"Antrag auf Durchführung einer Elternbefragung zur Errichtung einer IGS mit Stammschule in Lilienthal und einer Außenstelle in Worpswede", war die Tischvorlage überschrieben, die zu Beginn der Ratssitzung verteilt wurde. Die CDU-Fraktion ziehe ihren Antrag aus dem Schulausschuss zurück, erklärte der Vorsitzende Stephan Kück-Lüers, denn die Eltern wollten laut dem Ergebnis der vorigen Befragung eine IGS. "Aber warum nicht in Lilienthal und Worpswede?" Eine Oberschule wäre für die CDU zwar eine Alternative, aber die schlechtere. Andererseits sei nicht zu erwarten, dass für eine IGS Lilienthal/Grasberg die für eine Genehmigung nötige Fünfzügigkeit (120 Schüler) zustandekomme. Mit einer Außenstelle in Worpswede sei diese Zahl leichter zu erreichen - bei der vorigen Befragung sei die Zahl der Teilnehmer aus Worpswede viel geringer gewesen als die derer aus Grasberg. Würde nach einer IGS Lilienthal/Worpswede gefragt, würden sich dafür auch die Worpsweder Eltern entscheiden, die
sich bisher für eine Oberschule ausgesprochen hätten. Die könnte dann ohne weiteres in Grasberg eröffnet werden.
Kreistag entscheidet vor den Wahlen
"So wie die CDU darf man nicht vorgehen", beschwerte sich Gerhard Witte für die SPD. Man habe den Antrag der CDU von vergangener Woche im Schulausschuss und im Verwaltungsausschuss ausführlich beraten. "Und heute kriegen wir etwas vollkommen anderes auf den Tisch." Der Antrag könne nichts mehr bewirken, da im September Wahlen anstünden. Im August müsse der Kreistag über die IGS Lilienthal/Grasberg entscheiden - dass eine IGS Lilienthal/Worpswede nicht genehmigt werde, wisse man bereits von der Kreisverwaltung. Der Fragebogen der vorigen Umfrage sei mit der Landesschulbehörde abgesprochen gewesen, die die Entfernung zwischen Lilienthal und Worpswede für zu groß halte. Wenn eine IGS Lilienthal/Grasberg gebildet werde, werde das Land nicht sofort die Worpsweder Haupt- und Realschule schließen. Dann könne der neue Gemeinderat in Ruhe nach anderen Möglichkeiten suchen. "Das war eine lange Rede, Herr Witte, aber auch eine gute", meinte Bernd Rugen (Die Linke). Die CDU fahre
einen Schlingerkurs, den man den Eltern nicht zumuten könne. Er wisse nicht, wie er mit dem neuen Antrag umgehen solle. "Ich kann dazu nicht nein und nicht ja sagen."
Hanna Thum (UWG) ging es ähnlich. Sie freue sich zwar, dass die CDU sich jetzt wieder für eine IGS ausspreche, sagte sie, aber der Antrag sei sehr plötzlich gekommen. Sie sehe die Gefahr, dass bei einer dritten Befragung die Teilnahme so gering sein werde, dass die Schülerzahlen schon deshalb nicht für eine Fünfzügigkeit ausreichten. Die Vorstellung, in Worpswede eine IGS zu bekommen, sei ja sehr schön. "Aber wohl eher ein schöner Traum", so Thum.
Der jetzige Antrag sei der letzte Strohhalm für Worpswede, erklärte Stephan Kück-Lüers und fragte: "Soll man lieber nichts machen?" Diesen Vorwurf wollte Frank Schmidt nicht auf der SPD-Fraktion sitzen lassen. Der Antrag sei nach dem Grundsatz gestellt: "Wir stimmen so lange ab, bis uns das Ergebnis gefällt", kritisierte er. Es gebe nun einmal eine Mehrheit für eine IGS Lilienthal/Grasberg, auch bei den Worpsweder Eltern. Für Marion Werner (SPD) war der CDU-Antrag ein Wahlkampfmanöver. Bürgermeister Stefan Schwenke dagegen sprach sich für den Antrag aus. Er verstehe nicht, dass die Ratsparteien nicht gemeinsam für eine IGS mit Außenstelle Worpswede kämpften, wenn sich doch alle einig seien, dass eine IGS die beste Schulform sei, sagte er. Wenn Worpswede IGS-Standort werde, kämen alle Kinder zurück, die derzeit zur KGS Hambergen und zur IGS Buschhausen gingen.
Nach einer Sitzungsunterbrechung blieben UWG und CDU bei ihrer Meinung. Die UWG lehne den Antrag ab, weil eine zu geringen Umfragebeteiligung zu erwarten sei. Die SPD jedoch hatte in der Sitzungsunterbrechung einen eigenen Antrag formuliert: Die Gemeinde solle beim Landkreis beantragen, dass er beim Land einen Antrag auf eine IGS im Ostkreis stellt, sagte Frank Schmidt. Werde dieser nicht genehmigt, solle man überlegen, wie man weiter vorgehen solle. Schließlich fänden im Jahr 2013 Landtagswahlen statt, und mit einer neuen Landesregierung wäre vielleicht eine Lösung für alle drei Gemeinden möglich. Schwenke glaubt, wenn bis 2013 gewartet werde, werde es in Worpswede keine Schüler für die Haupt- und Realschule geben. "Dann hat sich das faktisch hier erledigt", warnte er. Die Abstimmung ergab dann für den CDU-Antrag 13 Stimmen von CDU und Bürgermeister, womit er gegen die elf Stimmen von SPD, UWG und Linke angenommen war. Bis zum 24. August soll das Ergebnis der Befragung vorliegen,
sagte Stephan Kück-Lüers. Das würde ausreichen, um bis Oktober eine IGS zum Schuljahr 2012/13 zu beantragen.


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