Hude. Der Konflikt war derselbe wie vier Wochen zuvor: Für einen barrierefreien Zugang zum Bahnhofstunnel - zumindest von der Nordseite aus - bevorzugen Verwaltung und Planer eine neue Rampe, die weniger steil, dadurch aber auch länger sein soll als die bestehende. Ein Großteil der Politik kann sich damit nicht recht anfreunden und fordert stattdessen einen Fahrstuhl. Den wiederum können sich Verwaltung und Planer nur als zusätzliche Option vorstellen; auf eine flachere als die bisherige Rampe könne trotzdem nicht verzichtet werden.
Ein Knackpunkt ist die Finanzierung: Für die Rampenlösung gibt es Geld von der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) und dem Verkehrverbund Bremen-Niedersachsen (VBN), für einen Fahrstuhl gibt es nichts. Jedenfalls nach Darstellung der Verwaltung, der aber einige der Anwesenden offensichtlich keinen Glauben schenken mochten. Vor allem Wilfried Siems (CDU) sowie Andreas Otte vom Gewerbe- und Verkehrsverein hakten nach: Ob denn jemals ein Fahrstuhl schriftlich abgelehnt worden sei, wollte Otte wissen - die Verwaltung verwies auf entsprechende Gesprächsprotokolle. Siems erkundigte sich, ob die Förderfähigkeit aktuell noch einmal überprüft worden sei, oder ob es sich um den Sachstand von 2007 - als die Planung auf den Weg geschickt wurde - handele.
Fachbereichsleiterin Martina Schneider wiederholte fast gebetsmühlenartig, dass sich der für dieses Jahr erteilte Förderbescheid ausschließlich auf die Rampenlösung beziehe. Die Kriterien hätten sich in den vergangenen Jahren nicht geändert, insofern könne die Gemeinde auch weiterhin kein Geld für einen Fahrstuhl erwarten. Wenn man es dennoch versuchen wollte, wäre mit einer Entscheidung nicht vor nächstem Jahr zu rechnen. Egal, wie die ausginge, wäre bis dahin allerdings die jetzige Zusage für die Rampe verfallen, denn die müsste zwingend bis Ende des Jahres gebaut werden. Außerdem gäbe es bei einer Fahrstuhl-Variante definitiv kein Geld für die Anpassung des Bahnhofsvorplatzes. Die ist im aktuellen Bescheid mit enthalten.
Laut dem Vertagungsbeschluss soll die Verwaltung nun trotzdem noch einmal die Fördermöglichkeiten für einen Fahrstuhl abfragen. Für den Behindertenbeirat merkte Jörg Kreusel an, dass man die Entscheidung nicht davon abhängig machen sollte, wofür es welche Förderung gibt - "wir vergessen dabei die Menschen".
Allerdings halten Verwaltung und Planer die Rampe auch aus inhaltlichen Gründen für die beste Lösung. "Mir ist die Barrierefreiheit wichtiger als die Gestaltung des Vorplatzes", ging Bürgermeister Axel Jahnz auf die Bedenken ein, der Platzcharakter werde zerstört, wenn die Rampe kurz vor ihrem bisherigen Ende nach Westen abknickt und parallel zur Parkstraße weiterläuft. Nur die Rampe biete einen durchgängig verlässlichen Zugang zum Tunnel. Martina Schneider hatte zuvor von "relativ häufigen" Störungen der Aufzugsanlage am Bahnhof Bookholzberg berichtet. Planer Heinz Mazur vom Planungsbüro PGT Umwelt und Verkehr nannte für den Bahnhof Osnabrück Ausfallzeiten von mindestens neun Tagen pro Jahr. In Burgdorf sei "der Fahrstuhl das ärgerlichste am ganzen Bahnhof". In Scheeßel dagegen habe der Platz sogar für Rampen zum Bahnsteig gereicht, "die Erfahrungen sind positiv, weil man dort immer hochkommt".
In Hude dagegen will die Bahn vom Tunnel zu den Bahnsteigen Fahrstühle einsetzen. Das führten die Befürworter der Fahrstuhllösung Richtung Vorplatz erneut als Argument an: Was an der einen Stelle richtig sei, könne ein paar Meter weiter nicht falsch sein. Allerdings vermeide auch die Bahn Fahrstühle, wo sie nur könne, meinte Mazur. In Hude könne sie nur nicht, weil es an Platz mangele. "Ein Fahrstuhl ist ein hohes Gut, bedarf aber besonderer sozialer Aufmerksamkeit", spielte er auf die Wartungsintensität und die Vandalismusanfälligkeit an.
Dem hielten die Fahrstuhl-Fans unter anderem entgegen, dass auch eine Rampe nicht wartungsfrei sei, beispielsweise von Eis und Schnee befreit werden müsse. Kern der Bedenken ist neben der Platzgestaltung aber eher, dass es zumindest einigen von denen, für die die Rampe unter anderem gedacht ist, schlicht zu anstrengend wäre, sie zu bewältigen, etwa mit handgetriebenem Rollstuhl oder Rollator.
Mazur machte den Vorschlag, alles mit einer geringfügigen Veränderung der Pläne so anzulegen, dass ein Fahrstuhl nachgerüstet werden könnte, wenn es denn immer noch gewünscht werde. Davon hielten die Rampen-Kritiker aber wenig. "Dass weiß doch jeder, dass wir nie beides kriegen werden", meinte Siems.


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