Osterholz-Scharmbeck. Im Blickpunkt der Premierenfeier stand Alina Hinrichs. Die 18-Jährige wurde nach der Premiere von "Hexensommer" am Sonnabend in der großen Scheune auf Gut Sandbeck von allen Seiten gelobt. "Töchter laufen in Stücken oft nur herum und lassen sich zweimal im Stück küssen", erkannte Petra Blume. Doch in ihrem plattdeutschen Stück ist das anders. "Da ist das fast schon eine Hauptrolle", stellte die Husumerin fest. Und Hinrichs habe die Herausforderung mit Bravour gemeistert. Blume hatte extra den weiten Weg von der Nordseeküste nach Osterholz-Scharmbeck gemacht, um die Premiere ihrer ungewöhnlichen Komödie zu erleben. Sie war wie die vielen Zuschauer begeistert.
Regisseurin Elke Münch und das Schauspielteam haben einen guten Einstieg in die neue Saison des Theaters in OHZ geschafft. Hexensommer ist ein mystisches Stück, in dem Außerirdische, geheimnisvolle Kornkreise, Voodoo und Hexenkram eine große Rolle spielen. Letztendlich entpuppt es sich aber als witzige Komödie, die einige ungewöhnliche Menschen widerspiegelt. "Das Stück hat eine Geschichte zu erzählen", sagt Münch. Dafür braucht ein Regisseur gute Schauspieler und die hat Münch bei der Scharmbecker Speeldeel gefunden. "Alle Rollen waren passend besetzt", zollte auch Autorin Blume den Akteuren Respekt. Blume hat Hexensommer schon einige Male auf der Bühne bewundern können. Darunter auch professionelle Aufführungen. Einmal hat sie Hexensommer sogar selber inszeniert.
Alina Hinrichs feiert einen gelungen Einstand auf der großen Bühne. Sie hat schon in Weihnachtsmärchen und anderen Projekten der Nachwuchstruppe "De Plattmüüs" mitgewirkt. Jetzt bewies sie hohe Wandlungsfähigkeit - Töchterchen Tanja ist mit ihren esoterischen Anwandlungen, ihrer jugendlichen Ausgelassenheit und teilweise naiven Ansichten keine einfache Rolle. Bei allem Lob sollen die Leistungen der übrigen Schauspieler nicht vernachlässigt werden. Karl-Heinz Fürst legt seine ganze Erfahrung in die Person des Bauern Manfred Behn. Stimmig spielt er einen allein erziehenden Vater, der nicht nur mit seiner Tochter so seine Probleme hat. Hans-Georg Frers verkörpert in seiner letzten Rolle für die Speeldeel gekonnt den schlitzohrigen Knecht Jochen, der jedem Geld aus dem Kreuz leiert. "Hans-Georg zieht aus beruflichen Gründen in den Süden", so Bühnenleiterin Astrid Gries.
Eine Frau im Graben
Andreas Lingemann spielt den Wissenschaftler Karsten Rohloff, der die geheimnisvollen Kornkreise untersuchen will und sich dabei noch verguckt. Und dann ist da noch Frauke Stinger. Jene geheimnisvolle Frau, die von Tanja und Jochen im Graben aufgefunden wird. Ist sie eine Außerirdische? Oder ein anderes mystisches Wesen? Christine Fromme spielt die Geheimnisvolle mit gekonnter Zurückhaltung. Fromme war kurzfristig eingesprungen, weil die ursprünglich vorgesehene Schauspielerin aus gesundheitlichen Gründen aussteigen musste. Die Geschichte bietet allen Mitwirkenden Spielraum für die Entwicklung eigener Charaktere. Das gilt besonders für Christa Gailus als "Hexe" Anna Delfs. Sie skizziert eine Frau, die zwischen eiskaltem Kalkül und Liebeswürdigkeit schwankt. Bauer Behn hat nicht nur mit seiner Tochter, die seine Freundin für eine Hexe hält, zu kämpfen. Er ist auch hochverschuldet. Als er eines Morgens Kornkreise in seinem Feld entdeckt, ist der Hof gefährdet. Doch
plötzlich wendet sich alles. Reporter und Wissenschaftler machen das Ereignis zur Goldgrube. Die Komödie spielt nicht mit Verwechslungen. Schnell wird dem Zuschauer klar, was gespielt wird. Der Reiz des Stückes liegt in den Menschen. Dabei kommt der Humor nicht zu kurz.
Das witzige und kurzweilige Stück ist bis zum 26. Oktober noch 13 Mal in Osterholz-Scharmbeck zu sehen. Karten sind unter der Telefonnummer 04791/17317 erhältlich. Auch im Internet gibt es weitere Informationen: www.theater-in-ohz.de.


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