Sobald die Sonne herauskommt, füllen sich die Tische und Stühle an der Parkstraße mit Gästen. Selbst an kühlen Tagen sitzen Besucher im Schutz der Markise, vor sich einen Eisbecher oder einen Cappuccino. Drinnen ist italienische Musik zu hören, doch an den Wänden hängen Fotos von Huder Gruppen.
Das Eiscafé ist für viele ein Treffpunkt. Regelmäßig kommt dort der "Sambuca-Club" zusammen. Und jeden Mittwoch ist das Italia Ziel einer Motorrad-Clique, deren Mitglieder aus Brake, Delmenhorst und Lemwerder anreisen. "Sobald es ein bisschen trocken ist, kommen sie mit dem Motorrad", sagt Bertoldo. Als Fußball-Fan hat er auch gute Kontakte zu Huder Kickern. Viele Gäste kennt der 54-Jährige seit Jahren. Einer bringt es auf den Punkt: "Ohne Tano würde etwas fehlen in Hude."
Stammgäste sammeln Unterschriften
Vor 30 Jahren wurde das Eiscafé eröffnet. "Vom Kinderwagen bis zur Oma", beschreibt Bertoldo seine Gäste. Aus manchen Familien kenne er bereits vier Generationen. Wie stark die Bindung der Huder an "ihr" Eiscafé ist, zeigte sich 1990, als der Fortbestand in den früheren Räumen an der Parkstraße/Ecke Hermannstraße wegen eines auslaufenden Mietvertrags auf dem Spiel stand. "Die Stammgäste haben Unterschriften gesammelt", erzählt Bertoldo. Kurz darauf zog das Eiscafé an den heutigen Standort um.
Der Italiener arbeitete als Elektriker in Osnabrück, bevor er ins Oldenburger Land zog. Alle seine Bekannten hätten in der Nähe von Oldenburg und Bremen gewohnt, begründet er die Entscheidung für Hude. Als Inhaber eines Eiscafés wählte er jedoch eine Branche, die nur wenig Raum für Freizeit und die Familie lässt. Von Februar bis November bietet das Café täglich zwischen 10 und 23 Uhr selbst hergestelltes Eis, Frühstück, Crêpes und Waffeln an.
Nur den Winter verbringt das Paar im norditalienischen Fiume Veneto, wo auch Tochter Margherita lebt. Der Abschied von Italien fällt der Familie jedes Mal schwer. "Aber nach ein, zwei Tagen in Hude fühle ich mich wieder wohl", sagt "Tano" Bertoldo. Seine Frau und er haben in ihrer zweiten Heimat viele Kontakte geknüpft. "Wir fühlen uns wohl in Hude", meint Bertoldo. "Es ist schön, als Ausländer so gut wie zu Hause zu sein."
Das Ehepaar hat dafür gesorgt, dass Hude und Italien enger zusammenrücken. Die Partnerschaft mit Fiume Veneto entstand in ihrem Eiscafé. Die Freundschaft zwischen den beiden Orten begann mit einer Mini-Olympiade, an der Mannschaften aus den Huder Partnergemeinden teilnahmen. Als das holländische Team absagte, organisierten Gaetano Bertoldo und seine Frau kurzerhand eine Mannschaft aus Italien. Ein ganzer Bus voll sei gekommen, erinnert sich Bertoldo. Ernestina Bortolin kümmerte sich gemeinsam mit Huder Frauen um die Vertiefung der Kontakte. Im Jahr 2002 wurde die Partnerschaft dann offiziell besiegelt.
Ein Stück Italien in Hude gibt es auch bei der Italienischen Nacht. Was ursprünglich als kleine Feier des Eiscafés geplant war, entwickelte sich nach und nach zu einem großen Fest. Am Sonnabend, 16. Juli, ist es wieder so weit. Mit Musik und Köstlichkeiten aus Italien entsteht italienisches Flair in Hude. Natürlich werden auch Gäste aus Fiume Veneto erwartet.



Regenwahrscheinlichkeit: