Wegen des unbeständigen Wetters hatte der Kulturverein Impuls das Gastspiel im Rahmen des Klostersommers 2011 in die Halle am Huder Bach verlegt. Dass die Aufführung nicht im Freien vor der Kulisse der Klosterruine stattfinden konnte, schmälerte die Wirkung des fantasievollen Bühnenbildes mit Sternenhimmel und buntem Licht nicht. Das Ensemble von "Rambazamba" nahm die rund 400 Zuschauer mit in eine Traumwelt. Im Mittelpunkt stand das Mädchen Nele, das davon träumt, eine Frau zu sein. Und zwar nicht irgendeine. "Ich will eine wilde Frau sein", stellt sie entschieden klar. Die Hauptfigur, gespielt von Nele Winkler, die mit dem Down-Syndrom geboren wurde, probiert verschiedene Rollen aus. Am Anfang entlockt sie einem Cello schräge Töne, dann wieder spielt sie mutig auf der Posaune. Unterstützung bekommt Nele von mehreren "Traumfrauen", die in bunten und glitzernden Kleidern um sie herumtanzen und singen. Sie bewegen sich wie Tempeltänzerinnen, legen zu spanischer Gitarrenmusik einen
Flamenco auf's Parkett und setzen sich mit Nele zum Festmahl an den Tisch. Dazu spielt das Orchester bekannte Musikstücke von Johann Strauß, Friedrich Hollaender und den Beatles. Und auch Marlene Dietrichs "Fesche Lola" hatte einen Auftritt, für den es viel Applaus gab.
Bei so vielen "Traumfrauen" fehlen auch die "Traummänner" nicht. Sie bleiben allerdings eher im Hintergrund: Als Plüschtiere verkleidet dürfen sie nach dem Festessen den Tisch abräumen oder mit nacktem Oberkörper die Muskeln spielen lassen. Im Verlauf des Stücks wird Nele immer sicherer in ihrer Rolle als Frau. Zum Schluss hat sie ihren eigenen großen Auftritt und präsentiert in einer Art Sprechgesang das Lied "Seeräuber-Jenny" aus der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht und Kurt Weill.
In der Theatergruppe "Rambazamba", die seit 20 Jahren besteht, spielen unter anderem Menschen mit geistiger Behinderung professionelles Theater. 1990 riefen Gisela Höhne und Klaus Erfoth für ihren mit dem Down-Syndrom geborenen Sohn Moritz die Berliner Kunstwerkstatt "Sonnenuhr" ins Leben. Dazu gehört auch das Theater "Rambazamba". Zwei Theatergruppen haben in den vergangenen Jahren mehr als 25 Inszenierungen erarbeitet. Und auch zahlreiche Gastspiele im In- und Ausland haben "Rambazamba" eine Würdigung als "Deutschlands wichtigstes integratives Theater" eingebracht.
Die Schauspieler auf der Bühne nutzten ganz unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten. So trat an die Stelle der Sprache häufig die Musik. Außerdem gab es viel Bewegung, Tanz sowie witzige und skurrile Szenen - zum Beispiel ein Duett aus Rülpsern und Soprankoloraturen, das viel Gelächter auslöste. Dass die Darsteller durch und durch Profis sind, stellte ein Sänger auf anrührende Weise unter Beweis: Als sein Mikrofon nicht funktionierte und das Orchester zu spielen aufhörte, sang er das Lied "Tonight" aus der "West Side Story" einfach ohne Mikrofon und bekam einen Riesen-Applaus. Die "Weiberrevue" unter der Regie von Gisela Höhne riss das Publikum mit. Die Lebensfreude der Schauspieler wirkte ansteckend: Immer wieder gab es zwischendurch Beifall. Und einige der Zuschauer stimmten in die bekannten Lieder mit ein.
Zu der Aufführung waren auch zahlreiche Gruppen aus Einrichtungen für behinderte Menschen gekommen. Der Lions-Club Oldenburger Geest hatte die Karten finanziert und teilweise auch den Transport organisiert. "Wir konnten gleich von Anfang an mitswingen", meinte Sybille Rusch, Betreuerin einer Gruppe der Lebenshilfe Delmenhorst. "Es macht Spaß, zuzusehen", sagte auch Ingeborg Willemsen aus Falkenburg. "Es ist erfrischend und fröhlich, und die Musik geht in die Füße." Vielseitig und kreativ fand eine Besucherin aus Oldenburg die "Weiberrevue": "Ganz anders als normales Theater."


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