Das Vierhändigspielen befreit den Pianisten aus seiner "Einzelhaft". Zudem ist Geselligkeit kein zu unterschätzender Faktor beim Musikmachen. Einem wichtigen sozialen Faktor begegnen wir auch, wenn wir uns bewusst machen, dass es für frühere Generationen junger Leute verschiedenen Geschlechts eine ideale Gelegenheit war, sich auf der engen Klavierbank unter Wahrung allen geziemenden Anstands auch körperlich näher zu kommen beim zärtliche Ineinandergreifen der Hände im Geflecht der melodischen Linien. Über die Geselligkeit schaffen vier Hände durchaus auch mehr an klanglicher Wucht, und weil sie sich die Arbeit teilen, ist der Aufwand auch geringer, als wenn zwei Hände allein zu Werke gehen. Vier Hände auf einem Klavier bedeuten also auch Arbeitserleichterung, und so boomte im 19. Jahrhundert der Markt für Bearbeitungen von ganzen Opern oder Sinfonien für das hausmusikalische vierhändige Klavierspiel.
Das Konzert am Dienstag wurde nun vielen der genannten Aspekte gerecht. Thomas Ahlhorn und Sebastian Grothey, die beiden Pianisten des ersten Teils des Programms, strahlten mit Charme und Ernsthaftigkeit das Vergnügen des gemeinsamen Klavierspiels aus. Dass das Ganze ab und zu das Flair des Spontanen hatte, lag auch daran, dass die beiden Pianisten aufgrund eines Todesfalls ganz kurzfristig eingesprungen waren und dieses Programm auf die Beine gestellt hatten.
Sie begannen mit einer der genannten Bearbeitungen, nämlich mit drei Arien aus Mozarts "Zauberflöte", die der Beethoven-Lehrer Christian Gottlob Neefe arrangiert hatte. Das hätte wie vieles an diesem Abend bei aller hausmusikalischen Bestimmung pianistischen Feinschliff durchaus vertragen, lebte aber aus seiner ausstrahlenden Spielfreude. Und als Thomas Ahlhorn die Anfangszeilen der Arien spontan mitsang, schuf das nicht wenig Faschingsdienstagsstimmung. Mozarts Fantasie f-Moll "für ein Orgelwerk in einer Uhr" war dann näher am Aschermittwoch: Sieht man von einigen Mängeln an Präzision ab, wurde beide Pianisten dem musikalischen Tiefsinn dieser Phantasie, die auch Organisten gern spielen, wohl gerecht. Den drei Sätzen der Sonate Es-Dur von Muzio Clementi hätte ein wenig mehr Probenzeit sicher gut getan, hätte für dynamischere Kontraste, eine plastischere Themenmodellierung und eine deutlichere Artikulation gesorgt.
Schumanns peppig-temperamentvoll gespielte "Polonaise" läutete den durchweg von einer gewissen Faschingsstimmung durchdrungenen zweiten Teil des Abends ein. In den zwölf Walzern op. 25 von Robert Fuchs herrschte in den langsamen Teilen schönstes romantisches Sentiment, die rascheren Teile gerieten etwas robust.
Schließlich gesellte sich "Concerto"-Organisator Stefan Lindemann zu den beiden Pianisten, es wurde eng auf dem Hocker, aber wo vier Hände Platz haben, einigen sich auch sechs. Und sie sorgten in den sechs Stücken für Klavier zu sechs Händen von Giovanni Piazza neben der visuellen Attraktion für vergnügte Unterhaltung mit jazzinspirierter, tänzerischer, poppiger vielfingriger Klaviermusik, bei der der Funke des Spaßhabens von den Interpreten auch aufs Publikum übersprang. Nach dem geistreichen "Bolero humoresque" des jungen Bremer Pianisten Jannes Waterstrat kannte der Beifall kein Ende.


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