfang an besser gepflegt werden müssen." Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings, dass ein Teil der Bäume bereits von innen tot ist. Für den stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchenvorstandes, Andreas Borchers, wäre die Option von Gedenkbäumen keineswegs infrage gekommen: "Später wären wir da zum Fällen nicht mehr dran gekommen", sagt er. Aber sind Gedenkbäume, die
irgendwann gefällt werden sollen, überhaupt sinnvoll?
Zur Kompensation sollen nun neue Bäume gepflanzt werden. Die scheinen aber kein Trost zu sein. "Die sind nicht vergleichbar, da sie nur eine geringe Höhe erreichen werden", erklärt Markus Thiede. Und auch Martin Lütjen sagt: "Das ist kein Ausgleich." Einzig positives Fazit für ihn ist nun, "dass das Thema alte Bäume nochmal ins Bewusstsein gerufen wurde."


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