Christa Wöhler, die Heimleiterin, und Klaus Sass, stellvertretender Bürgermeister, übernahmen die Moderation, befragten geschickt und behutsam die drei Behinderten und den Behinderten-Beauftragten des Landkreises, Walter Dammann.
Die junge und lebenslustige Larissa Böttjer ist bereits seit ihrer Geburt, bei der sie durch Sauerstoffmangel geschädigt wurde, gehbehindert. "Erst dachte ich, ich würde niemals laufen können", erzählte sie. Inzwischen kann sie sich schon recht gut bewegen, wenn auch das Gehen noch unbeholfen und schwerfällig geschieht. Sie sei von Freunden, Mitschülern und auch bereits im Kindergarten immer "ganz normal" behandelt worden. Es stört sie, als hilflos angesehen zu werden. Den Führerschein hat sie gemacht, treibt viel Sport, schwimmt gerne, hofft auf weitere Verbesserung ihrer Behinderung. Offen, frisch und fröhlich geht sie mit ihrer Behinderung um. "Meine Eltern haben mich selbstbewusst erzogen, ich bin immer locker mit der Behinderung umgegangen", erklärt sie.
Streit mit der Krankenkasse
Wolfgang Meyer leidet an einer Muskelschwäche, die sich mit zunehmendem Alter immer mehr bemerkbar macht. In seiner Jugend hat er noch eine Lehre absolviert. Schon damals merkte er aber, dass er nicht so kräftig wie seine Kollegen war, orientierte sich um, versuchte, schwere körperliche Arbeit zu meiden. Dennoch: Seinen Traum vom eigenen Haus hat er zusammen mit seiner Frau durch viel Eigenleistung verwirklicht. Er engagierte sich ehrenamtlich, war auch in der Kommunalpolitik tätig. Irgendwann war es ihm aber nicht mehr möglich, den großen Garten und das Haus in Ordnung zu halten. Konsequenz: Verkauf und Erwerb einer behindertengerechten Wohnung.
Günther Hüllen lebte als junger Erwachsener noch ohne Behinderung. Dann, bei einem Kopfsprung in seichtes Wasser: Bruch der Halswirbelsäule, Querschnittslähmung. Nichts ging mehr. Es folgte ein langer Aufenthalt in einer Spezialklinik.Zu Hause wurde er von den Eltern gepflegt. Die Umschulung zum Bürokaufmann, der Verlust alter Freunde, dafür aber neue Bekanntschaften - nichts war mehr so wie früher. Da das bewohnte Haus nicht behindertengerecht war, wurde es verkauft, ein kleines wieder erworben. "Ich werde mich nie an die Behinderung gewöhnen, aber ich muss damit leben", findet er sich mit seiner Beeinträchtigung ab.
Probleme haben alle drei mit der Krankenkasse oder Rentenversicherung, mit der amtlichen Unterstützung. Da wartet Larissa seit langen Jahren auf die Berechtigung, Behindertenparkplätze nutzen zu dürfen. Günther streitet sich mit der Krankenkasse um die Genehmigung von Reha-Maßnahmen, Wolfgang hat lange um seine Rente kämpfen müssen. Ohne Gerichtsverfahren ging es bei keinem ab, Gutachten, Widersprüche, Schriftverkehr: Zur Behinderung kommt der Kampf mit der Anerkennung.
Doch auch Positives wird gesehen. Da gibt es barrierefreie Busse und Bahnen (wenn auch viele Bahnhöfe das Erreichen der Züge unmöglich machen), Türen öffnen sich automatisch, beim Einkauf findet man leicht hilfsbereite Personen, Toiletten sind angepasst, bei Veranstaltungen können Begleitpersonen kostenlos dabei sein. Nicht so toll findet Walter Dammann, dass immer mehr Firmen lieber einen Ablösebetrag bezahlen, statt Behinderte zu beschäftigen. Selbst Rheumatiker, kann er kompetent mit Behörden und Kassen kommunizieren. Kontakte zu Sozialverbänden, die Mitarbeit im Widerspruchsausschuss und die guten Beziehungen zu örtlichen Behörden helfen ihm, manche Probleme auf einfachem Weg zu erledigen.
"Nicht behindert zu sein, ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das einem jeden Tag genommen werden kann", mahnte er die Zuhörer, und Klaus Sass schloss den Klönschnack mit einem Zitat von Wolfgang Schäuble: "Im Grunde sind alle Menschen behindert, der Vorteil von uns Behinderten ist, dass wir es wissen".


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