Nachdem der niedersächsische Landtag Mitte März die Einführung der neuen Schulform beschlossen hatte, sprach sich der Rat der Gemeinde Hude mehrheitlich für die Umwandlung der Peter-Ustinov-Schule aus. Die endgültige Entscheidung fällt jedoch im Kreistag, da der Landkreis Oldenburg Schulträger der Gymnasien ist (wir berichteten).
Eine weitere Voraussetzung für ein gymnasiales Angebot in Hude ist, dass dafür genügend Schüler angemeldet werden müssen. "Mindestens 27 Elternhäuser müssen sagen, dass ihr Kind den Gymnasialzweig besuchen soll", erläuterte Klaus Kapell. Daher will die Gemeinde nach den Worten von Bürgermeister Axel Jahnz noch vor den Osterferien die Eltern der Kinder in den Huder Grundschulen zu ihrem konkreten Interesse befragen.
Eltern können frei entscheiden
Laut Kapell können aus bisherigen Haupt- und Realschulen grundsätzlich Oberschulen werden - ohne oder mit gymnasialem Angebot. Möglich ist auch ein Ganztagsbetrieb an einigen Tagen in der Woche. Der Gymnasialzweig stelle eine zusätzliche Beschulungsmöglichkeit dar, sagte der Dezernent mit Blick auf die Graf-Anton-Günther-Schule in Oldenburg, zu der die Huder Gymnasiasten bislang gehen. "Das vorhandene Gymnasium bleibt erhalten." Die Eltern könnten frei entscheiden, ob sie ihr Kind an einem möglichen gymnasialen Zweig in Hude oder am Gymnasium des Landkreises in Oldenburg anmelden.
Die Vorgaben für den Lernstoff seien gleich, führte Kapell weiter aus - und auch die Qualifikation der Lehrkräfte: "In der Oberschule mit Gymnasialzweig werden Gymnasiallehrer unterrichten." Dennoch können nach Angaben des Dezernenten in der Oberschule Gymnasiasten, Haupt- und Realschüler gemeinsam die Klassen fünf und sechs besuchen. Das erleichtere beispielsweise den Wechsel vom Haupt- in den Realschulzweig, die Durchlässigkeit sei besser gegeben als bisher. "Das Kind kann länger auf seine Leistungsfähigkeit beobachtet werden."
In den höheren Klassen sei der Unterricht dann überwiegend schulzweigbezogen. Während für Haupt- und Realschüler die Vorbereitung auf den Beruf im Vordergrund stehe, müsse bei den Schülern des Gymnasialzweigs sichergestellt werden, dass sie nach der zehnten Klasse in die Oberstufe eines Gymnasiums wechseln könnten. Denn für die Oberschulen selbst sieht das Gesetz keine Oberstufe vor. Oberschüler, die Abitur machen wollen, müssen also für die letzten beiden Jahre auf eine andere Schule gehen.
In der Peter-Ustinov-Schule könnte aus Sicht von Gemeinde und Schulleitung bereits zum 1. August dieses Jahres ein gymnasialer Zweig eingerichtet werden. Eine Prüfung habe ergeben, dass die Qualität der Schule ganz weit oben stehe, sagte Bürgermeister Jahnz. Schulleiter Nico Rettcher hob hervor, dass im Schulvorstand der Wille für eine Oberschule mit gymnasialem Zweig gegeben sei. "Eine ausgewachsene Oberschule bis zum zehnten Jahrgang könnten wir ohne Erweiterungsbau unterbringen", fügte er hinzu. Die Schule sei in der Lage, es fundiert zu machen. "Wir haben nicht einen Punkt gefunden, wo wir Nachteile sehen."
Die zahlreichen Fragen der Eltern zeigten allerdings, dass es vorher noch viel Klärungsbedarf gibt. So ging es unter anderem um die zweite Fremdsprache, die Gymnasiasten von der sechsten Klasse an lernen müssen. "Viele Eltern machen ihre Entscheidung davon abhängig, welche zweite Fremdsprache angeboten wird", sagte eine Zuhörerin. Der Schulleiter machte dazu noch keine Angaben, er schloss nur Latein aus. Zudem betonte er, dass es nur eine zweite Fremdsprache geben wird. "Das Angebot, das das Graf-Anton-Günther-Gymnasium bietet, werden wir hier im Gymnasialzweig nicht anbieten können."
Die Zuhörer beschäftigte auch die Frage, was aus dem Gymnasialzweig wird, wenn sich die Zahl der anfangs 27 Kinder im Laufe der Schuljahre verringert. Es gebe eine Zehn-Jahres-Garantie, sagte Dezernent Kapell dazu. "Wir sichern zu, dass Schüler, die im Gymnasialzweig angemeldet werden, ihren Abschluss machen können." Kritik gab es am Tempo für die geplante Einführung der neuen Schulform. "Die Anmeldefristen für die Schulen laufen ab, es ist sehr knapp", hieß es.
Darüber hinaus wurde nach dem Unterschied zwischen Gesamtschule und Oberschule gefragt. Die Gesamtschule bestehe zusätzlich zum bestehenden Schulsystem, sagte Kapell. Außerdem würden dort automatisch alle Kinder in einem Jahrgang beschult. In der Oberschule dagegen könnten Real- und Hauptschüler sowie Gymnasiasten auch nach den jeweiligen Zweigen getrennt unterrichtet werden.


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