"Mit ihm ist eine besondere Worpsweder Persönlichkeit gegangen", würdigte Bürgermeister Stefan Schwenke den Verstorbenen, der in die Worpsweder Kunst "verliebt" gewesen sei und mit seiner bedeutenden privaten Sammlung Alter Worpsweder das kulturelle Erbe und den Ruf der Gemeinde weit über die Grenzen Deutschlands hinweg verbreitet habe.
Kaufmann wurde am 2. Dezember 1922 in Schlesien geboren und wuchs in Berlin auf. Nach einer Schauspielausbildung studierte er Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte, Psychologie und Philosophie. In Wien promovierte er zum Thema "Aspekte zur Wechselwirkung von Theater und Politik". Bevor er im Ruhrgebiet unternehmerisch tätig war, trat er als Schauspieler auf und arbeitete als Autor sowie als Feuilletonredakteur. Nach dem Tod seines Vaters, des Kunstverlegers und Galeristen Bernhard Kaufmann, der 1949 das Haus am Weyerberg gebaut und den gleichnamigen Kunstblätter-Verlag gegründet hatte, kam er 1980 nach Worpswede, um mit seinem Bruder Matthias den Nachlass zu regeln. Nach dreijähriger Erbengemeinschaft gingen die Brüder getrennte Wege: Der Ältere erhielt die Gemäldesammlung der alten Worpsweder Meister - von Mackensen über Vogeler bis zu Modersohn-Becker - und der Jüngere das Haus mit Ausstellungs- und Verlagsräumen.
Wolfgang Kaufmann, der seither etliche Werke hinzugekauft hatte, erzählte einst in einem Gespräch mit dieser Zeitung, dass der Grundstock der Worpswede-Sammlung aus dem Verkaufs-Erlös eines Rubens-Gemäldes finanziert worden sei. Das Kunstwerk habe der Vater in der Nachkriegszeit - unter der Kleidung versteckt - durch die sowjetische Besatzungszone in den Westen geschmuggelt. 1983 beabsichtigte Wolfgang Kaufmann, mitten im Künstlerdorf eine Galerie einzurichten. Doch der Gemeinderat verweigerte ihm die Baugenehmigung. Verärgert über das Verhalten der Kommunalpolitiker entschloss sich der Sammler, seine Kunstwerke im Kunsthaus Stade auszustellen, wo sie zehn Jahre lang zu sehen waren.
1997 Museum eröffnet
1989 gründete er zu Ehren des Vaters die Bernhard-Kaufmann-Gesellschaft, die sich um die Förderung zeitgenössischer Kunst verdient gemacht hat. Am 15. Oktober 1997, dem 101. Geburtstag von Bernhard Kaufmann, wurde in der Hembergstraße das Museum am Modersohn-Haus eröffnet. Vier Jahre zuvor hatte Wolfgang Kaufmann das Wohnhaus von Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker erworben.
Auf der Einweihungsfeier in den neuen Galerieräumen rezitierte der Schauspieler Will Quadflieg aus Rilkes "Requiem für eine Freundin". Anwesend war auch der befreundete Maler Christian Modersohn, mit dem sich Kaufmann Anfang der 90er Jahre in Kasachstan auf die Spuren Heinrich Vogelers begeben hatte. Bilder, Schriften und Zeichnungen des Künstlers aus dessen später Schaffensphase in der Sowjetunion vervollständigen die größte private Worpswede-Sammlung, ebenso wie ein Holz-Relief, das zu Ehren von Michail Gorbatschow am Museumseingang installiert wurde. Wolfgang Kaufmann und seine Ehefrau Sigrun konnten Anfang dieses Jahres noch ihre Silberhochzeit feiern.
Die Trauerfeier findet am 6. Oktober um 14 Uhr im Museum am Modersohn-Haus statt.


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