Von Tina Hayessen
Hude. Hartmut Auffarth besucht regelmäßig seine Familie in Ganderkesee, und auch zu Arztterminen muss er den Weg dorthin antreten. Seit Herbst vergangenen Jahres endet die Reise des Rollstuhlfahrers in die Gantergemeinde aber an der Schranke zu den Gleisen am Huder Bahnhof. "Früher konnte ich den Übergang nutzen", sagt Auffarth. Zwischen den Gleisen lagen Bohlen, über die er mit seinem Rollstuhl fahren konnte. Die Bohlen sind weg, der Übergang ist damit für ihn nutzlos.
Auf Geschwister-Shuttle angewiesen
Will Auffarth jetzt nach Ganderkesee, muss er sich um Alternativen zum Zug kümmern. "Meine Geschwister können mich oft fahren", nennt Auffarth eine Option. "Die Möglichkeit haben natürlich nicht alle Behinderten", wirft Behindertenbeauftragte Rita Rockel ein. Und auch für Auffarth ist der "Geschwister-Shuttle" keine ständige Lösung. "Schließlich will man nicht immer betteln." Wenn es mal gar nicht anders geht, sagt Auffarth, legt er den knapp 15 Kilometer langen Weg in die Nachbargemeinde mit seinem elektrischen Rollstuhl zurück.
In Ganderkesee übrigens und auch in Delmenhorst, betont der Rollstuhlfahrer, habe er keine Probleme rund um die Bahnhöfe. "In Ganderkesee ist alles ebenerdig oder hat nur eine leichte Steigung, und in Delmenhorst gibt's einen Aufzug", vergleicht Auffarth die verschiedenen Standards. Diese anzugleichen, versichert Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst, liege auch im Interesse der DB. In ganz Niedersachsen sei man dabei, an barrierefreien Bahnhöfen zu arbeiten. In Hude sollen die Bauarbeiten dazu 2013 losgehen. "Einen ganz genauen Termin kann ich aber noch nicht nennen."
Dass die von Auffarth als so einfach erlebte Lösung, an die Gleise zu gelangen, nun nicht mehr funktioniert, kann sie auch begründen: "Der fragliche Überweg war ein Dienstweg zu einer Werkstatt der DB in Hude. Diese ist inzwischen an diesem Standort aufgelöst worden, so dass dieser Überweg nicht mehr benötigt wird." Heißt also: Der Weg über die Gleise war nie für Rollstuhlfahrer oder andere Bahngäste gedacht. Dass er, wenn denn schon mal da, nicht zur Zufriedenheit aller genutzt werden kann, liege ganz einfach an den Sicherheitsbestimmungen. Wenn etwa ein Unfall auf dem Weg zum Bahnsteig passiere, könne die DB dafür zur Verantwortung gezogen werden.



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