In ihrem Vortrag mit Diskussion zum Thema Kommunalpolitik unter dem Motto: "Was hat Frau davon?" eröffnete die Scheeßelerin eine Informationsreihe der Lilienthaler Bündnisgrünen. Wie können sich Frauen ins politische Leben einbringen? Und warum machen weniger Frauen als Männer von diesem Recht Gebrauch? Grünen-Ratsfrau Gisela Velde-Gestrich, die Ortsverbandsvorsitzende Christina Klene sowie die Gleichstellungsbeauftragte Heidemarie Lohmann diskutierten mit der Landtagsabgeordneten über Seilschaften, Frauensolidarität und Netzwerke.
Unter 26 Lilienthaler Ratsmitgliedern gebe es bislang nur fünf Frauen. Ähnlich mickrig sei der Frauenanteil in Verwaltungsspitzen, in den meisten Bundesländern weit unter 20 Prozent. Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern bei gleicher Tätigkeit, unfreiwillige Teilzeitbeschäftigung und zu viele Hürden für junge Migrantinnen beim Einstieg ins Erwerbsleben seien Beispiele für fehlende Chancengleichheit. Dabei führe eine konsequentere Gleichstellungspolitik zu messbarer Effizienz in allen Branchen, zitierte Twesten aus dem Beschluss der Landesdelegiertenkonferenz der Niedersächsischen Bündnisgrünen, Titel: "Potenziale der Frauen nutzen". In Deutschland würde das Bruttoinlandsprodukt um 29 Prozent und die Beschäftigungsrate um 28 Prozent steigen, wenn die Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt verwirklicht wäre - Twesten verwies auf den Jahresbericht der Europäischen Kommission zur Gleichstellung von Frau und Mann. All das sei ein Grund, die politischen Verhältnisse zum Tanzen zu
bringen, so Twesten.
"Politik ist alles, was uns umgibt." Die Finanzwirtin und Mutter von drei Töchtern im Alter zwischen 13 und 20 Jahren kam über die ehrenamtliche Tätigkeit im Elternbeirat eines Scheeßeler Kindergartens auf die Idee, sich gesellschaftspolitisch zu engagieren. Das war vor 14 Jahren. Ihre Motivation, sich ins vermeintlich dröge Geschäft der Kommunalpolitik zu begeben war damals ein persönlicher: Ein Parkplatz sollte neben dem Kindergarten ihrer Töchter errichtet werden und das Scheeßeler Ortsbild maßgeblich verändern. Die Elternschaft war dagegen und trug ihr Anliegen ins Rathaus. Sprüche von politisch Verantwortlichen wie: "Ich bin auch auf den Knien meines Großvaters groß geworden" veranlassten Twesten, politisch aktiv zu werden. "Diesen Männern überlässt du das nicht!", schwor sie sich und erreichte mit anderen engagierten Müttern ein Bürgerbegehren, "mit einer Wahlbeteiligung von 90 Prozent!"
Kommunalpolitik sei kein kalter Kaffee, sagt die Landtagsabgeordnete. Über Mentoring-Programme bekämen Einsteigerinnen Hilfestellungen. Durch persönliche Kontakte zu den Ortsverbänden könnten Bürgerinnen an Schnuppertagen hinter die Kulissen der politischen Bühne blicken. Weitere Informationen finden interessierte Frauen im Internet unter www.politik-sucht-frauen.de.


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